Älplermagrone und Schlorzifladä

Es singt und johlt auf der Alp Leser. Der Jodel kommt von vier Frauen aus dem Ausserrhodischen. Sie sind extra zum Jassen auf die Alp gekommen. «Wenn ein Match gespielt wird, singen wir immer ein Lied», sagt eine der vier Frauen amüsiert.

Christiana Sutter
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Die Alp Leser liegt auf 1444 Meter. Seit 1995 betreibt die Familie Bohl nebst der Bewirtschaftung der Alp und des Viehs eine kleine Wirtschaft. (Bilder: Christiana Sutter)

Die Alp Leser liegt auf 1444 Meter. Seit 1995 betreibt die Familie Bohl nebst der Bewirtschaftung der Alp und des Viehs eine kleine Wirtschaft. (Bilder: Christiana Sutter)

Es singt und johlt auf der Alp Leser. Der Jodel kommt von vier Frauen aus dem Ausserrhodischen. Sie sind extra zum Jassen auf die Alp gekommen. «Wenn ein Match gespielt wird, singen wir immer ein Lied», sagt eine der vier Frauen amüsiert.

Langsam füllt sich die Bergwirtschaft von Liselotte und Ernst Bohl aus Stein. Die Gäste kommen hinauf von der Schwägalp oder hinüber vom Risipass. Es ist bald Mittagszeit. Zwei Mountainbiker winken Liselotte Bohl zu. Sie sind von der Schwägalp her gekommen und fahren weiter in Richtung Toggenburg. Heutzutage sind es nicht nur Wanderer, die hier oben eine Rast einlegen, sondern auch die Mountainbiker.

Landjugend hilft mit

Ernst Bohl trifft auf der Alp ein. Er kommt zurück aus Stein. Nach dem Melken der Kühe im Alpstall brachte der Bauer die Milch nach Stein hinunter. Bohls betreiben Kalbermast, daher braucht er die Milch für sein eigenes Vieh. «Wir haben 24 Kühe und 16 Stück Jungvieh auf der Alp.» Die Alpzeit beträgt neun Wochen, «das kann je nach Stand der Vegetation variieren.»

Bereits den 27. Sommer sind die Steiner-Bauern auf der Alp Leser, «das Alpzimmer gehört uns». 1994 haben sie alles neu gebaut, ausser der Sennhütte. Diese dient den Bohls heute als gut gekühlter Keller. Seit 1995 wird auf der Alp Leser gewirtet. «Wir haben ganz klein begonnen», sagt Liselotte Bohl. Dieses Jahr feiern sie das 20-Jahr-Jubiläum. Die Alp ist bei den Wanderern und bei den Mountainbikern ein Geheimtip.

Spricht man von den Wanderern, kommen sie auch schon daher. Es sind Gäste, die, vom Risipass her kommend, weiter Richtung Lutertannen wandern. Bevor die Wanderer weitergehen, legen sie hier auf der Alp eine Mittagsrast ein. Bedient werden sie von Janine Koller aus Teufen. «Ich habe nebst privaten Hilfen meist auch junge Leute hier, die während des Sommers ihren Landjugend-Dienst absolvieren», sagt Liselotte Bohl.

Über allem thront der Säntis

Die Bergwirtschaft der Bohls ist von Anfang Juni bis eine Woche nach dem Bettag im September geöffnet. Am Anfang und am Schluss nur an den Wochenenden. «Ab dem 1. Juli bis Ende der Sommerferien täglich.»

Ernst Bohl setzt sich zu einem Bekannten an einen der Tische und beginnt zu erzählen: «Die Alp Leser liegt mit 1444 Meter auf der gleichen Höhe wie Andermatt», sagt er nicht ohne Stolz. Er schaut sich um und sagt: «Die Alp gehört der Korporation Niderstock der Gemeinde Nesslau, unser Alpzimmer liegt genau in der Mitte.» Er zeigt auf den Hang hinter dem Alpzimmer. «Im Winter gehen links und rechts Lawinen hinunter.» Er hält inne und schaut in Richtung Säntis. «Die Aussicht hier ist auch einmalig.» Er zeigt auf den Stockberg – etwas oberhalb des Risipasses, dann hinunter Richtung Lutertannen. Etwas weiter entfernt sieht man die Schwägalp, den Kronberg und über allem den Säntis.

Ruhe auf der Alp Leser

Mittlerweile hat sich die Gartenwirtschaft gefüllt. Sollte das Wetter einmal nicht so schön sein, hat es auch im Innern des Alpzimmers ein paar Sitzplätze. Tritt man ins Gebäude hinein, sieht man Liselotte Bohl, die am Kochherd steht und das Essen für die Gäste kocht. «Die Spezialität auf der Alp Leser sind Älplermagrone mit Apfelmus.» Etwas nachdenklich sagt sie: «Die Leute finden es selbstverständlich, dass sie hier immer frisches Essen bekommen, aber das kommt nicht von nichts.» Wenn möglich, bereitet Lieselotte Bohl alles auf der Alp vor. Wobei sie jeden zweiten Tag hinunter in den Heimbetrieb nach Stein fährt, um noch weitere Vorbereitungen und Einkäufe zu tätigen.

Janine Koller kommt mit einer nächsten Bestellung zu Liselotte. «Än Schlorzifladä und än Leser-Kafi.» Zwei weitere Spezialitäten der Bergwirtin. Die Tische unter den Sonnenschirmen sind inzwischen mehr oder weniger besetzt. Die Gäste geniessen ihr wohlverdientes Mittagessen. Sie schauen sich um – es herrscht eine angenehme und entspannte Ruhe auf der Alp Leser bei Bohls.

Eindrückliche Aussicht auf den Säntis.

Eindrückliche Aussicht auf den Säntis.

Ernst und Liselotte Bohl bewirten seit 20 Jahren Gäste auf dem Leser.

Ernst und Liselotte Bohl bewirten seit 20 Jahren Gäste auf dem Leser.

Die Ausserrhoder Frauen kommen des Öftern zum Jassen.

Die Ausserrhoder Frauen kommen des Öftern zum Jassen.

Die Alp Leser wird gerne und oft von Mountainbikern besucht.

Die Alp Leser wird gerne und oft von Mountainbikern besucht.

Janine Koller aus Teufen.

Janine Koller aus Teufen.

Spezialität von Liselotte Bohl: Älplermagrone mit Apfelmus.

Spezialität von Liselotte Bohl: Älplermagrone mit Apfelmus.

Schild auf dem Risipass.

Schild auf dem Risipass.

Bild: Christiana Sutter

Bild: Christiana Sutter