Afrikanische Schweinepest
«Irgendwann kommt sie»: Auch im Appenzellerland bereitet man sich auf die hochansteckende und gefährliche Tierseuche vor

Schweizweit wird vom 2. bis 4. November die Bewältigung eines fiktiven Ausbruchs der Afrikanischen Schweinepest geübt. Bund und Kantone prüfen auf diese Weise Krisenorganisation, Abläufe und Zusammenarbeit.

Karin Erni
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Die Afrikanische Schweinepest ist nur für Tiere gefährlich. Der Mensch kann jedoch die Ausbreitung der Krankheit beschleunigen.

Die Afrikanische Schweinepest ist nur für Tiere gefährlich. Der Mensch kann jedoch die Ausbreitung der Krankheit beschleunigen.

Bild: Walter Schwager/AGR

Die Afrikanische Schweinepest (ASP) ist hochansteckend und endet für die betroffenen Tiere meist tödlich. Die Krankheit breitet sich derzeit vor allem in Osteuropa aus und hat bereits Deutschland erreicht. Tritt ASP in einem Schweinebetrieb auf, müssen alle empfänglichen Tiere getötet werden und es werden Massnahmen verhängt, um die weitere Ausbreitung zu verhindern.

Weil eine Einschleppung der Tierseuche in naher Zukunft immer wahrscheinlicher wird, üben die Behörden vom 2. bis 4. November die Bewältigung eines fiktiven Ausbruchs in der Schweiz und Liechtenstein. Die verschiedenen Phasen, von einzelnen Seuchenherden bis zur massiven Ausbreitung der Krankheit werden dabei durchgespielt. Auch die beiden Appenzeller Kantone beteiligen sich an der Übung. Die nationale Federführung liegt beim Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV). Auf kantonaler Ebene hat das Veterinäramt beider Appenzell die Verantwortung für die Seuchenbekämpfung.

Fiktive Seuchenfälle in der Region Mittelland

Das hiesige Übungsszenario geht dabei von je einem Seuchenfall im Wildschweine- und Hausschweinebestand in der Region Mittelland aus. Die Übung habe aber keine konkreten Auswirkungen auf Bauernbetriebe oder die Bevölkerung, sagt der stellvertretende Kantonstierarzt Tobias Obwegeser. «Als Stabsübung werden in beiden Appenzell lediglich Krisenorganisation, Abläufe und Zusammenarbeit zwischen Bund, Kantonen und weiteren Organisationen durchgespielt und überprüft.» Auf kantonaler Ebene sind auch Jagd-, Forst- und Landwirtschaftsämter sowie die Führungsstäbe involviert. Dabei werden ebenfalls digitale Kapazitäten und Programme zur Datenbearbeitung getestet. Man erhoffe sich Erkenntnisse, ob Zusammenarbeit und Kommunikation optimal funktionieren und wo sie allenfalls verbessert werden können, so Obwegeser.

Appenzellerland als Sperrgebiet

Bei einem Seuchenfall unter Wildschweinen müssen die verantwortlichen Behörden ein Initialsperrgebiet von rund zehn Kilometern Radius errichten. Im fiktiven Ausbruchsszenario erstreckt sich das Sperrgebiet über das ganze Mittelland und reicht bis ins Vorderland, nach Appenzell Innerrhoden und ins St.Galler Rheintal. Die allgemein gültigen Massnahmen im Initialsperrgebiet sehen unter anderem ein Jagdverbot, ein Weggebot und eine Leinenpflicht für Hunde vor. Dies hätte gemäss Tobias Obwegeser im Ernstfall den Zweck, die Wildschweine nicht aufzuscheuchen und eine weitere Verbreitung der Krankheit zu vermeiden. In einer zweiten Phase der Übung müssen die verantwortlichen Behörden das Initialsperrgebiet in ein Kontroll- und Beobachtungsgebiet umwandeln, worin dann unterschiedlich starke Massnahmen gelten.

Wachsamkeit ist gefragt, auch in der Bevölkerung

Das ASP-Virus ist äusserst resistent und kann sehr lange in der Umwelt verbleiben, besonders im Blut, in Fleischerzeugnissen und in Kadaver. Die Afrikanische Schweinepest ist für den Menschen zwar ungefährlich, er kann jedoch die Ausbreitung der Krankheit beschleunigen. Die Bundesbehörden raten daher Reisenden dringend davon ab, Schweine- oder Wildschweinfleisch aus ASP-betroffenen Gebieten mit in die Schweiz zu bringen oder Fleischreste in der Natur zu entsorgen. Wenn Wild- oder Hausschweine solche Abfälle fressen, kann ein neuer Infektionsherd entstehen. Angesichts der aktuellen Lage in Europa werden die Schweinehaltenden aufgerufen, sich unverzüglich an ihre Tierärztin oder ihren Tierarzt zu wenden, falls eines ihrer Tiere unklare Symptome zeigt.

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