Abstand halten, Fieber messen, mitsingen: Auf der Schwägalp laden Dabu Fantastic und Co zum Distancing Festival

Auf der Schwägalp findet aktuell das Distancing Festival statt. Das Festival bringt das musikalische Live-Erlebnis zurück, doch die Besucher müssen sich an Regeln halten.

Yann Lengacher
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Am Distancing Festival müssen die Besucher aufs Tanzen verzichten.

Am Distancing Festival müssen die Besucher aufs Tanzen verzichten.

Yann Lengacher

Eigentlich hätten am vergangenen Wochenende die Bösen auf der Schwägalp in Aktion treten sollen. Doch der Schwägalp-Schwinget wurde dieses Jahr wie so viele Anlässe abgesagt. Statt Bösch Daniel und Giger Samuel sind es nun der weniger böse Luca Hänni und Dabu Fantastic, die vor dem Säntis in Erscheinung treten. Sie sind Teil des Programms des Distancing Festivals, das durch die Schweiz tourt und von vergangenem Samstag bis Montagabend auf der Schwägalp halt macht.

Musikhören in Liegestuhlgrüppchen

Wie es der Name des Festivals schon verrät, müssen die Besucher Abstand halten. Beim Anstehen vor dem Gelände gibt es kein Gedränge in der Schlange. Die einzelnen Besuchergruppen müssen getrennt voneinander bleiben. Am Samstagabend halten sich die Leute daran. Am Eingang misst der Türsteher mit einem Infrarotmesser die Temperaturen der Besucher. Wer kein Fieber hat, darf rein. Auf dem Gelände steht für jede und jeden ein Liegestuhl bereit. Anders als bei einem gewöhnlichen Festival soll man vor der Bühne sitzen statt stehen. Die Liegestühle sind jeweils Grüppchenweise angeordnet, dazwischen gibt es Abstände. Pro Abend dürfen 300 Besucher auf das Festivalgelände. Würde in den nächsten Tagen ein Besucher positiv auf das Coronavirus getestet, müssten neben dem Betroffenen selbst nur dessen nächsten Sitznachbarn in Selbstisolation. Vor jedem Liegestuhlgrüppchen stehen Tische, auf denen die Besucher Snacks und Getränke abstellen können. Das Setting erinnert ein wenig an dasjenige eines Open-Air-Kinos.

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Das Personal auf dem Gelände trägt Masken und darf sich nicht unter die Crew hinter der Bühne mischen. Auch die Künstler müssen Abstand von einander halten. Zu diesem Zweck halten sie sich vor den Auftritten in unterschiedlichen Backstagebereichen auf.

Auftreten in der neuen Normalität

Verglichen mit einem normalen Festival ist am Distancing Festival einiges anders, aber nicht alles: Die Künstler zeigen auch hier was sie können und machen Stimmung. Fast, wie wenn nichts gewesen wäre. Spurlos vorbei gegangen ist die Coronazeit an ihnen aber nicht. David Bucher und DJ Arts von Dabu Fantastic erzählen dem Publikum am Samstagabend, wie schwierig die Zeit ohne Auftritte für sie war. Auch der Rheintaler Shem Thomas sagt, dass das Coronajahr für Künstler kein leichtes sei und bittet das Publikum, seine neue Single vorzubestellen. Und der Münchner Emanuel Reiter gibt seinen Song «Wir haben immer noch uns» zum Besten, der vom Leben im Lockdown handelt. Dem Publikum gefällt's. Es spendet fleissig Beifall und singt zu Ohrwürmern wie «Vo Vorn» mit. «Es ist nicht wie ein normales Festival, es ist anders. Ich finde es einfach schön, wieder einmal ein Konzert besuchen zu dürfen. Ich habe das vermisst», sagt etwa Besucherin Esther Schönenberger aus Arbon. An ein Festival ohne Abstände hätte sie sich nicht getraut: «Meine Mutter ist Risikopatientin. Ich fühle mich hier sicher, die Besucher halten sich an die Abstandsregeln und das Festival ist gut organisiert.»

Dabu Fantastic ist am Samstagabend der Hauptact. Das Duo bringt das Publikum zwischen den Songs mit Anekdoten immer wieder zum Lachen.

Dabu Fantastic ist am Samstagabend der Hauptact. Das Duo bringt das Publikum zwischen den Songs mit Anekdoten immer wieder zum Lachen.

Yann Lengacher

Zurück zu Live-Anlässen

Geplant und durchgeführt hat das Distancing Festival die «Eventorganisation» aus dem Zürcher Oberland. Das Unternehmen ist normalerweise in die Veranstaltung von neun Open Airs involviert, darunter die Open Airs Lumnezia und Gampel, die 2020 allesamt abgesagt wurden. Die Idee hinter dem Distancing Festival sei es gewesen, nach langer Pause wieder einen Live-Anlass auf die Beine zu stellen, sagt Mike Schälchli, Geschäftsführer der Eventorganisation. «Wir wollten unseren Partnern wieder eine Plattform an einem Live-Anlass bieten. Wir wollten wegkommen von digitalen Konzerten und einen Live-Anlass entwickeln. Der Wert dieses Anlasses ist die Rückkehr zu Livedarbietungen und weniger der finanzielle Ertrag», sagt Schälchli.