Abseits des Scheinwerferlichts

Nina Stadler aus Kirchberg schliesst im Sommer ihre vierjährige Ausbildung (Sportler-KV) in Kreuzlingen ab und möchte danach als Tennisprofi durchstarten. Zurzeit ist die 20-Jährige die Nummer 760 der Weltrangliste.

Beat Lanzendorfer
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Die 20-jährige Kirchbergerin Nina Stadler setzt nach ihrem beruflichen Abschluss ab Sommer voll auf die Karte Tennisprofi. (Bild: pd)

Die 20-jährige Kirchbergerin Nina Stadler setzt nach ihrem beruflichen Abschluss ab Sommer voll auf die Karte Tennisprofi. (Bild: pd)

TENNIS. Belinda Bencic oder Timea Bacsinszky sind Namen, die auch ausserhalb der Tennisszene bekannt sind. Wer die Weltrangliste durchforstet, findet weitere Schweizerinnen, die ihren Sport mit der gleichen Leidenschaft ausüben, denen der Durchbruch bisher aber verwehrt geblieben ist. Zu ihnen gehört die Kirchbergerin Nina Stadler, die ab dem Sommer nicht mehr zweigleisig fahren muss und sich ganz aufs Tennis konzentrieren kann.

Beruf statt Sport

Für Nina Stadler war nach der obligatorischen Schulzeit klar: «Priorität hat die berufliche Ausbildung.» Dies hatte einen organisatorischen Mehraufwand zur Folge und ganz sicher eine vorübergehende Stagnation ihrer sportlichen Leistungen. Hinzu kam ein Bänderriss im linken Sprunggelenk, der sie ab August 2014 fast drei Monate ausser Gefecht setzte. Kraft- und Konditionstraining waren möglich, an Turniere aber war nicht zu denken. «Ich habe im Sommer 2012 die Ausbildung zum Sportler-KV begonnen. In den ersten zwei Jahren ging ich zur Schule, dann absolvierte ich während eineinhalb Jahren ein Praktikum bei einer Software-Firma in Tägerwilen. Die letzten Monate kann ich mich jetzt in der Schule mit der Abschlussprüfung befassen.» Die Frage, wie viele Stunden Training in der Woche möglich sind, beantwortet sie mit 13. Zum Vergleich: Die Weltspitze kommt locker auf 20 Stunden.

Bescheidene Preisgelder

Sportlich hat die Rechtshänderin trotz Doppelbelastung ein gutes Jahr hinter sich. Sie hat sich von Position 878 (Stand 2014) auf Platz 714 (Stand 23. November 2015) vorgearbeitet. Aktuell ist sie weltweit die Nummer 760. Noch besser läuft es ihr im Doppel: Hier taucht der Name Stadler auf Position 580 auf. Möglich geworden durch drei Endspielteilnahmen und einen Finalsieg bei ITF-10 000-Turnieren in Italien.

Ein Lächeln huscht über ihr Gesicht, als die Frage nach den Preisgeldern kommt: «Wer bei einem 10 000-Dollar-Turnier im Doppel die erste Runde übersteht, bekommt in etwa 24 Euro. Ein Turniersieg bringt so zwischen 300 und 400 Euro. Wem dies im Einzel gelingt, kassiert vielleicht 1500 Euro. Davon geht aber noch die Quellensteuer weg.» Von Preissummen, wie sie aktuell beim Australian Open gezahlt werden, kann Nina Stadler nur träumen. Trotzdem verfolgt sie das Grand Slam in «Down Under» mit Interesse: «Im August 2015 habe ich für den TC Hörnli Kreuzlingen NLA-Interclub gespielt. Doppelpartien mit Laura Siegemund.» Die Deutsche stiess in Melbourne in die dritte Runde vor, scheiterte dort aber an ihrer Landsfrau Annika Beck und belegt nach ihrem Exploit Position 44 der Weltrangliste.

Vom Tennis leben können

Auf ihre Ziele angesprochen, erklärt Nina Stadler: «Ich möchte vom Tennis leben können, was ungefähr ab Position 150 möglich ist.» Dass sie es drauf hat, bewies sie im Herbst 2015 mit dem Sieg gegen Gioia Barbieri. Die 25jährige Italienerin weist als beste Plazierung Position 170 aus. Und weiter: «Ich bin überzeugt, dass ich mich steigern werde, denn meine bisherigen Gegnerinnen sind zu neunzig Prozent Profis.» Bisher war das aufwendige Hobby von Nina Stadler nur dank der Eltern und einer weiteren Privatperson möglich. «Sponsoren sind aber herzlich willkommen», meint sie mit einem Augenzwinkern.

Nun fliegt sie heute nach Glasgow, wo sie beim ITF-Turnier eingeschrieben ist. Um nicht ganz auf sich allein gestellt zu sein, wird sie von Bruder Dario begleitet. Tennisspielerinnen auf diesem Niveau verfügen aus Kostengründen nicht über einen eigenen Staff wie Trainer, Masseur oder Physiotherapeut. Falls doch jemand mitkommt, erwachsen Nina Stadler nicht unwesentliche Zusatzkosten.

Weltklasse in Kreuzlingen

Aus Sicht von Nina Stadler findet vom 21. bis 28. Februar in Kreuzlingen bereits ein Saisonhöhepunkt statt. Das ITF-Frauenturnier mit einer Preissumme von 50 000 Dollar. Als Einheimische, sie trainiert in Kreuzlingen, hofft sie auf eine Wildcard, mit der sie entweder Aufnahme in der Qualifikation oder noch besser im Hauptfeld findet.

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