Abwechslung und neue Impulse

WATTWIL. Unter dem Motto «Perlen des Toggenburgs» führten am Freitag und Samstag Sportlehrpersonen des Berufs- und Weiterbildungszentrums Toggenburg (BWZT) die Weiterbildungsveranstaltung der Sportlehrpersonen der Mittel- und Berufsschulen des Kantons St. Gallen durch.

Thomas Geissler
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Im Rollstuhl Basketball zu spielen ist nicht so einfach und eine neue Erfahrung für die Sportlehrpersonen. (Bild: Thomas Geissler)

Im Rollstuhl Basketball zu spielen ist nicht so einfach und eine neue Erfahrung für die Sportlehrpersonen. (Bild: Thomas Geissler)

Als Organisatoren des einmal im Jahr stattfindenden und von der «FORMI» (Fortbildung für Mittelschullehrkräfte des Kantons St. Gallen) getragenen Weiterbildung hatten sie ein buntes Programm zusammengestellt. In Anlehnung an die aktuelle Themenwoche des BWZT zum Projekt «Road Cross» nutzte Prorektor Peter Egli die Gelegenheit, das Unfallverhütungsprojekt vorstellen. Wie in der schulischen Projektwoche wurden das Leben und der Sport mit einer Behinderung auch innerhalb der Weiterbildung aufgegriffen. Neben dem Erleben von kulinarischen, geographischen und gesellschaftlichen Perlen der Region stand dabei natürlich auch der Sport im Mittelpunkt. Hier konnten die sieben organisierenden Sportlehrpersonen des BWZT eine Perle nach der anderen auf die sprichwörtliche Kette ziehen und den Weiterbildungsteilnehmern viel Abwechslung und neue Impulse bieten. Einen dieser Impulse setzte dabei auch Nationalrat Christian Lohr, der ein inspirierendes und perfekt in den Gesamtkontext des Anlasses passendes Referat zum Thema «Sport und Gesundheit» hielt. In ganz persönlicher, durch seine eigenen Erfahrungen getragener Weise machte er dabei nicht zuletzt auch auf die politischen und gesellschaftlichen Ebenen aufmerksam.

Das Leben in die Hand nehmen

Der 53jährige Kreuzlinger, der selbst mit einer körperlichen Behinderung zur Welt kam, hatte dabei vor allem eine Kernbotschaft im Gepäck: «Das Leben ist, was man daraus macht. Man muss es selbst in die Hand nehmen.» Seine eigene Biographie ist ein Beweis dafür. Denn auch für ihn war sein Handicap nie ein Hinderungsgrund für den Sport oder die Sportberichterstattung, der er sich seit seiner Jugend lange Zeit im wahrsten Sinne des Wortes verschrieben hat. So konnte er sich schon früh für den Sport begeistern, was ihn auch als Persönlichkeit bereicherte, so Christian Lohr: «Der Sport hat mich gelehrt, keine Angst zu haben – auch nicht im Leben.» Ebenso strich er die Bedeutung des Sports für die Charakterbildung heraus. «Im Sport lernt man viel über Anstand, einen respektvollen Umgang miteinander, die Akzeptanz von Regeln und auch, dass man nicht immer gewinnen kann.»

Nicht im Jugendbereich sparen

Was für den einzelnen gelte, mache sich nicht zuletzt auch gesamtgesellschaftlich bemerkbar, liess er weiter durchblicken. Mit Blick auf eine von einem Gemeinschaftsgefühl getragenen Gesellschaft bedürfe es deshalb Unterstützung für jene, die dies nicht aus eigenem Antrieb schaffen. Damit hatte er klar auch die politische Ebene und Bedeutung der Sportförderung für die Gesundheit und Charakterformung des einzelnen sowie der Gesellschaft im Ganzen umrissen. Als Beispiel dafür führte er die vorgesehene Mittelkürzung des grössten Sportförderungsprogramms des Bundes, «Jugend+Sport», an. «Dem mussten wir Einhalt gebieten, und ich werde mich weiterhin dafür einsetzen, dass man im Jugendbereich nicht spart», zeigte er sich kämpferisch. Zwar räumte er ein, dass das derzeitige finanzpolitische Umfeld nicht gerade zum Ausbau der Sportförderung animierte, doch ist es für Christian Lohr ebenso wünschenswert, die Menschen zu unterstützen, welche die Sportförderung mit ihrem Engagement in den Vereinen überhaupt ermöglichen. Ebenso bedürfe es durchdachter Rechtsgrundlagen für die Sportförderung. Wünschenswert wäre für ihn ebenso, in Sachen Sport- und Gesundheitspolitik vermehrt kantonsübergreifend zu denken und zu agieren. Nicht zuletzt strich er den Sport als bedeutenden Faktor für die Lebensqualität heraus. Dies gelte auch für Menschen mit Handicap. Gleichzeitig rief er aber auch ins Gedächtnis, dass die Anerkennung von Leistungen an den Voraussetzungen des einzelnen gemessen werden sollten und: «Die Freude am Sport ist so individuell und vielfältig wie die Menschen selbst. Sport trägt aber sicher zu einem gesunden Gemeinschaftsgefühl bei.»

Nationalrat Christian Lohr hielt eine Rede am Weiterbildungstag.

Nationalrat Christian Lohr hielt eine Rede am Weiterbildungstag.