Alkohol gegen Stress – Stress mit Alkohol

Die Sozialen Fachstellen Toggenburg führten gestern mit der Alkoholkurzzeittherapie PSA des Spitals Wattwil eine Standaktion durch. Die Hauptbotschaft war klar: Ein gelegentliches Glas Alkohol zur Entspannung nach einem stressigen Tag ist kein Problem. Wird Alkohol zur Entspannung zur Gewohnheit, gilt Vorsicht.

Martina Signer
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Passanten konnten sich mit Broschüren bedienen.

Passanten konnten sich mit Broschüren bedienen.

WATTWIL. «Haben Sie Stress?» Diese Frage stellten Remo De Toffol von der Sozialen Fachstelle Toggenburg und Roland Walther, Leiter der Alkoholtherapiestation PSA am Spital Wattwil, den Passanten. Sie wollten im Rahmen des nationalen Aktionstages Alkohol auf das Problem aufmerksam machen, wenn Alkohol als Stressbewältiger zur Gewohnheit wird. Mit dem Fragebogen zum eigenen Stress-Level, dessen Ausfüllen keine zwei Minuten dauert, fand jeder, der sich die Zeit nahm, rasch heraus, wie es um den eigenen Stresspegel bestellt ist. Oft waren die Ergebnisse überraschend.

Ambulante und stationäre Hilfe

Der Griff zu einem Glas Alkohol nach einem stressigen Tag wird je nach Stress-Level immer mehr zur Gewohnheit. Darauf machten die beiden Experten gestern am Bahnhof in Wattwil aufmerksam. Remo De Toffol informierte zum Thema der ambulanten Hilfe. Roland Walther war dabei, um über stationäre Möglichkeiten aufzuklären. «Wir sind nicht hier, um Alkoholabstinenz zu predigen», so De Toffol. Viel eher ziele die Aktion darauf ab, die Leute immer wieder für das Thema Alkohol, seine Folgen und die Wirkung aufzuzeigen. Wenn Menschen bei Stress zu Alkohol greifen, hat das laut De Toffol oft Aspekte eines Selbstbehandlungsversuches. Ein potenzielles Problem sei, dass immer wieder und gewohnheitsmässig zum Alkohol gegriffen wird, um belastende Gefühle zu dämpfen.

Noch mehr Stress wegen Alkohol

Problematischer Alkoholkonsum kann eine ganze Reihe Folgeprobleme mit sich bringen, wie die beiden Experten weiter informierten. Verkehrsunfälle, Jobverlust, Streitereien und gesundheitliche Probleme sind nur einige Beispiele dafür. Was also mit Selbstbehandlung durch Alkohol begonnen hat, kann sich in einen Teufelskreis verwandeln. Alkohol kann wegen der Folgeprobleme zu Belastungen und damit zu Stress führen. Der Alkohol funktioniert irgendwann nicht mehr wie gehabt und baut keinen Stress mehr ab. Betroffene fühlen sich deswegen belasteter, ängstlicher und brauchen mehr und mehr Alkohol, um die erwünschte Wirkung zu erreichen. Eine Abhängigkeit ist in diesem Stadium schon gegeben oder nicht mehr weit entfernt. Wichtig ist, eine suchtmittelfreie Alternative zur Stressbewältigung zu finden, so Remo De Toffol. Der Griff zum Glas könne keine Lösung sein. Solche Alternativen können ganz simpel sein. Konzentriert ein- und ausatmen kann eine entspannende Wirkung haben. Auch Dehnungsübungen, gerade bei Arbeiten, die im Sitzen ausgeführt werden, können, so einfach es klingt, gegen Stress helfen. Und wenn dies alles nichts hilft, sollte man versuchen, seine Gedanken auf eine Reise zu schicken und sich an eine schöne Situation zu erinnern, um gegen den Stress anzukämpfen.

Roland Walther, Leiter der Alkoholtherapiestation PSA am Spital Wattwil (links) und Remo De Toffol von der Sozialen Fachstelle Toggenburg informierten über den richtigen Umgang mit Stress – ohne Alkohol. (Bilder: Martina Signer)

Roland Walther, Leiter der Alkoholtherapiestation PSA am Spital Wattwil (links) und Remo De Toffol von der Sozialen Fachstelle Toggenburg informierten über den richtigen Umgang mit Stress – ohne Alkohol. (Bilder: Martina Signer)

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