«Abschüsse mehr als erfüllt»

Der Hochjagdverein Appenzell Ausserrhoden hat in der vergangenen Saison 41 Stück Rotwild und elf Gemsen erlegt. Zur Erforschung des Rotwilds wurde ein vierjähriges Projekt gestartet.

Martin Brunner
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URNÄSCH. Jäger sind pflichtbewusste Männer und Frauen. Fast der komplette Hochjagdverein Appenzell Ausserrhoden hatte sich im Restaurant Kreuz in Urnäsch für die Hauptversammlung versammelt. 41 Stück Rotwild hatten sie während der vergangenen Jagd erlegt, davon sieben weibliche und zehn männliche Kälber, fünf Schmaltiere, acht Kühe, fünf Spiesser und sechs Stiere. «Mit dieser Anzahl haben wir die Abschüsse für 2013 mehr als erfüllt», sagte der Präsident Hanspeter Gantenbein. Bei den Gemsen waren es elf Stück. «Dieser Bestand hat sich trotz Schonung noch nicht erholt.»

Gantenbein sprach aber auch davon, dass ihm das Rotwild sehr am Herzen liege. «Ursprünglich bewohnte es vor allem Auenlandschaften», erklärte er. «Doch durch die Ausbreitung der Siedlungen musste es sich in die Waldgebiete und teilweise bis über die Waldgrenze ins Hochgebirge zurückziehen.» Forstwirtschaftliche Probleme seien die Folge. Das Rotwild beanspruche zudem einen grossen Lebensraum und unternehme weite Wanderungen, was heute aber kaum mehr möglich sei. Und er ergänzte, dass es heute die Aufgabe der Jagdorganisationen sei, den Rotwildbestand korrekt zu bejagen und zu hegen.

Sieben Hirsche mit Sendern

Um das Rotwild besser verstehen zu können, riefen das Amt für Jagd und Fischerei Kanton St. Gallen sowie die Kantone Appenzell Ausserrhoden und Innerrhoden das Forschungsprojekt «Rotwild in der Ostschweiz» ins Leben. «Während der nächsten vier Jahre will man kantonsübergreifend die Grundlagen für ein wirksames Rotwildmanagement schaffen», sagte der Hegechef Markus Zellweger. Dazu wurden bisher sieben Hirsche – fünf weibliche und zwei männliche – mit einem Sender ausgerüstet. Noch nicht möglich gewesen sei die Plazierung von Pansensonden, um die Verdauung aufzuzeichnen.

Zellweger erwähnte auch das Rotwild, das oft an der Schwägalpstrasse zu sehen war. Um das Überqueren der Strasse zu vermindern, sei im Gebiet Sulzmoos ein Platz mit gefällten Eschen eingerichtet worden, sagte er. Diese Ablenkung habe funktioniert, denn die Tiere hätten sich richtiggehend vergnügt. Die geschälten Bäume seien aber auch ein Hinweis, wie stark ein Waldbestand unter Umständen leiden könne. Im Frühjahr zeigte der Oberförster Heinz Nigg an zwei Begehungen Schälschäden an stehenden Beständen. Als erste Massnahme hat die Jägerschaft deshalb einzelne noch nicht geschädigte Bäume eingebunden. «Warum genau das Rotwild Bäume schält, ist nicht geklärt. Sicher ist, dass es je nach Nahrungsangebot Rohfasern für die Verdauung benötigt.»

Erstaunlich ist, dass im Jagdgebiet ein Steinbock aufgetaucht ist. Er scheine sich rund um den Hochhamm wohl zu fühlen, sagte der Wildhüter Roland Guntli. Er geniesse es und lasse sich problemlos beobachten, obwohl dort nicht sein Lebensraum sei. Man hoffe aber, dass er sich irgendwann wieder in die Berge zurückziehe. Klar war für ihn, dass dieses geschützte Tier nicht zum Abschuss freigegeben wird.

Neues Vorstandsmitglied

Für die nächste Saison beantragen die Jäger an die kantonale Jagdkommission den Abschuss von mindestens 30 und maximal 40 Stück Rotwild. Bei den Gemsen sollen es vier Stück sein. 54 Patente wurden für die kommende Jagd gelöst. Aus dem Vorstand zurückgetreten ist nach 20 Jahren der Jagdleiter René Büchel. Der bisherige Revisor Philippe Eugster wurde in den Vorstand gewählt und wird in Zukunft dessen Aufgaben erledigen. Neuer Revisor ist Oliver Mildner.

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