Ächtung für die Wetterschmöcker

Zwei Mal ausverkaufte Turnhalle – die beiden Jodlerabende des Heimetchörli Hemberg gerieten zum Grossereignis des Wochenendes. Doch ein Umstand trübte die Stimmung: Es kam zur Ächtung der Muothataler Wetterfrösche. Die Auftritte des Gofechörli Hemberg konnte die Besucher aber versöhnen.

Michael Hug
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Auftritt vor grossem Publikum. Das Gofechörli Hemberg, Nachwuchsschmiede des Heimetchörli Hemberg. (Bild: Michael Hug)

Auftritt vor grossem Publikum. Das Gofechörli Hemberg, Nachwuchsschmiede des Heimetchörli Hemberg. (Bild: Michael Hug)

HEMBERG. Endlich wagte es jemand: Die Prophezeiungen der «Muotathaler Wetterschmöcker» anzuprangern, ja öffentlich in Frage zu stellen. Auf dem Hemberg ging man am Wochenende sogar noch weiter. Aber davon später. Die «Muotithaler» waren nur Gegenstand der Rahmenhandlung an zwei äusserst ereignisreichen Abenden. Der wurde hauptsächlich von Jodlerinnen und Jodlern gestaltet, älteren wie ganz jungen. Schon zum zweiten Mal nämlich trat das Gofechörli Hemberg vor so grossem, heimischem Publikum auf. Zwei Auftritte pro Abend hatte der junge Chor unter der Leitung von Trudi Frei, vier Lieder durften die Kinder singen, plus eine Zugabe nach einem begeisterten Applaus. Dabei zeigte sich, dass in diesem Nachwuchs einige vielversprechende Talente heranwachsen. Unter der behutsamen und konsequenten Führung von Trudi Frei werden sie wohl eines Tages zur Formation ihrer Eltern, dem Heimetchörli, übertreten und dort für Furore sorgen.

Geladene Gäste

Als Gäste geladen waren am Freitag das Jodelquintett Heimelig aus Buochs/NW mit der Solojodlerin Monika Frank. Am Samstag kamen die Gäste von noch weiter her: Mit dem Jodlerklub Flüehblüemli aus Kiental im Berner Oberland war ein grosser, reiner Männerchor geladen. Gäste, Gofechörli und natürlich der gastgebende Verein aus Hemberg wechselten sich ab mit ihren Darbietungen. Die Hembergerinnen und Hemberger unter der Leitung von Ruedi Roth – der mittlerweile drei Jodelchöre leitet – gaben «Es schös Daheim» (Ueli Moor), «s'Gwitter» (Frowin Neff) und «Herbstgedanke» (Steiner/Zürcher) sowie mehrere traditionelle Jodellieder und Zäuerli, darunter auch Kompositionen von Ruedi Roth selber, zum Besten. Die Hemberger konnten dabei auf ihre bewährten Vorjodlerinnen Trudi Frei, Edith Roth, Vroni Näf, Sandra Bollhalder, Marlies Roth, Lisbeth Roth und – männlicherseits – Melchior Schweizer zählen. Alle, die im Laufe des Abends auf der Bühne auftraten, enttäuschten ihre Fans in der zwei Mal vollen Turnhalle nicht – und ernteten brandenden Applaus.

Ächtung per Radio

Cäsar Camenzind, ehemals auch Jodler im Chor, übernahm schon zum zweiten Mal die Moderation des Anlasses, der im übrigen nur alle zwei Jahre stattfindet. Und für den die Verantwortlichen im Verein sich stets auch etwas Humoristisches einfallen lassen. Diesmal war es die Persiflage über die Muotathaler Wetterpropheten, die wohl das ganze Land in diesem Jahr ziemlich enttäuscht hatten.

Der grosse Irrtum der Innerschweizer, die für diesen Sommer eigentlich schönes Wetter voraussagten, war das Thema der Sketches zwischen den verschiedenen Jodelvorträgen. Vollmundig prophezeite dabei ganz am Anfang einer dieser «Wetterschmöcker» einen durchgehend sonnigen Sommer für die Schweiz, «eventuell und fast ganz sicher», wie er vage sagte. Offensichtlich aber trauten die Propheten ihren eigenen Theorien nicht, sie setzten sich nämlich in die Südsee ab, wo sie Sonne, Strand und das unbeschwerte Leben genossen. Daheim in der Schweiz aber schickte man die Muotathaler symbolisch zum Mond oder sonstwo hin und ernannte flugs eine neue «Schmöckergruppe», die – gemäss den Nachrichten im Radio – scheint's aus dem Toggenburg komme.