Albasinis Killerinstinkt

Für mich endete am Sonntag das Critérium du Dauphiné. Der Grossteil der für die Tour de France vorgesehenen Fahrer und vor allem Favoriten auf das Gesamtklassement bestritt die erstklassig besetzte, in diesem Jahr extrem schwierig gewesene achttägige Rundfahrt in Frankreich.

Reto Hollenstein, Sirnach, Iam-Radprofi
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Michael Albersini steht zurzeit an der Tour de Suisse im Einsatz. (Bild: Keystone)

Michael Albersini steht zurzeit an der Tour de Suisse im Einsatz. (Bild: Keystone)

Für mich endete am Sonntag das Critérium du Dauphiné. Der Grossteil der für die Tour de France vorgesehenen Fahrer und vor allem Favoriten auf das Gesamtklassement bestritt die erstklassig besetzte, in diesem Jahr extrem schwierig gewesene achttägige Rundfahrt in Frankreich. In den nächsten Tagen verfolge ich die Tour de Suisse zu Hause im Fernsehen. Jeder Profi würde die eigene Landesrundfahrt gerne fahren. Vor allem, wenn einzelne Etappen wie bei «Alba» und mir durch die engere Heimat führen. Doch bei IAM wurde diesmal für die Tour de France-Kandidaten eine andere Variante gewählt.

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Michael Albasini fährt dagegen die Tour de Suisse als Vorbereitung. Welche Taktik besser war, wird sich Ende Juli zeigen. Die Dauphiné liegt wegen der längeren Erholungszeit terminlich zweifellos idealer. Am Mittwoch nach Abschluss der Tour de Suisse folgt bereits die Schweizer Meisterschaft im Zeitfahren, am Sonntag jene auf der Strasse. Das sind 30 Renntage in etwas mehr als fünf Wochen. Das geht an die Substanz und jeder Tag mehr kann sich auswirken. Trotzdem traue ich Michi alles zu. Er verfügt über einen ausgeprägten «Killerinstinkt», vermag sich auf seine persönlichen Höhepunkte einzustellen, kann ein Rennen lesen und als Allrounder sprinten. Erreicht er mit einer Gruppe die Zielgerade, wird es unabhängig der Zusammensetzung schwierig, ihn zu schlagen. An der Tour de Romandie hat er eine Etappe ohne jegliche Unterstützung gewonnen. Solche Fahrer, die sich auch nicht zu schade sind, Helferdienste zu verrichten, sind gesucht.

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Bei IAM wäre Michael Albasini willkommen und eine echte Verstärkung. Im Höhentrainingslager auf dem Bernina haben wir kurz über die Zukunft gesprochen. Sollten die Bedingungen stimmen, könnte er sich einen Wechsel vorstellen, nachdem sein Vertrag bei Orica Green Edge Ende Jahr ausläuft. Dann stünde der aktuell erfolgreichste Schweizer Radprofi bei der nationalen Sportgruppe unter Vertrag. Ich hoffe, allfällige Verhandlungen verlaufen positiv und wir sind künftig Teamkollegen.

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In den nächsten Tagen kann «Alba» seinen Marktwert weiter steigern, sofern er als Captain intern eine geschützte Rolle erhält. Davon gehe ich aus. Die Ankunft in Schwarzenbach vor heimischem Publikum sollte ihm liegen. Es folgen weitere Etappen, auf denen er zum Favoritenkreis zählt. Unnötig Kräfte verpuffen wird er nicht. «Alba» weiss, wann er Gas rausnehmen muss. Auch in diesem Bereich ist er Profi, der durch Resultate Schlagzeilen schreibt. In andern Radsport-Nationen besässe der unter den Profis geschätzte Appenzeller-Thurgauer längst einen Star-Status.