ABSTIMMUNG: «Die Chance für einen Neubau jetzt nutzen»

38 Millionen Franken möchte Ebnat-Kappel in ein neues Pflegeheim investieren und somit attraktiven Wohn- und Lebensraum für über 90 Seniorinnen und Senioren schaffen. Es soll am heutigen Standort im Wier entstehen.

Sabine Schmid
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Das heutige Altersheim (Haus C, links) muss abgerissen werden. Die Häuser A (rechts) und B wurden 2007 letztmals saniert. Sie sollen verkauft und als Wohnangebot für betagte Menschen genutzt werden. (Bild: Sabine Schmid)

Das heutige Altersheim (Haus C, links) muss abgerissen werden. Die Häuser A (rechts) und B wurden 2007 letztmals saniert. Sie sollen verkauft und als Wohnangebot für betagte Menschen genutzt werden. (Bild: Sabine Schmid)

Sabine Schmid

sabine.schmid@toggenburgmedien.ch

Am 21. Mai stimmen die Ebnat-Kapplerinnen und Ebnat-Kappler über den Neubau des Pflegeheims Wier ab. Gemeindepräsident Christian Spoerlé und Heimleiter Daniel Thoma erklären, welche Überlegungen hinter dem Projekt stehen.

Heute spricht man vom Alters- und Pflegeheim Wier, in Zukunft wird es das Pflegeheim Wier sein. Wer wohnt aktuell dort?

Daniel Thoma: Bei uns wohnen alte Menschen, die mehrheitlich in Ebnat-Kappel zu Hause waren. Die übrigen kommen aus benachbarten Dörfern.

Christian Spoerlé: Im Teil C, der als Altersheim konzipiert ist, wohnen Menschen, die immer mehr auf Pflege angewiesen sind. Das hat uns dazu bewogen, die Strategie zu ändern. Wir brauchen nicht mehr ein Altersheim im eigentlichen Sinn. Dafür gibt es heute private Angebote wie Wohnen im Alter oder betreutes Wohnen. Deshalb wollen wir uns in Zukunft auf ein reines Pflegeheim konzentrieren.

Thoma: Durch den Ausbau von Angeboten wie der Spitex treten die Seniorinnen und Senioren immer später in ein Heim ein und sind dadurch in der Regel in einem schlechteren Gesundheitszustand.

Wie wirkt sich diese Entwicklung auf die Kosten für die Allgemeinheit aus?

Spoerlé: Es ist schön, wenn die Menschen in ihrem Umfeld immer älter werden können. Die vermehrte Pflege und die Dienstleistungen zu Hause haben zudem einen Wirtschaftszweig gegeben. Das ist sinnvoll. Die Plätze im Pflegeheim sind von der Bewirtschaftung gesehen zu teuer, um von weniger pflegebedürftigen Personen besetzt zu werden. Daher finde ich die Entwicklung gut und richtig.

Wie ist im Wier das Verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage bei den Plätzen im Alters- und Pflegeheim?

Thoma: In den vergangenen Monaten waren unsere Betten sehr gut belegt, vereinzelt mussten wir sogar Menschen abweisen und andere Lösungen finden, wenn sie dringlich ins Heim kommen wollten. Diese Situation kann sich aber schnell ändern, denn wir sind kurzfristig immer wieder Schwankungen unterworfen.

Das Bauprojekt sieht einen Neubau für das Heim vor. Warum kann man das Nötige nicht mit einer Sanierung oder einem Teilneubau machen?

Spoerlé: Die Strukturen des heutigen Alters- und Pflegeheims lassen eine Sanierung nur teilweise zu, denn beispielsweise sind gewisse Normen nicht mehr erfüllt. Dazu kommt, dass die Bausubstanz des Hauses C, an dem bei der letzten Sanierung nichts gemacht wurde, so schlecht geworden ist, dass eine Sanierung unmöglich ist. Weil das Heim immer wieder erweitert wurde und die Häuser zuerst mit in sich geschlossenen Einheiten funktioniert haben, hat es heute unterschiedliche Niveaus. Die kann man mit einer Sanierung nicht ausgleichen. Und sie erschweren einen optimalen Betrieb. Man darf auch nicht vergessen, bis wir mit dem Neubau so weit sind, sind seit der Sanierung wiederum rund 15 Jahre verstrichen und wir müssten uns erneut mit einer weiteren Sanierung der Häuser A und B befassen. Darum haben wir entschieden, jetzt die Gesamtsituation zu betrachten.

