Abschied mit einem Fest

BÜTSCHWIL. Der Spanier Club Bütschwil feiert am 29. Juni seinen 50. Geburtstag. Gleichzeitig wird dieses Datum auch ein Ende markieren, denn das Weiterbestehen des Clubs steht derzeit auf etwas unsicheren Beinen.

Nadine Rydzyk
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José Gallego, der Präsident des Spanier Clubs Bütschwil, will die Geschicke des Vereins in die Hände der nächsten Generation legen – sonst wird der Club mit dem Jubiläum auch sein Ende feiern. (Bild: Thomas Geissler)

José Gallego, der Präsident des Spanier Clubs Bütschwil, will die Geschicke des Vereins in die Hände der nächsten Generation legen – sonst wird der Club mit dem Jubiläum auch sein Ende feiern. (Bild: Thomas Geissler)

Der Spanier Club Bütschwil feiert ein halbes Jahrhundert Clubgeschichte und steht trotzdem kurz vor dem Aus. Nun hängt es vom Interesse der Jugend ab, ob der Club noch weiter bestehen wird. Zwar verfügt dieser noch über 22 aktive und 140 passive Mitglieder, doch machen ihm Nachwuchsprobleme zu schaffen. «Die Jugend ist ausgeflogen», fasst José Gallego das alle Vereine mehr oder minder stark betreffende Problem zusammen. Er selbst ist kurz nach der Gründung dem Spanier Club beigetreten und über 25 Jahre im Vorstand tätig. Der heute 68-Jährige ist derzeitiger Präsident des Clubs und das jüngste Vorstandsmitglied. Obgleich er schon mehrfach den Versuch unternommen hat, das Amt an die nachfolgenden Generationen abzugeben, haben diese es meist nach zwei Jahren wieder niedergelegt.

Hinzu kommt, dass es generell nicht viele Spanier im Toggenburg gibt, wie er weiss. Zur Zeit der blühenden Textilindustrie war das noch etwas anders, doch sind viele seiner Landsleute auch wieder nach Spanien zurückgekehrt. Geblieben seien vor allem diejenigen, die hier geheiratet haben. Und obwohl die europäische Wirtschaftskrise auch in Spanien wieder zu einer vermehrten Auswanderung geführt hat, ist das Toggenburg generell kein attraktives Ziel, weil es hier nicht mehr viel Industrie gibt, mutmasst José Gallego.

Integrationshilfe und Heimat

«Wir Älteren brauchen den Verein nicht mehr. Wir sind integriert», beschreibt er die Situation und erinnert sich an seine erste Zeit in der Schweiz: «Als ich frisch angekommen bin, war es eine wahnsinnige Umstellung. Das war wirklich schwer.» Noch heute muss José Gallego lachen, wenn er an seine erste Tasse Kaffee in der Schweiz denkt, die damals alles andere als eine Gaumenfreude für ihn war. Wie viele seiner Landsleute folgte er dem Aufruf, der 1961 die Runde machte: «Die Spinnerei Weberei Dietfurt sucht Arbeitskräfte!» So kehrten viele Spanier dem Franco-Regime den Rücken und machten ihr Glück in der wirtschaftlichen Blüte der Schweiz. Bis Ende der 60er-Jahre sollten mehrere zehntausend Spanier in die Schweiz emigriert sein.

Ein Jahr auf Eis gelegt

«Der Personalchef der Spinnerei Weberei Dietfurt, Richard Blöchlinger, gelangte mit seinem Ruf an Señor Brändle, der sich in Madrid niedergelassen und auf die Personalvermittlung zwischen der Schweiz und Spanien spezialisiert hatte», steht dazu im aktuellen Mitteilungsblatt von Bütschwil. Diese Ereignisse legten schliesslich den Grundstein zur Entstehung des Club Español Bütschwil. Der Spanier Club hatte seinerzeit bedeutende Funktionen, indem das spanische Brauchtum und die Sprache aufrecht erhalten wurden, damit ein heimatliches Gefühl vermittelt wurde und gleichzeitig durch das Knüpfen von Kontakten zur einheimischen Bevölkerung und dem Kennenlernen die Integration gefördert wurde. Nun steht das 50-Jahre-Jubiläum ins Haus, doch wird dieses gleichzeitig ein sanftes Ende für den Verein markieren. «Wir haben beschlossen, dass wir uns mit einem Fest verabschieden, dann die Vereinstätigkeit für ein Jahr einfrieren und wenn sich dann niemand jüngeres findet, der sich engagieren will, den Club auflösen werden», erklärt José Gallego. «Es ist besser, gesund zu sterben, als tot weiterzuleben», scherzt er. Hinzu kommt, dass das einst sehr belebte Clubhaus mittlerweile nicht nur wenig genutzt wird, sondern auch den Besitzer gewechselt hat: «Der Kanton hat das Haus vor eineinhalb Jahren gekauft und wird es abreissen lassen, weil genau hier die neue Umfahrungsstrasse entlangführen wird», weiss José Gallego. Der Verein war lange Jahre zu günstigen Konditionen in der ehemaligen Fabrikantenvilla eingemietet. In den Anfangsjahren traf man sich noch regelmässig im Schäfli-Saal, bevor sich die Gelegenheit bot, in die heute als Spanierhaus bekannte Immobilie umzuziehen.

Das Haus wurde zum Treffpunkt, obwohl man auch immer wieder grosse Feste in der Turnhalle organisierte, wie sich José Gallego erinnert. Über die Jahre steckte der Club rund 88 000 Franken und viel Eigenleistung in die Sanierung des Hauses, das bald der Umfahrungsstrasse weichen wird.

Dank für die Gastfreundschaft

Das Abschiedsfest des Vereins wird nicht öffentlich stattfinden, sondern mit rund 100 geladenen Gästen und Mitgliedern. «Aber wir haben unsere Türen nie verschlossen, wenn sonst noch jemand kam», erklärt der Präsident. Deshalb gilt, was auch im Mitteilungsblatt der Gemeinde festgehalten ist: «Der Club Español möchte sich im Dorf für die Gastfreundschaft während dieser 50 Jahre bedanken. Zum Jubiläum am 29. Juni sind alle eingeladen, die uns in dieser Zeit irgendwie begleitet und geholfen haben, unsere Gemeinschaft aufrecht zu erhalten und so ein Stück Spanien auch in Bütschwil zu leben.»

Geplant ist ein gemütliches Beisammensein bei Paella und Getränken. Doch auch wenn die Geschichte des Spanier Clubs Bütschwil, der zu den ältesten der Schweiz gehört, wahrscheinlich bald zu Ende geht, kann man auf eine gute Zeit zurückblicken. «Wir hatten es in den 50 Jahren immer friedlich, haben immer alles pünktlich bezahlt und haben einen sehr guten Ruf in Bütschwil», fasst José Gallego zusammen. Und auch wenn er mittlerweile anderweitig zum Jassen geht und sehr gut integriert ist, räumt er ein, dass er auch mit ein wenig Wehmut an die Blütejahre des Clubs denkt.