Albert Camus

Ich habe schon davon berichtet, wie sehr uns damals im «Institut für Lebenstauglichkeit» der aus Algerien stammende Franzose Albert Camus beschäftigt hat. Nach wie vor bin ich beeindruckt von der Konsequenz, mit der Camus die Situation des Menschen bedenkt.

Lars Syring
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Bild: Lars Syring

Bild: Lars Syring

Ich habe schon davon berichtet, wie sehr uns damals im «Institut für Lebenstauglichkeit» der aus Algerien stammende Franzose Albert Camus beschäftigt hat. Nach wie vor bin ich beeindruckt von der Konsequenz, mit der Camus die Situation des Menschen bedenkt. Seine Verbindung von Freiheit und Solidarität, die er an die Liebe zurückbindet, hat mein Denken neben der Bergpredigt entscheidend geprägt. Neulich habe ich mich sogar sagen gehört, dass ich bei Camus eigentlich erst Denken gelernt habe.

Camus war immer ein Mensch, der sich unseren gängigen Kategorien entzogen hat. Er passte in keine Schublade. Er war sowohl gegen den Kapitalismus als auch gegen den Kommunismus. Er ist als Freund der Kriegsdienstverweigerer nach dem Zweiten Weltkrieg einen dritten Weg gegangen, der jetzt durch eine neue Veröffentlichung greifbarer wird. Lou Marin hat die dankenswerte Aufgabe unternommen, mir den Libertären, den Anarchisten Camus näher zu bringen. Vor wenigen Tagen hat er ein Buch herausgebracht, in dem er die weniger greifbaren Schriften auf Deutsch übersetzt vorlegt. Dort findet sich Camus' letztes Interview, bevor er 1960 bei einem Autounfall ums Leben gekommen ist. In bedrückender Offenheit skizziert Camus die Probleme, vor denen wir auch heute noch stehen, spricht vom Koexistieren der politischen Blöcke, die sich gegenseitig Angst machen. Zum Schluss des Interviews wird er gefragt: «Wie sehen sie die Zukunft der Menschheit? Was müsste man tun, um zu einer Welt zu kommen, die weniger von der Notwendigkeit unterdrückt und freier wäre?» Und er antwortet: «Geben, wenn man kann. Und nicht hassen, wenn das möglich ist.» Morgen wäre Albert Camus 100 Jahre alt geworden.

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