AI 8108 unterwegs – Tagebuch Nr. 7

Vom heissen Bad im noch heisseren Death Valley Schon einige Zeit ist es her, seit unser letzter Tagebucheintrag in der Appenzeller Zeitung erschienen ist, doch wir haben uns nicht etwa ausgeruht: Es ist einiges passiert seither. Von Australien aus ging es endlich weiter nach Amerika.

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Death Valley, auf den Spuren der Minenarbeiter: Der Landrover ist nicht das erste Auto, das hier durchfuhr. (Bild: Büchel/Weishaupt)

Death Valley, auf den Spuren der Minenarbeiter: Der Landrover ist nicht das erste Auto, das hier durchfuhr. (Bild: Büchel/Weishaupt)

Vom heissen Bad im noch heisseren Death Valley

Schon einige Zeit ist es her, seit unser letzter Tagebucheintrag in der Appenzeller Zeitung erschienen ist, doch wir haben uns nicht etwa ausgeruht: Es ist einiges passiert seither. Von Australien aus ging es endlich weiter nach Amerika. Nach langem Suchen fanden wir im Internet eine günstige Verschiffungsvariante und konnten den Landrover samt Anhänger in einen kleinen Zwanzig-Fuss Frachtcontainer verladen.

Somit lag die Weiterreise unseres Autos für einen Monat nicht mehr in unseren Händen, ehe wir es in Amerika wieder in Empfang nehmen würden.

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Wir flogen zurück in die Schweiz, um unseren Freunden und Verwandten zu beichten, dass wir unsere ursprünglich geplanten zwei Reisejahre auf vier ausdehnen werden. Obwohl diese Nachricht mit gemischten Gefühlen aufgenommen wurde, dominierten bei unserem Empfang die lachenden, freudigen Gesichter bei weitem.

Auch wir waren natürlich froh, wieder in der Schweiz zu sein, denn zwei Jahre sind nun mal eine lange Zeit – und nicht nur wir haben uns verändert. Als der Abflugtermin nach Los Angeles vor der Tür stand, wollten wir irgendwie gar nicht mehr weg. Obwohl wir uns auf die geplante Weiterreise freuten, genossen wir diese Zeit zu Hause enorm.

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In Los Angeles angekommen, brachte uns die Metro ins vorgängig gebuchte Motel. Als wir am nächsten Tag in der Nähe des Motels flanierten, fiel uns auf, dass in diesem Viertel fast keine Weissen anzutreffen waren, sondern nur Mexikaner und Farbige. Der Grund dafür ist das berüchtigte «Compton», das sich ganz in der Nähe befindet und das für blutige Bandenkriege bekannt ist.

Nach dieser beunruhigenden Erkenntnis mieden wir das Nachtleben und verbrachten die meiste Zeit in unserem Zimmer. Täglich standen wir zudem mit der Reederei in Kontakt, die sich aber alle Zeit der Welt zu lassen schien. Mit Schrecken erfuhren wir schliesslich, dass die Zollbehörden den Containerinhalt inspizieren wollten. Nicht, dass wir etwas zu verbergen gehabt hätten, doch eine solche Inspektion kann nur in einem privaten Lagerhaus durchgeführt werden.

Somit musste der Container vom Hafen zu diesem Lagerhaus gebracht werden, wo er geleert und begutachtet wurde. Nebst kleinen Beschädigungen am Fahrzeug, die wir hinnehmen mussten, wurden uns für diese Aktion auch noch saftige 1300 Dollar verrechnet. Auch wenn uns dies schier vom Hocker haute, mussten wir spuren, wenn wir unser Auto wiederhaben wollten, denn die Behörden sassen klar am längeren Hebel.

Diese Warterei und die Bürokratie am Zoll kostete eine geschlagene Woche, ehe wir die Reise endlich fortsetzen konnten.

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Trotz dieser Misstöne bei der Ankunft in den USA lernten wir schon bald die Gastfreundschaft der Amerikaner kennen. Bereits in der ersten Reisedestination erhielten wir eine Einladung: In Las Vegas anerbot sich ein Pärchen, uns die Stadt zu zeigen.

Nach dem Glanz und Glimmer dieser verrückten Spielerstadt zogen wir in Richtung Grand Canyon weiter und genossen in einigen Nationalparks die Schönheiten der Natur. Viele junge Leute leisten hier eine Art Zivildienst und sind für die Pflege und Instandhaltung der Infrastruktur dieser zahllosen Parks verantwortlich, die rasch einmal die Grösse eines Schweizer Kantons übersteigen.

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Im Death Valley verbrachten wir wohl die beste Zeit, obwohl der Name dieses «Tal des Todes» nicht gerade eine freundliche Landschaft erwarten lässt. Da wir jedoch eine interessante Jahreszeit erwischt hatten, trafen wir auf eine sehr spezielle Flora. Verschiedene Gesteine, grossartige Naturspektakel wie riesige ausgetrocknete Salzseen, goldene Dünen inmitten einer Gebirgskette oder in Jahrmillionen ausgewaschene Canyons machten unseren Aufenthalt extrem abwechslungsreich.

Den klaren Höhepunkt bildete jedoch eine heisse Quelle an einem nur wenig bekannten, fast schon geheimen Ort. Die Zufahrt erfolgte über einen engen, steilen Pfad, und wir dachten einige Male ans Umkehren. Schliesslich gelangten wir zum Steel Pass, dessen Überquerung sich tatsächlich als hart wie Stahl erwies. Bergab fuhr man dann in einer Art Bachbett, welches unserem Fahrzeug mitsamt Anhänger alles abverlangte.

Nach fünf Stunden heftigster Offroad-Piste wurden wir belohnt – und zwar mit einer paradiesischen Oase und mehreren Pools, gespeist aus heissem Quellwasser. Ein paar Einheimische drückten uns eine kühle Dose Bier in die Hand, und der Tag war perfekt.

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Nun geht's weiter Richtung Norden. Schon bald werden wir Amerika zum ersten, aber nicht zum letzten Mal verlassen.

Über Seattle reisen wir demnächst in Kanada ein, nach dessen Durchquerung es dann erneut in die Staaten geht: in den grössten Bundesstaat der USA, Alaska.

Death Valley, Juni 2010

Philippe Büchel

Samuel Weishaupt

www.einmalumdiewelt.ch

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