Das heisst, das Angebot an Betten bleibt gleich gross, aber es sind alle in einem Haus?

Spoerlé: Genau. Wir verfügen jetzt über etwas mehr als 90 Plätze und werden zukünftig 92 Pflegeplätze anbieten.

Die Gemeinde hat sich entschieden, einen Projektwettbewerb auszuschreiben. Welche Kriterien haben Sie dabei vorgegeben?

Spoerlé: Wir haben einen riesigen Katalog mit über 100 Kriterien zusammengestellt. Das Hauptkriterium war, nicht zu wachsen und somit im Betrieb nicht teurer zu werden. Wir haben uns auch für eine Demenzabteilung entschieden, und es war uns wichtig, ein eigenes Café zu haben. Das neue Gebäude soll auf eigenem Land der Gemeinde gebaut werden. Die Verkehrssituation wollten wir ebenfalls entflechten und mehr Parkplätze erstellen.

Thoma: Wir haben Abteilungen mit unterschiedlichen Grössen, bedingt durch die Häuserstruktur. Mit dem Neubau möchten wir vier Abteilungen mit jeweils der gleichen Anzahl Betten bilden. Wir mussten dafür ein Raumkonzept erstellen mit der Anzahl Räume, deren Grösse und wie diese zueinander stehen. Eine wichtige Fragestellung betrifft die Demenzabteilung. Auch diesbezüglich haben uns die Architekten des Siegerprojekts eine optimale Lösung präsentiert.

Spoerlé: Uns war von Anfang an auch klar, dass wir die Häuser A und B nutzen möchten, während das Haus C abgerissen und an seiner Stelle das neue Pflegeheim gebaut wird. So müssen wir für weniger Bewohner eine Übergangslösung finden. Schliesslich haben wir uns entschieden, die Heizung zusammen mit der Schule zu nutzen, wie es bereits angedacht ist.

Die Jury hat sich einstimmig für das Projekt «Weite Nähe» entschieden. Was ist daran so überzeugend?

Spoerlé: Die Ganzheitlichkeit hat uns gefallen. Der Bau sticht ins Auge und überzeugt bei der Bewirtschaftungssituation. Die Zusammenhänge der Betriebsbedürfnisse in einem Ablauf waren ebenfalls augenfällig. Bei der Ausstellung im Januar, in der wir alle Projekte gezeigt haben, hat mir ein Architekt eines anderen Projekts bestätigt, dass wir das Beste ausgewählt haben. Dies, obwohl er im Wettbewerb unterlegen ist.

Thoma: Das Projekt «Weite Nähe» vereint verschiedene Bedürfnisse, zum einen von der betrieblichen Seite her, zum anderen auch von der Gemeinde mit der Einbindung in die örtliche Architektur.

Gehen Sie davon aus, dass das neue Pflegeheim attraktiver wird für die Bewohner und für die Mitarbeiter?

Thoma: Ja, und zwar für beide Seiten. Die Bewohner aus dem Standpunkt, dass bereits heute viele ein Einzelzimmer wünschen, was wir ihnen jetzt nur zum Teil anbieten können. Für die Mitarbeiter gibt es kürzere Wege, und sie bekommen Räume, in die sie sich zurückziehen können. Die Betriebsabläufe werden optimaler, und die Mitarbeiter bekommen mehr Zeit, um mit den Bewohnern zu arbeiten.

Wie kann die Bevölkerung vom neuen Pflegeheim profitieren?

Spoerlé: Nur alleine der Umstand, dass wir ein Pflegeheim in der Gemeinde haben, ist ein Profit. Es gibt den Einwohnern eine Sicherheit, dass sie im Dorf bleiben können, wenn sie auf Pflege und Betreuung angewiesen sind. Wir bekommen viele positive Rückmeldungen von den Bewohnern und den Angehörigen, und das ist ein grosses Kompliment für alle, die im Wier arbeiten.

Thoma: Wir bieten zahlreiche Arbeits- und auch Ausbildungsplätze für Jugendliche im Dorf an.

Spoerlé: Ich merke je länger je mehr, dass bei der Wahl eines Wohnorts nicht mehr der Steuerfuss zentral ist, sondern vermehrt die persönlichen Befindlichkeiten. Es zählen Faktoren wie die gesundheitliche Versorgung, eine attraktive Schule, eine Anbindung an den öffentlichen Verkehr und eine gute Altersversorgung.

