Ärger wegen Güggeli-Wagen: Marketing-Experte hat Verständnis

Beim Institut für Marketing an der Hochschule St. Gallen zeigt man Verständnis für den in den letzten Tagen laut gewordenen Ärger der Leute über das Güggeli-Mobil auf dem Hohen Kasten. Der Güggeli-Wagen auf dem Berg setze ein falsches Signal.

Roger Fuchs
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Dennis Herhausen, Marketing-Experte an der HSG und begeisterter Alpinist. (Bild: pd)

Dennis Herhausen, Marketing-Experte an der HSG und begeisterter Alpinist. (Bild: pd)

st. gallen / Brülisau. «Ich bin gerne in den Bergen unterwegs», sagt Dennis Herhausen, Projektleiter am Institut für Marketing an der Hochschule St. Gallen (HSG). Dass seit dem 1. Juli auf dem Hohen Kasten ein Güggeli-Wagen steht, geht dem Marketing-Experten persönlich jedoch zu weit. «Als Alpin-Tourist freue ich mich, wenn es auf einem Berg nicht wie in einem Vergnügungspark aussieht.»

Spiel mit Kontrast

Nebst der persönlichen Sicht der Dinge, kann der aus dem Wuppertal (D) stammende und seit 2007 in St. Gallen lebende Herhausen auch als Marketing-Experte die in Leserbriefen und Artikeln der Appenzeller Zeitung publizierten negativen Stimmen nachvollziehen: «Diese erklären sich aus der Tatsache heraus, dass beim Güggeli-Wagen-Gag mit einem Kontrast gespielt wird», sagt er. Ein Güggeli-Wagen auf einem Berg beisse sich. Hier würden zwei Elemente zusammengeführt, die nicht zusammenpassten.

Auch ruft Herhausen im Wissen um die negativen Stimmen in Erinnerung, dass es immer wieder Diskussionen gibt, wenn Leute schlecht ausgerüstet in den Bergen unterwegs sind. Indem die Menschen dann beispielsweise darauf hingewiesen werden, gutes Schuhwerk anzuziehen, signalisiert man diesen, sich nicht in eine Parkanlage, sondern in alpines Gebiet zu begeben. «Steht nun ein Güggeli-Wagen auf dem Berg, wird ein falsches Signal gesetzt», sagt Dennis Herhausen.

Aufmerksamkeit erreicht

Trotz allem kann der Marketing-Experte der Aktion auch Positives abgewinnen. Der Güggeli-Wagen schaffe auf jeden Fall Aufmerksamkeit und sorge für Diskussionen, was zu den Zielen im Marketing gehöre. Auch sei es so, dass Marketing polarisieren dürfe. Mit den Studierenden würde er nun jedoch gerne anhand dieses Falls darüber nachdenken, ob die Linie des Polarisierens überschritten und damit ein zu starker Kontrast zwischen Marketing-Gag und Erwartungen der Alpinisten geschaffen worden sei.

Im weiteren spricht der 32-Jährige davon, dass sich Marketing-Aktionen durchwegs auch an der Zielgruppe orientieren sollten. «Und die Zielgruppe des Drehrestaurants sind wohl mehrheitlich Wochenendausflügler und Leute, welche mit der Gondel den Berg hochfahren», mutmasst der Marketing-Experte. In dieser Zielgruppe dürfte eine positive Grundstimmung gegenüber der Güggeli-Wagen-Aktion überwiegen.

Zusammengefasst: «Werbung darf polarisieren. Werden Leute aber in ihrem Bergerlebnis gestört, ginge der Schuss mit dieser Marketing-Aktion hinten hinaus», sagt Dennis Herhausen.