Mit Spitzenfussball abgeschlossen

Während mehr als einem Jahrzehnt spielte der 30-jährige Mario Schönenberger bei Clubs der zwei obersten Ligen. Seit dem 1. Januar haben sich seine Prioritäten verlagert, er arbeitet auf der Verwaltung in Mosnang.

Beat Lanzendorfer
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Mario Schönenberger spielte unter anderem für den FC St.Gallen. (Bild: Urs Jaudas)

Mario Schönenberger spielte unter anderem für den FC St.Gallen. (Bild: Urs Jaudas)

Beat Lanzendorfer

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toggenburgmedien.ch

Herr Schönenberger: Sie arbeiten seit dem 1. Januar auf der Gemeindeverwaltung in Mosnang. Ist das Thema Spitzenfussball abgeschlossen?

Ja, das Thema Spitzenfussball ist für mich abgeschlossen. Ich habe andere Ziele, die für mich wichtig sind.

Ihre Stationen seit 2003 hiessen Wil, Thun, Kriens, wieder Wil, St. Gallen und Wohlen. In welchem Umfeld konnten Sie Ihre Fähigkeiten am besten entfalten?

Ich denke, dass dies bei meinem zweiten Besuch beim FC Wil war.

Gibt es einen Trainer, der Sie am meisten geprägt hat?

Das war Axel Thoma. Er hat in meinen Augen eine sehr emphatische Art und Weise, mit den Spielern umzugehen. Als sein Captain spürte ich viel Vertrauen und konnte daher auch einiges an Verantwortung übernehmen. Dies hat mich natürlich auch als Person reifen lassen.

Gibt es auch das gegenteilige Beispiel? Mit wem sind Sie gar nicht klargekommen?

Ich bin mit keinem Trainer gar nicht klargekommen. Klar gibt es Führungspersonen, mit denen man das Heu nicht immer auf der gleichen Bühne hat. Aber das gibt es in jeder anderen Firma auch. Ein Unterschied ist vielleicht, dass dies im Fussball sehr schnell ändern kann.

Wo liegen aus Ihrer Sicht die Gründe, weshalb Ihnen der Durchbruch in der Super League nie ganz gelungen ist?

In Thun hatte ich einen schlechten Einstieg, verletzte mich in der ersten Woche und war für ein halbes Jahr out. Danach habe ich es nicht geschafft, mich in die Mannschaft zu kämpfen. In St. Gallen hatten wir eine super Saison, mit unter anderem der Qualifikation für die Gruppenphase in der Europa League. Ich wollte spielen, es gab aber für den Trainer keine Gründe, um die Mannschaft umzustellen. Ich habe bemerkt, dass ich keine grossen Chancen mehr erhalten werde, und habe mich daher entschlossen, wieder in der Challenge League Fuss zu fassen.

Wenn Sie sich selbst einschätzen: Haben Sie das Optimum aus Ihrer Karriere herausgeholt?

Schwierige Frage. Ehrlich gesagt denke ich nicht. Es gibt diese Momente, in denen ich denke, dass ich mich in verschiedenen Momenten anders hätte verhalten sollen. Aber jetzt ist jetzt und ich versuche, diese Punkte in der Zukunft umzusetzen.

Zehn Jahre bezahlter Fussball. Gibt es auch einen Entscheid oder einen Vereinswechsel, der sich im Nachhi-nein als falsch erwiesen hat?

Falsch würde ich es nicht benennen. Ich habe in jedem Verein vieles gelernt, war in verschiedenen Teilen der Schweiz Zuhause und konnte dadurch auch meinen Horizont erweitern. Der Wechsel zum FC Thun kam wahrscheinlich ein wenig zu früh. Mit dem jetzigen Wissen würde ich diesen noch ein bis zwei Jahre nach hinten verschieben, aber eben.

Haben Sie noch Kontakt mit einstigen Teamkollegen?

Ja, das habe ich. Unter anderem mit Fabian Schär, dem heutigen Hoffenheimer, mit dem ich in Wil zusammenspielte. Das ist etwas sehr Schönes, das geniesse ich. Am Wochenende die Spiele zu schauen, in denen ich noch einzelne Spieler kenne und auch persönlichen Kontakt pflege, macht es für mich zu etwas Speziellem.

Welches war Ihr schönstes Erlebnis Ihrer Profikarriere?

Da gibt es Verschiedene, da kann ich nicht nur ein Erlebnis nennen. Die Gruppenphase mit dem FC St. Gallen, die Spiele mit den verschiedenen Juniorennationalmannschaften in diversen Ländern und Gegner. Und nicht zuletzt eines meiner ersten Super-League-Spiele in Basel vor knapp 30000 Zuschauern.

Sie werden im Mai erst 31 Jahre alt und haben sich nun entschieden, zu Ihrem Stammverein Bütschwil zurückzukehren. Gab es keine Optionen in einer höheren Liga?

Doch, die gab es. Für mich sind nun aber andere Punkte entscheidender als die Liga. Ich bin nun professioneller Verwaltungsmitarbeiter und möchte mich dort weiterentwickeln. Daher war auch die Frage des Aufwandes, Training, Fahrweg, für mich relevant. Zudem möchte ich in einer Mannschaft spielen, zu der ich persönliche Verbindungen habe und in der ich mich wohlfühle. Das war früher immer so und ich denke, dass dies auch in Zukunft so sein wird.

Wie geht es bei Ihnen sportlich weiter? Spieler, Spielertrainer, Trainer?

Ich werde das B-Diplom machen und sehe dann, wie es sich entwickeln wird. Da ich auch gerne auf dem Tennisplatz stehe oder ab und zu in die Berge gehe, sind die zeitlichen Ressourcen irgendwann aufgebraucht. Aber dass ich in Zukunft einmal als Trainer oder Spielertrainer tätig sein werde, kann ich mir gut vorstellen.