Wir sprachen bereits davon, dass die Menschen später ins Heim eintreten und vermehrt der Pflege bedürfen. Welchen Platz hat diesbezüglich und bezüglich der Konzentration des Wiers auf ein Pflegeheim das Wohnheim Speer inne?

Spoerlé: Auch beim Wohnheim Speer zeichnet sich ab, dass die Menschen erst eintreten, wenn sie niederschwellig Pflege in Anspruch nehmen. Das Wohnheim deckt aber ein anderes Bedürfnis ab. Gewisse Menschen fühlen sich wohler, wenn sie in ein ländlicheres Haus kommen, das ähnlich wie ihr Zuhause ist. Dort können sie nach ihren Möglichkeiten in der Landwirtschaft oder in der Hauswirtschaft mithelfen. Das Angebot im Wohnheim Speer ist nach wie vor gewünscht und geschätzt, darum haben wir vor etwa fünf Jahren das Gebäude saniert. Der Gemeinderat hat sich klar dafür ausgesprochen, in den nächsten 15 Jahren an diesem Angebot festzuhalten.

Thoma: Das Wohnheim Speer ist derzeit voll besetzt, und es gibt genügend Menschen, die explizit dorthin gehen möchten.

Spoerlé: Wir haben also im Moment keinen Grund, beim Wohnheim Speer etwas zu ändern, denn es funktioniert bestens und es besteht ein Bedürfnis danach. Solange dieser Trend weitergeht, werden wir dies am Leben erhalten.

Was ist mit den Häusern A und B im Wier geplant?

Spoerlé: Wir möchten diese verkaufen, um den Neubau mitzufinanzieren. Wir verkaufen aber nicht an irgendwen, sondern wir meinen, dass dort ein Angebot für Wohnen im Alter oder Betreutes Wohnen entstehen soll. Dafür suchen wir Investoren, und es gibt auch solche. Wir streben etwas Ähnliches an wie in Bütschwil, wo eine Pensionskasse ein Angebot für Wohnen im Alter geschaffen hat. Wir möchten klar verhindern, dass das Objekt Spekulationen zum Opfer fällt und dort Einfamilienhäuser gebaut werden.

Das Angebot wird sicher nicht von der Gemeinde gemacht.

Spoerlé: Nein. Wir suchen aktiv einen Partner und das liegt in unserer Verantwortung. Aber wir können ein solches Angebot nicht finanzieren. Mit den Bauvolumen beim Pflegeheim, der Schule und der Turnhalle haben wir unsere finanziellen Möglichkeiten ausgeschöpft.

Welches ist Ihr Werbeslogan für die Abstimmung?

Spoerlé: Ich finde, dass eine moderne Gemeinde ein entsprechendes Angebot für die Pflege haben muss. Mit unseren Plänen von einem neuen Pflegeheim, ergänzt mit Wohnraum für betagte Menschen, steigt die Attraktivität in der Gemeinde. Wir sind somit auf einem guten Weg und ausgerichtet für die Zukunft für ältere und älter werdende Menschen. Für die Jugend haben wir mit der Schule und dem Sport ein Zeichen gesetzt.

Wie sieht die Alternative bei einem Nein aus?

Spoerlé: Wenn die Bürgerschaft Nein sagt, müssen wir uns nach der Decke strecken mit dem, was wir haben. Eine Sanierung des Hauses C ist nicht möglich, und wir müssten es abreissen. Das wäre mit einem Leistungs- und Angebotsabbau verbunden. Wenn wir Betten abbauen und Abteilungen schliessen müssten, hätte das auch Auswirkungen auf die Personalpolitik.

Thoma: Es ist elementar wichtig, dass wir ein Ja erhalten und voranschreiten können. Es wäre schade, wenn wir diesen Schritt verpassen würden, auch aus der finanziellen Situation. Wenn man diese jetzt nicht nutzt und wartet, bis das Geld wieder teurer wird, wäre das schlecht. Wenn man bauen will, ist jetzt der richtige Zeitpunkt.

Am Montag, 8. Mai, um 20 Uhr findet in der Aula Wier ein Informationsabend zur Abstimmung über das Pflegeheim Ebnat-Kappel statt.