ADL, ein Fremdkörper in der Schulkarriere

«Neuausrichtung der Sekundarschule Wolfhalden», Ausgabe vom 13. Dezember.

Merken
Drucken
Teilen

«Neuausrichtung der Sekundarschule Wolfhalden», Ausgabe vom 13. Dezember.

In der Sekundarschule Wolfhalden werden die Schüler heute in sogenannten Jahrgangsklassen unterrichtet. Je weniger Schüler pro Jahrgang die Schule besuchen, desto höher fallen die Schulkosten pro Schüler aus, weil die Anzahl Lehrpersonen und die Infrastruktur nicht proportional zum Schülerrückgang reduziert werden können. Wolfhalden hat bereits heute eine der höchsten Unterrichtskosten pro Schüler im Kanton Appenzell Ausserrhoden. Die Erziehungsdirektion AR hat die Gemeinden beauftragt, bis Ende Jahr 2011 aufzuzeigen, wie sie die zukünftige Unterrichtsorganisation bei einer weiter sinkenden Anzahl Schüler sehen. Grundsätzlich stehen zwei Wege offen. Entweder man schliesst sich mit Nachbargemeinden zusammen, um auch zukünftig Jahrgangsklassen führen zu können, oder man wählt eine Unterrichtsform mit altersdurchmischten Klassen. Einer Pressemitteilung der Gemeindekanzlei Wolfhalden ist zu entnehmen, dass sich der Gemeinderat zusammen mit dem Gemeinderat Grub entschlossen hat, das heutige Unterrichtsmodell mit Jahrgangsklassen auf das sogenannte Modell «Altersdurchmischtes Lernen, ADL» umzustellen. Aus folgenden Überlegungen ist dieser Ent-scheid fragwürdig:

Das Modell ADL ist in der Schulkarriere eines Schülers ein Fremdkörper. Er wird zunächst sechs Jahre in der Primarschule im Jahrgangsmodell unterrichtet, anschliessend zwei bis drei Jahre im Modell ADL, um nachher an der Kantonsschule oder an der Gewerbeschule wieder im Jahrgangsmodell unterrichtet zu werden.

Die in den Gemeindeblättern «Wolfsblick» und «Blickpunkt» gemachte Aussage, dass die im-mens hohen Kosten (Zitat) mindestens konstant gehalten werden sollen zeigt, dass man nicht daran denkt, die Kosten pro Schüler zu senken, auch nicht mit ADL, wofür das Modell ja eigentlich gedacht sein soll. Weil die Gemeinde Wolfhalden je länger je weniger Beiträge an die Sekundarschule bekommt (von Grub 2010 bis 2012 minus 100 000 Franken, vom Kanton 2010 bis 2012 minus 50 000 Franken) belastet der einzelne Schüler die Rechnung der Gemeinde je länger je mehr.

Im Kanton St. Gallen wird ADL als Unterrichtsmodell aufgrund eingehender Studien nur in zwei Ausnahmefällen und als Probebetrieb zugelassen. Es gibt vereinzelt Schulen in der Ostschweiz, welche mit ADL unterrichten. Aus diesen Kreisen verlautet, dass die Einführung des Modells ADL für das Lehrpersonal einem eigentlichen Paradigmenwechsel gleichkommt.

Ob der gesamte Lehrkörper der Oberstufe Wolfhalden geschlossen hinter dem Modell ADL steht, bezweifeln wir.

Es stellen sich für die Einwohner von Wolfhalden die folgenden Fragen:

Haben die Gemeinderäte Wolfhalden und Grub dem Gemeinderat Heiden und Walzenhausen das Thema «Gemeinsame Sekundarschule» jemals als Verhandlungsgegenstand angeboten? Unverbindliche Gespräche sind noch keine Verhandlungen. Wenn ja, haben die Gemeinderäte Heiden und Walzenhausen Verhandlungen abgelehnt?

Wurde mit dem Lehrpersonal das Thema «Paradigmenwechsel» und seine Bereitschaft dazu ausführlich und in der notwendigen Tiefe aufgearbeitet und steht die Lehrerschaft geschlossen hinter dem Modell? Stimmt die anscheinend gemachte Äusserung wirklich, dass Lehrer, welche nicht hinter dem geplanten Modell ADL für die Oberstufe Wolfhalden stehen, sich eine neue Stelle suchen sollten?

Wie gedenkt der Gemeinderat Wolfhalden, die Schulkosten pro Schüler in den Griff zu bekommen, und gibt es eine Planung über die finanzielle Entwicklung der Schule Wolfhalden für die kommenden Jahre, nachdem der Nettoaufwand im Jahr 2012 gegenüber dem Nettoaufwand 2010 um rund 320 000 Franken oder 14 Prozent zunimmt?

Lesegesellschaft Aussertobel

Arbeitsgruppe

Schule und Bildung

Wolfhalden