Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

ABSTIMMUNG: «Das Hotel ist ein Angebot für Wildhaus»

21 Millionen soll das neue Hotel in Wildhaus kosten, zwei Drittel davon übernimmt die ITW-Gruppe als Investorin. Das Engagement lohne sich, aber nur mit öffentlicher Beteiligung, sagt Verwaltungsrat und CEO Martin Meyer.
Sabine Schmid
Das geplante Hotel fügt sich gut in die Sandgrueb in Wildhaus ein, rechts hinten ist das Curlingzentrum. (Bilder: PD)

Das geplante Hotel fügt sich gut in die Sandgrueb in Wildhaus ein, rechts hinten ist das Curlingzentrum. (Bilder: PD)

Sabine Schmid

sabine.schmid@toggenburgmedien.ch

Am 15. April stimmen die Bürger von Wildhaus-Alt St. Johann über die öffentliche Beteiligung an einem Erlebnishotel in Wildhaus ab. Sieben Millionen Franken soll die Gemeinde an das 21-Millionen-Franken-Projekt beisteuern. Martin Meyer, Verwaltungsrat und CEO der ITW-Gruppe, und Ralf Hora, Mitglied der Geschäftsleitung und Leiter Projektmanagement, führen aus, warum sie an Wildhaus als Tourismusdestination glauben und wie die Gemeinde vom neuen Hotel profitieren kann.

Warum will die ITW-Gruppe in Wildhaus ein Hotel bauen?

Martin Meyer: Wir verfolgen schon seit längerem die Idee, ein Hotel zu bauen, denn unsere Unternehmung hat sich in den letzten Jahren auf die Bereiche Gesundheit, Wellness, Freizeit und Tourismus spezialisiert. Um diese Idee zu realisieren, haben wir mehrere Standorte in der Ostschweiz evaluiert. Das hat uns automatisch nach Wildhaus geführt, weil es dort im Bereich der Hotellerie und des Tourismus Nachholbedarf gibt. Aufgrund unserer sehr guten Kontakte zur Jufa-Gruppe haben wir uns entschieden, das Projekt gemeinsam mit ihr als Betreiberin zu entwickeln. Parallel dazu hat die Standortförderung des Kantons St. Gallen auch schon mit dem Gedanken gespielt, wie man Wildhaus im Bereich der Hotellerie voranbringen könnte. Schliesslich haben wir uns auch hier gefunden.

Ist das Projekt in Wildhaus das erste Hotelprojekt für Sie?

Meyer: Ja, es wäre das erste Hotel, aber nicht das einzige. Wir haben mehrere Hotelprojekte in Planung, am weitesten sind wir in Wildhaus. Konkret arbeiten wir aber auch an einem Hotel als Erweiterung des Mineralheilbads in St. Margrethen. Unser Leuchtturmprojekt Nummer 1 ist ein Gesundheitshotel in St. Moritz, dessen Planung schon seit längerem läuft und das wir in den nächsten Jahren an zentraler Lage entwickeln möchten.

Wie muss man sich Ihre Arbeit in der Projektentwicklung vorstellen?

Meyer: Das Hotelprojekt in Wildhaus ist ein gutes Projekt, um dies zu beschreiben. Ein Betreiber möchte ein Hotel bauen. Er hat viele Ideen und wir helfen ihm dabei, diese zu ordnen. Am Schluss der Entwicklung haben wir ein fertiges Hotelprojekt mit einem Inhalt, einem Konzept, einem Betreiber und mit allem, was sonst noch dazugehört.

Sie treten in Wildhaus als Investor auf und steuern den grössten Teil der Investitionen von 21 Millionen Franken bei.

Meyer: Ja, dies im Unterschied zu anderen Projektentwicklern oder Immobiliendienstleistern. Das heisst, wir entwickeln die Immobilie vorwiegend für unser eigenes Portfolio und behalten sie in unserem Bestand. Wir verpachten das Hotel langfristig einem Nutzer. Im konkreten Fall von Wildhaus ist dies die Jufa-Gruppe als Betreiberin.

Wie kam diese Zusammenarbeit zwischen Ihnen als Investor und dem Betreiber zustande und wie muss man sich die vorstellen?

