Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

ABSCHIED: «Kein Tag war wie der andere»

Peter Gut, Leiter des Rehabilitationszentrums Lutzenberg, beendet nach knapp 18 Jahren diese Tätigkeit. Er blickt positiv auf die vergangenen Jahre zurück und erläutert, was sich alles verändert hat.
Carmen Pagitz
Peter Gut sagt, dass sich die Drogenarbeit seit dem Jahr 2000 radikal verändert hat. (Bild: Carmen Pagitz)

Peter Gut sagt, dass sich die Drogenarbeit seit dem Jahr 2000 radikal verändert hat. (Bild: Carmen Pagitz)

Carmen Pagitz

carmen.pagitz@appenzellerzeitung.ch

Nach gut 18 Jahren gibt der Leiter des Rehabilitationszentrums Lutzenberg, Peter Gut, Ende April das Zepter ab. Seit seiner Anfangszeit hat sich vieles verändert. Peter Gut war von Beginn an dabei. Das Rehazentrum Lutzenberg öffnete 1982 seine Tore. Peter Gut, der damals gerade seine Ausbildung zum Sozialarbeiter beendete, fing im Jahre 1983 in der Reha an. Fünf Jahre lang war er dort als Sozialarbeiter tätig. Nach 12 Jahren zog es ihn wieder nach Lutzenberg und er nahm den Chefposten an.

Peter Gut erklärt, die Drogentherapie habe sich drastisch verändert. Die Drogenhilfe sei damals viel mehr auf Gruppen und Zeitachsen fixiert. Heute sei die Arbeit völlig individualisiert. Man erarbeitet mit dem Klienten eine persönliche Zielvereinbarung. «Jeder Klient braucht so lange, wie er nun mal braucht.» Laut Peter Gut habe heute fast jeder Klient eine psychiatrische Diagnose, wie zum Beispiel ein Trauma. «Früher waren die Klienten nicht weniger traumatisiert, aber man hat nun mal auf eine andere Weise therapiert.»

Fast jeden Tag eine neue Droge

Heute gibt es gemäss Peter Gut viel mehr verschiedene Drogen als früher. Das mache die Behandlung schwieriger, weil man mittlerweile gar nicht mehr alle kennen könne. Im Jahre 2016 sei fast jeden Tag eine neue Droge auf den Markt gekommen. «Die Drogenszene hat sich ins Private verschoben. Man sieht sie nicht mehr überall. Deshalb meinen viele Leute, dass das Problem kleiner geworden ist. Meine Meinung ist das Gegenteil.» erklärt Gut. Die Klienten würden immer jünger werden. Momentan seien die jüngsten 14 Jahre alt. In seiner Anfangszeit wurde noch ein 20-jähriger Klient als extrem jung eingestuft. Sie hätten auch schon Anfragen wegen eines 12-jährigen Heroinkonsumenten bekommen. Dies sei früher undenkbar gewesen. Nicht nur die Drogenarbeit hat sich gewandelt, sondern auch er selbst als Leiter. «Ich bin als Chef viel gelassener geworden», sagt Peter Gut im Interview. Die Erfahrung gäbe sehr viel Sicherheit.

Als Leiter war es seine Aufgabe eine heitere Arbeitsatmosphäre zu schaffen. Seiner Meinung nach haben die Mitarbeiter eine ohnehin schon sehr herausfordernde Arbeit, da sei es wichtig, dass im Betrieb eine gute Stimmung herrsche. Peter Gut war unter anderem natürlich auch für wirtschaftliche Aufgaben und die politische Vernetzung verantwortlich. Er spricht sehr positiv über die Beziehung zu den Trägern der Institution. Die Reha wird von sechs Kantonen und dem Fürstentum Lichtenstein unterstützt. Darunter sind neben den Appenzeller Kantonen und St. Gallen auch die Kantone Thurgau, Schaffhausen und Glarus. «Sie stehen auch in schwierigen Zeiten hinter uns.»

Peter Gut erzählt, kein einziger Tag sei langweilig gewesen. Diese Arbeit sei sehr abwechslungsreich und spannend, was er als Privileg ansieht. Seiner Nachfolgerin Monica Sittaro rät er, «möglichst lange möglichst cool zu bleiben». Sie könne ein gutes Team übernehmen mit engagierten Menschen. «Ein Chef ist nur so gut wie seine Mitarbeiter.» Die Zusammenarbeit im Team sei entscheidend für den Erfolg der Institution. Nach seiner jahrelangen Arbeit als Sozialarbeiter, will Peter Gut ein Beratungsgeschäft eröffnen. Dabei dreht sich alles rund um Krisen. Schwerpunkte liegen auf der Trauma Prävention, der Teamentwicklung, der Supervision und dem Führungscoaching.

Er habe auf diesen Ebenen sehr viel Erfahrung gesammelt. An seine Pension denkt der bald 60-Jährige sehr wenig. Peter Gut sammelt leidenschaftlich Whisky, trinke aber selten davon. Er und seine Frau kamen auf die Idee, dass sie irgendwann eine «Whisky Beiz» eröffnen könnten, um die Sammlung unter die Leute zu bringen. Dies wäre allenfalls ein Projekt für die Pension.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.