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Abschied vom Auerhahn Johann

Während 20 Jahren haben sich Hans und Gerlinde Brüsch vom Tierparadies Haslen für den Erhalt der Rauhfusshühner eingesetzt. Nun muss das Ehepaar die Zucht der bedrohten Vogelart schweren Herzens aufgeben.
Michael Genova
Traurige Reise: Hans und Gerlinde Brüsch brachten am Montag den Auerhahn Johann und zwei Auerhühner in den Tierpark Feldkirch. (Bild: mge)

Traurige Reise: Hans und Gerlinde Brüsch brachten am Montag den Auerhahn Johann und zwei Auerhühner in den Tierpark Feldkirch. (Bild: mge)

HASLEN. Die ersten Auerhühner hat Hans Brüsch als Bube auf den Alpweiden bei Bad Ragaz und Pizol gesehen. Seither haben ihn die Tiere nicht mehr losgelassen. In den vergangenen 20 Jahren haben der gebürtige Sarganserländer und seine Frau Gerlinde sich dem bedrohten Rauhfusshuhn gewidmet. In den Volieren ihres «Tierparadieses» in den unteren Lithen bei Haslen hielten sie rund 70 Hühner. Darunter Arten wie Birkhühner, Alpensteinhühner, Haselhühner – oder eben Auerhühner. Mittlerweile sind die Vögel für das Ehepaar Brüsch zu einem Teil der Familie geworden. «Wir reden mit unseren Tieren», sagt Hans Brüsch, «der Auerhahn, das ist der Johann.»

«Ich kann es nicht begreifen»

Doch nun gilt es loszulassen. Der Aufwand der Aufzucht ist den beiden zu gross geworden – dieses Jahr wird Hans Brüsch 78 Jahre alt. Gemeinsam mit seiner Ehefrau hat er deshalb entschieden, etwas kürzer zu treten und einen grossen Teil der Vögel wegzugeben. Im Tierpark Feldkirch habe er eine ideale, neue Heimat für die Tiere gefunden, sagt Brüsch. Bereits nach Feldkirch umgesiedelt hat er seine Alpensteinhühner und die Schneehasen. Am Montag waren der Auerhahn Johann und zwei Auerhühner an der Reihe – ein Abschied, der dem Ehepaar besonders schwer fiel. Hans Brüsch sagt: «Ich kann es nicht begreifen.» Und seine Frau Gerlinde fügt hinzu: «Es war eine schöne Zeit – mir kommen die Tränen.»

Ein Mann mit vielen Talenten

Über 40 000 Besucher kamen in den vergangenen Jahren ins Tierparadies nach Haslen. Einmal habe sogar ein doppelstöckiger Car aus Luzern vor seinem Stall geparkt, sagt Hans Brüsch. Der 78-Jährige hat in seinem Leben viele Talente entdeckt und sie alle mit Leidenschaft verfolgt. Im Jahr 1971 war Brüsch OK-Präsident des ersten eidgenössischen Ländlermusikfests in Sargans. Während sieben Jahren arbeitete er als freier Mitarbeiter für das volkstümliche Wunschkonzert des Schweizer Fernsehen. Eigentlich ist Brüsch Käser, zuletzt leitete er in Brig eine Käse-Grosshandelsfirma.

Auch auf dem Gebiet der Erhaltungszucht von Rauhfusshühnern gilt er als anerkannter Spezialist. In der Schweiz gibt es in seinem Gebiet gerade noch eine Handvoll Züchter. «Ich bin der einzige in der Schweiz, der alle Arten hatte», sagt Brüsch. Oft erhält er Anfragen von Biologen und Forstingenieuren, die von seinem reichen Erfahrungsschatz profitieren wollen. Viele von ihm aufgezogene Vögel sind heute in den Zoos von Basel, Bern und Innsbruck zu sehen.

Wenige Tiere im Alpstein

Rauhfusshühner sind Hühnervögel, die in der freien Wildbahn leben. Sie bewohnen hocharktische Regionen oder das Hochgebirge. Die Vögel seien sehr robust und an karges Futter gewöhnt, sagt Brüsch. In der Winterzeit ernähren sie sich hauptsächlich von Tannennadeln, suchen in Wurzeln nach Holzwürmern oder fressen die Larven der Waldameisen. Im Appenzellerland gibt es nur noch wenige Tiere, die in der freien Wildbahn leben. Auf der Potersalp und auf der Schwägalp gebe es noch einen kleinen Bestand von etwa drei bis sechs Auerhühnern mit jeweils einem Hahn, weiss Brüsch. Das Auerhuhn wurde jedoch zu lange gejagt, deshalb ist es heute vom Aussterben bedroht. Dazu komme, dass der Mensch mit Schneeschuhen und Mountainbikes heutzutage überall hingehe. «Die Hühner haben keine Ruhe mehr.»

Nach der Übersiedlung in den Wildpark Feldkirch wird Brüsch in der ersten Zeit seine Rauhfusshühner weiter betreuen. Doch im Moment ist das ein schwacher Trost. «Es ist hart», seufzt er und rückt im Kofferraum seines Autos den Pappkarton mit Johann zurecht.

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