Ralf Hora: Die Jufa-Gruppe führt erfolgreich ein Hotel im liechtensteinischen Malbun. Wir haben das zwar nicht gebaut, aber wir kennen es sehr gut und verfolgen es seit langem. Das Jufa-Konzept mit der Spezialisierung auf Familien, Vereine und Gruppen hat uns von Anfang an überzeugt. Nun will die Jufa-Gruppe in die Schweiz expandieren und wir haben den Kontakt intensiviert. Nach verschiedenen Prüfungen des Standorts Wildhaus haben wir uns entschieden, dieses Projekt gemeinsam zu realisieren. Die ITW tritt als Investorin auf und entwickelt das Bauprojekt, die Jufa betreibt das Hotel. Das sichern wir mit einem langfristigen Mietvertrag ab.

Wer hat die Fäden bezüglich der Einrichtung und des Angebots in den Händen?

Hora: Das hat die Jufa vorgegeben und das ist auch richtig, denn die Jufa muss das Hotel erfolgreich betreiben. Die Jufa-Gruppe hat klare Vorstellungen, wie die Zimmer aussehen und ausgestattet sind. Das sind nicht einfach Zweibett-Zimmer, sondern Familienzimmer, in denen zwei bis vier Personen übernachten können. Das Hotel an sich mit den übrigen Räumen und den zusätzlichen Angeboten entwickelt die Jufa für jeden Standort selber. Dass jedes Hotel anders aussieht und auf den jeweiligen Standort abgestimmte Bereiche hat, unterscheidet sie von anderen Hotelketten.

Gibt es dabei von Ihrer Seite Vorlagen oder Auflagen?

Hora: Wir haben das Hotel gemeinsam entwickelt und darauf geachtet, dass die Kostenseite und die Ertragsseite letztlich zusammenpassen.

Nun kommt die Gemeinde als dritter Partner dazu. Wieso braucht es ein Engagement von der öffentlichen Hand?

Meyer: Ein Hotelprojekt ohne die Unterstützung der öffentlichen Hand ist in der heutigen Zeit nicht erfolgreich realisierbar. Das hat verschiedene Gründe. Erstens stehen die benötigten Grundstücksflächen, die man für so ein Projekt braucht, meistens nicht zur Verfügung. Nur eine Gemeinde ist in der Lage, zentrumsnah, oder wie hier in Wildhaus in der Nähe der Bergbahnen, solche Grundstücke anzubieten. Zweitens sind mit einem solchen Bau Zonierungsfragen verbunden. Die speziellen Plangrundlagen muss eine Gemeinde bewilligen. Drittens braucht es via Gemeinde oder Öffentlichkeit einen Investitionskostenzuschuss. Ohne diesen gehen das Betriebskonzept und der Geschäftsplan, der hinter einem solchen Hotel hinterlegt ist, nicht auf. Der Tourismus ist ein sehr engmaschiges Geschäft und die Tourismusstandorte stehen europaweit miteinander in Konkurrenz. Da braucht es auch eine finanzielle Unterstützung der Gemeinde, aber die Standortgemeinde kann im Gegenzug auch viel von einem Hotelbetrieb profitieren.

Hora: Im Fall von Wildhaus hat die Marktanalyse der Jufa gezeigt, dass der Standort funktionieren kann, wenn das Hotel über ein breites Zusatzangebot verfügt. Dieses Zusatzangebot kann man mit dem reinen Hotelertrag aber nicht finanzieren. Deshalb hat man die Gemeinde ins Boot geholt und macht das Zusatzangebot der Öffentlichkeit zugänglich. Dasselbe Konzept funktioniert übrigens im Montafon sehr gut.

Wie funktioniert die bunte Durchmischung von Einheimischen, Hotelgästen und anderen Nutzern in den öffentlichen Bereichen?

Meyer: Das Beispiel im liechtensteinischen Skigebiet Malbun zeigt diese Philosophie sehr gut. Die Hotelzimmer sind ausschliesslich für die Hotelgäste, alle übrigen Räume sind öffentlich zugänglich. Das führt dazu, dass ganze Skiclubs in den Restauranträumen ihre Kaffeepause machen und es hat auch niemand etwas dagegen, wenn sich jemand aus dem Rucksack verpflegt. Auf dem Indoor- und dem Outdoor-Spielplätzen spielen Kinder von Hotelgästen oder von Passanten und Einheimischen. Und der Wellnessbereich steht Hotelgästen, und gegen eine Gebühr auch allen anderen, zur Verfügung. Ein ähnliches Konzept mit privaten Bereichen für die Hotelgäste und öffentlich genutzten Bereichen ist auch für das geplante Klanghotel in Wildhaus angedacht. Das gibt einen Mehrwert sowohl für das Hotel als auch für die Gemeinde, die heute über solche Angebote noch nicht verfügt.

