Ärgerliche Ansage in der Zeitung

«Zwingli hat nun sein eigenes Bier», Ausgabe vom 10. November

Fritz Frischknecht, A. Obergerichts- vizepräsident Ar, Halden 1857,
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Welch eine (un)sinnige Machenschaft zum Reformations-Jubiläum. Huldrych Zwingli gewissermassen zu unterstellen, er habe auf sein eigenes Bier gewartet. Was muss man halten vom zürcherischen Kirchenrat, der statt den Persönlichkeitsschutz des Reformators zu wahren, die Bier-Idee aus dem Toggenburg schützt? Wer profitiert, respektive verliert, wenn an den Reformationsanlässen in Zürich und St. Gallen offizielles Bier ausgeschenkt wird? Wo bleiben Verantwortung und Rücksichtnahme? Ungezählte alkoholgefährdete und kranke Mitmenschen, teils durch schwere Kämpfe und aufwendige Hilfe frei Gewordene, werden enttäuscht, verletzt, verunsichert, wenn offiziell statuiert wird, dass alkoholische Getränke unabdingbar zu Fest und Feierlichkeit gehören (während die gehobene alkoholfreie Gastlichkeit meist vernachlässigt wird). Personen und Institutionen, die sich in der Prophylaxe und Rehabilitation gegenüber dem leider weit verbreiteten Suchtproblem einsetzen, werden durch behördlich unterstützte Trinksitten regelrecht behindert und entmutigt. Wenn hierzu nun aber selbst der Name des Kirchenmannes Huldrych Zwingli missbraucht werden soll, wird die Sache doppelt bedenklich.

Fritz Frischknecht, a. Obergerichts- Vizepräsident AR, Halden 1857,

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