Advent – und der Countdown läuft…

Am Sonntag beginnt die Adventszeit. Und wir sind bereit, nicht wahr! Denn schon seit Wochen werden wir sanft und auch heftig auf das grosse Ereignis von Weihnachten hingeführt.

Susanne Hug-Maag
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Pfarrerin Susanne Hug-Maag Evang.-ref. Kirchgemeinde Krummenau-Ennetbühl (Bild: pd)

Pfarrerin Susanne Hug-Maag Evang.-ref. Kirchgemeinde Krummenau-Ennetbühl (Bild: pd)

Am Sonntag beginnt die Adventszeit. Und wir sind bereit, nicht wahr! Denn schon seit Wochen werden wir sanft und auch heftig auf das grosse Ereignis von Weihnachten hingeführt. Klammheimlich haben sich die Regale in den Läden mit dem weihnachtlichen Notvorrat gefüllt: Schokolade, Sterne, Lebkuchen, Schaumbad-Geschenksets und die spezielle kulinarische De-Luxe-Weihnachtslinie, die das Herz des Gourmets höher schlagen lässt. Vor den Häusern haben sich Weihnachtsbäume, Rentiere, blinkende Schneemänner und leuchtende Pinguine einfach in unseren Alltag eingeschlichen. Wir sind also bereit für den jährlichen Countdown, sind bereit für das erwartungsvolle Herunterzählen der 24 Wartetage, bis es endlich so weit ist und es Heiligabend wird. Nun ist es in meinen Augen jedoch ein Unterschied, ob wir einen Advents-Countdown oder nicht doch lieber einen «Advents-Countup» betreiben. «Vorwärtszählen» stelle ich mir als adventliche Alternative vor. Ein Countdown hat etwas Angespanntes. Wenn wir nun in den kommenden Tagen herunterzählen, wie beim Start einer Rakete, dann merken wir, wie Tage verschwinden. Je näher man dem Fest kommt, umso grösser wird die Aufregung. Menschen hören sich plötzlich angestrengt, gehetzt und genervt stöhnen: «Was, in 14 Tagen ist Heiligabend?» Wenn wir uns aber bewusst aufs «Vorwärtszählen» einlassen, dann liegt das Augenmerk auf dem Wachstum, auf dem «Mehr». So wie jetzt dann jeden Sonntag vom Adventskranz eine Kerze mehr angezündet wird, so dürfen die Vorfreude und die Erwartung wachsen. In den Tagen, die vergehen, sollte der Countdown auf die Seite treten. Die Adventszeit ist nicht die Zeit, die vergehen muss, bis mit einem Knall Weihnachten ist. Adventszeit darf eine Zeit werden, die sich anfüllt mit der Freude auf ein sanftes Wunder: Gott wird Mensch und wird sichtbar in Jesus Christus, der seine Lebenskraft mit Menschen und für Menschen teilt. Im Ursprung war die Adventszeit eine Fastenzeit, davon haben wir uns aber weit entfernt. Aber wir haben Bräuche, die diese Zeit begleiten. Viele wünschen sich, es könnte eine stille, besinnliche Zeit werden, die uns einen inneren Schatz schenkt. Menschen machen sich auf die Suche, das adventliche Erleben bewusster von Weihnachten abzuheben. Wir erfüllen Tage und die Abende mit Licht, weil tief im Innern spürbar wird, dass in den dunkeln Tagen die Verheissung vom Licht, das aufgeht, sehnsüchtig erwartet wird. Eine adventliche Verheissung aus dem Buch des Propheten Jesaja strahlt in unsere Weltlage, wo das Wolkendunkel und die Finsternis sehr nahe sind: «Denn sieh, Finsternis bedeckt die Erde und Wolkendunkel die Völker, über dir aber wird der Herr aufstrahlen und seine Herrlichkeit wird erscheinen über dir.» Ich habe beides, meinen Adventskalender mit Schöggeli, aber auch den Adventskranz. Ich möchte einfach in der Vorbereitung auf Weihnachten die Gegensätzlichkeit erleben, die solchen Wartezeiten inneliegt. Erleben, dass die Tage vergehen und es dann endlich so weit ist – «nur noch dreimal schlafen!». Und genau so die erwartungsvolle, bewusste Betrachtung und Wahrnehmung der einzelnen Adventstage geniessen – «Vorfreude ist die schönste Freude». Eine frohe, einmalige, besinnliche Adventszeit wünscht