Das Angebot der ITW ist also: Die Gemeinde Wildhaus-Alt St. Johann zahlt einmalig einen Beitrag von 7 Millionen Franken, dafür bekommt sie eine Wassererlebniswelt, einen Indoor-Spielplatz und eine Bowlingbahn, die sie nachher nichts mehr kosten?

Meyer: Das ist so. Der Unterhalt und der Betrieb laufen über den Investor und den Betreiber, da muss sich die Gemeinde nicht mehr darum kümmern.

Wie geht diese Rechnung auf?

Meyer: Mit der von uns angedachten Finanzierungsstruktur geht das auf. 14 Millionen Franken kommen von privater Seite, 7 Millionen von der öffentlichen Hand.

Wieso glauben Sie touristisch ans Toggenburg?

Meyer: Wir haben den Standort sorgfältig geprüft und sind klar zum Schluss gekommen, dass das Toggenburg sowohl im Familienbereich als auch im Vereinsbereich touristisches Potenzial hat. Wildhaus strahlt nicht nur im Toggenburg, sondern hat auch eine Wirkung bis ins Rheintal und an den Zürichsee. Darum ist das Einzugsgebiet relativ gross. Es ist aber nicht so, dass wir ein Hotel bauen und dann Gäste erwarten. Hinter der Jufa-Gruppe steht eine professionelle Vertriebsorganisation, die die Gästeströme entsprechend leiten kann. Sie hat mehrere Tausend Kunden und Abonnenten von Newsletters. Entsprechend kann sie so das Toggenburg als Ferienregion platzieren. Die errechneten Übernachtungszahlen von 25000 bis 30000 sind realistisch, denn es steht eine riesige Vertriebsorganisation dahinter. Das Beispiel Malbun hat gezeigt, dass es funktionieren kann. Die Übernachtungszahlen im Liechtenstein steigen seit langem wieder, nicht zuletzt wegen des Jufa-Hotels.

Hora: Wir sind uns im Klaren, dass die Übernachtungszahlen im Toggenburg in den vergangenen Jahren stets gesunken sind. Also haben wir uns gefragt, woran das liegen könnte. Ich glaube nicht, dass es eine Frage vom Franken-Euro-Kurs ist. Denn unser Betreiber, die Jufa-Gruppe, kommt aus Österreich und will in die Schweiz expandieren und kann die Situation gewiss einschätzen. Aus unserer Sicht fehlt es dem Toggenburg auch nicht an Attraktivität. Die Landschaft ist schön, die touristische Infrastruktur vorhanden und es gibt ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Sommer- und Wintersaison. Vielmehr ist in der bestehenden Hotellerie das Angebot nicht immer ausreichend und zeitgemäss. Darum hat die Jufa-Gruppe gesagt, dass es mehr braucht als das reine Übernachtungsangebot, damit der Betrieb funktioniert. Die geplanten Indoor-Bereiche geben einfache Möglichkeiten für ein Schlecht-Wetter-Programm. Eltern sollen auch mal ohne die Kinder an einem Tisch sitzen können und die Gäste müssen sich gerne im Haus aufhalten, nicht nur im Zimmer. Ein Ganzjahres-Hotel wie unseres sollte funktionieren. Es gibt Beispiele in der Jufa-Gruppe, die das zeigen.

Mit Ihrem Blick von aussen stellen Sie dem Angebot des Tourismus – ausgenommen der Hotellerie – mit den Bergbahnen, dem Pumptrack, Minigolf, dem Eisfeld und allem Übrigen also ein gutes Zeugnis aus?

Hora: Die Umgebung für das geplante Hotel passt, und es hat in unmittelbarer Nähe attraktive Angebote für das Zielpublikum. Dazu kommt, dass die Gäste in der Regel mit dem eigenen Auto anreisen und so auch die nähere Umgebung erfahren.

Gehen wir vom schlimmsten Fall aus: Was passiert, wenn die Bürger von Wildhaus-Alt St. Johann die Vorlage ablehnen?

Meyer: Dann gibt es kein Hotelprojekt in Wildhaus mit der Beteiligung der ITW und der Jufa. Wir haben das Projekt zwei Jahre lang mit der Kantonsregierung, mit der Gemeinde und mit dem Betreiber intensiv bearbeitet. Das Resultat dieser Bemühungen ist unser Angebot für Wildhaus. Wenn die Stimmbürger das nicht wollen, akzeptieren wir das und erschliessen einen anderen Standort.

Hora: Das Konzept ist so fixfertig. Eine Redimensionierung um den öffentlichen Bereich ist weder sinnvoll noch finanziell tragbar.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.