Ärger über Parkbussen beim Friedhof Herisau

«Keine Jagd nach Sündern», Ausgabe vom 27. September

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«Du sollst nicht parkieren» ist das 11. Gebot in Herisau. Doch wehe der Organisation, die Nebensächlichkeiten zu Grundsätzen erklärt, die Denken und Fühlen verbietet und Dienst nach Vorschrift verlangt. Kommt dazu, dass die Vorschriften vor Zufälligkeiten und regulatorischer Willkür strotzen. Sturheit gekoppelt mit Dienst nach Vorschrift ist das Ende jeder «vernünftigen Organisation», sei es eine Familie, eine Firma oder eben eine Gemeinde. Sie verbietet Personen Verantwortung übernehmen, verhindert gute Innovation und frustriert «Täter» und «Opfer» solchen Handelns. Herisau ist Spitze im Verärgern von Einwohnern und im Vertreiben von Gästen. Wer zu lange beim Zahnarzt ist, wird draussen vor dem Haus mit einer Parkbusse belohnt. Wer den Mut hat, in Herisau einzukaufen, muss sich beeilen, denn die Parkuhr tickt. Sich einen Kaffee zu gönnen, einen Schwatz abzuhalten oder in einem Restaurant sogar etwas zu essen, wird regelmässig mit einer saftigen Busse unter dem Scheibenwischer geahndet und so für alle Zukunft verhindert. Wir sind dem Ziel nicht mehr fern, den Verkehr ganz zum Erliegen oder zumindest unter 20 km/h gebracht zu haben. Dann endlich finden wir leere Parkplätze und absolute Ruhe im Dorf. Wir, das werden immer weniger...

Peter Schmid Sonnenfeldstrasse 5, 9100 Herisau

Auch ich habe mich am Freitag über die herz- und pietätlose Bussenverteilerei während der Beerdigung am Freitag massiv geärgert, obwohl ich als Fussgänger nicht direkt betroffen war. Klar, durch das Anbringen der Parkscheibe erfüllt man seine Pflicht und die rechtliche Situation spricht für die Bussen. Aber…: Es zeugt einfach schon von sehr wenig Feingefühl, während einer Beerdigung bewusst Jagd auf «Vergessliche» zu machen. Wollten sie wirklich die erwähnten Langzeit-Parksünder treffen, hätten sie dazu genug Gelegenheit, wenn die Kontrollen eine halbe Stunde vor und nach einer Beerdigung durchgeführt werden. Sie hätten genug Zeit, wirkliche Parksünder zu büssen. Aber vielleicht lohnt sich ja die Fahrt zum Friedhof meist nicht. Dass während der Beerdigung kontrolliert wird, zeigt, dass man möglichst viele Zettel zur Budgetzielerreichung verteilen will und nicht zielgerichtet ist. Ihr Titel vom Mittwoch «Keine Jagd nach Sündern» trifft voll zu, es ist eine Jagd auf Vergess­liche. Zumal es nicht um versperrte Feuerwehrzufahrten oder Fusswege ging. Dafür gibt es eigentlich gar keine Worte. Einfach beschämend.

Markus Haltiner Melonenstrasse 13, 9100 Herisau

Auch ich verstehe den Ärger über unnötige Parkbussen beim Friedhof Herisau. Mit diesem Thema hat es Herisau wieder einmal mit Negativschlagzeilen in etliche Medien geschafft. Es war wohl zwingend, dass diese Parkplätze der blauen Zone zugeteilt wurden, da sie in der Vergangenheit immer wieder missbräuchlich belegt wurden. Daran ist ja auch nichts falsch! Es stellt sich aber generell die Frage, ob es sich verträgt, Trauergäste mit unnötigen Sanktionen zu belästigen. Ist es nicht ein Unterschied, ob ich als Friedhofbesucher oder als Trauergast parkiere? Warum zeigt sich die Gemeinde diesbezüglich nicht ein wenig kulant ? Man könnte diese Kontrollen beispielsweise erst nach einer Beerdigung durchführen, dann hätte man ein gewisses Verständnis. Es wäre noch interessant zu erfahren, wie viele auswärtige Gäste davon betroffen waren. Mich würde generell mal interessieren, in welchen anderen Gemeinden eine solche Regelung bei Friedhöfen besteht? Ist der Fehler nicht auch bei der Gemeinde zu suchen? Warum sind die Parkfelder beim Friedhof nicht blau eingezeichnet wie es bei jeder blauen Zone der Fall ist? Die falsche Markierung habe ich schon zu Beginn der neuen Regelung bemängelt, und diese wurde trotz kürzlich neuer Parkfelder-Einteilung wieder nicht berücksichtigt. Ich hoffe, dass die Verantwortlichen endlich Farbe bekennen und in Zukunft mit etwas mehr Menschlichkeit agieren. Unser Dorf ist bezüglich Attraktivität schon genug am Serbeln!

Emmy Zürcher

Kreckel 5, 9100 Herisau