Abzockerei muss aufhören – jetzt!

Leserbrief zur Abstimmung über die Initiative «Gegen die Abzockerei» vom 3. März 2013.

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Leserbrief zur Abstimmung über die Initiative «Gegen die Abzockerei» vom 3. März 2013.

Ich bin weder Aktionär eines Konzerns oder einer Grossbank, noch sitze ich in einem Verwaltungsrat, der mit Boni übergossen wird. Trotzdem bin ich für den indirekten Gegenvorschlag und lehne die Abzocker-Initiative ab.

«Ist das kein Widerspruch?», wurde ich kürzlich gefragt. Nein. Sofern wir in gutschweizerischer Manier das Sachliche über das Emotionale stellen.

Dass die Abzockerei hohe emotionale Wellen wirft, kann ich sehr gut nachvollziehen. Auch nach der Wirtschaftskrise sind einige Manager von Grossbanken und Grosskonzernen noch nicht auf dem Boden der Realität angekommen. Sie wollen nicht akzeptieren, dass ihre überrissenen Löhne und Boni weder ihrer wirtschaftlichen Leistung entsprechen noch moralisch vertretbar sind. Kommt hinzu, dass das Verhalten von Economiesuisse im Abstimmungskampf von Peinlichkeiten und Unbeholfenheit geprägt ist.

Gerade weil mich die Abzockerei in meinem Gerechtigkeitssinn trifft, sage ich aber Nein zur Initiative. Ich will, dass der Habgier von Managern endlich ein Riegel geschoben wird. Und das gelingt uns am besten mit dem Gegenvorschlag. Der Gegenvorschlag nimmt die Anliegen der Initiative auf, er stärkt die Rechte der Aktionäre, und er wird innerhalb von kurzer Zeit nach der Abstimmung wirksam auf Gesetzesstufe umgesetzt.

Dass die Initiative die Änderungen im Aktionärsrecht in die Verfassung schreiben will, macht keinen Sinn. Zum einen würden Sinn und Zweck der Bundesverfassung damit verfälscht. Zum anderen müssten bei Annahme der Initiative zuerst Gesetze und Verordnungen durchs Parlament gebracht werden. Und so wird im National- und Ständerat wieder jahrelang darüber gestritten, wie die Umsetzung nun genau geschehen sollte. Eine Verwässerung der Anliegen wäre garantiert. Warum fehlt in der Initiative eigentlich eine feste Lohnobergrenze oder eine Boni-Steuer? Dies wäre wenigstens konsequent gewesen.

Das Verdienst der Initiative ist es, dass sie zu einem guten Gegenvorschlag geführt hat. Damit trotz aller Emotionen das Sachliche zum Erfolg führt, sage ich Nein zur Minder-Initiative und damit Ja zum indirekten Gegenvorschlag.

Pius Bürge

Präsident Junge CVP

Kanton St. Gallen

Aufeld 17

9607 Mosnang