ABSCHIED: «Bücher sind Lebensmittel»

Gabriele Barbey leitete 23 Jahre lang die Bibliothek Herisau. Nun tritt sie in den Ruhestand. Doch wer sie kennt, weiss: Es wird wohl eher ein Unruhestand.

Karin Erni
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Gabriele Barbey weiss, wie man Bücher an den Mann beziehungsweise an die Frau bringt. (Bild: Karin Erni)

Gabriele Barbey weiss, wie man Bücher an den Mann beziehungsweise an die Frau bringt. (Bild: Karin Erni)

Karin Erni

karin.erni@appenzellerzeitung.ch

«Sie redet wie ein Buch.» Das sagt nicht die Schreibende, sondern Gabriele Barbey über sich selbst. Tatsächlich: Die Sätze und Wörter sprudeln nur so aus der 64-Jährigen heraus. Untypisch für eine Stadtbernerin, denen man hierzulande sonst gern eine gewisse Behäbigkeit attestiert.

In Bern absolvierte Barbey die Ausbildung zur Sekundarschullehrerin und arbeitete danach einige Jahre im Beruf. Doch ein Leben lang Lehrerin zu sein, konnte sie sich nicht vorstellen. Sie wurde PR-Journalistin beim Verband der Schweizerischen Milchproduzenten. Gefallen hat ihr dort das Vermitteln von Informationen, weniger dagegen die politische Arbeit, die ihr manchmal gegen die Überzeugung ging. «Ich bin eine Linke», sagt die ehemalige Ausserrhoder Kantonsrätin und Einwohnerrätin von Herisau. Hierher gekommen ist Gabriele Barbey eher durch Zufall, weil gerade eine Aushilfsstelle an der Sekundarschule frei war. «Ich dachte damals, das Appenzellerland sei schön und liege nahe an den Bergen», sagt sie lachend. Bei der Arbeit hat sie ihren späteren Mann Jean-Pierre, der ebenfalls Lehrer war, kennen gelernt. Nach der Geburt der gemeinsamen Tochter war sie in der Jugendbibliothek an der Schmiedgasse tätig. Es gab damals noch keine Bibliothek für alle Generationen in Herisau, also musste eine her. Barbey gehörte 1992 mit Peter Witschi, Margrit Rüesch und Änni Schär zum Gründerteam des Bibliotheksvereins Herisau. Zwei Jahre später wurde die Bibliothek im renovierten Casino eröffnet. Leiterin Gabriele Barbey absolvierte die nötige Ausbildung berufsbegleitend. Das Angebot der Bibliothek Herisau bezeichnet sie als spannend. «Wir pflegen eine Mischung aus Bestsellern und regionalen Spezialitäten.» Wobei die sprachliche Anlehnung an die Lebensmittelbranche durchaus gewollt ist. «Bücher sind Lebensmittel», ist sie überzeugt. «Es gibt solche, die sind wie pflödrige Bananen, und andere, die sind frisch und knackig wie grüne Äpfel.» Nach diesem Prinzip dekoriert die «Lebensmittelhändlerin» die Bibliothek entsprechend den Jahreszeiten um. Alles Dunkle, das an Winter und Weihnachten erinnert, wurde ins Magazin verbannt. Alte Schinken, die nicht gelesen werden, sind ihr ein Gräuel, daher werden jedes Jahr zehn Prozent des 18 000-bändigen Bestandes aussortiert. Von Barbey stammt übrigens auch die Idee mit Bücherauswahlen in Hotels oder Bücherkoffern im Rosengarten.

Ist die Zeit des Buches nicht abgelaufen? «Im Gegenteil, wir hatten 2016 einen Ausleihrekord.» Zwar nehme die Zahl der Nutzer ab, doch die verbleibenden würden mehr ausleihen, so Barbey. Zudem sei das Angebot nicht auf Bücher aus Papier beschränkt. Die Bibliothek Herisau ist auch Mitglied der digitalen Bibliothek Ostschweiz. Auch wirke die integrierte Ludothek befruchtend.

Gabriele Barbey hat keine Angst, dass es ihr nach der Pensionierung langweilig werden könnte. Sie habe schon verschiedene «Jöbli» in Aussicht. Wie die Rubrik im Verlagsmagazin «Die Zeile», wo sie in detektivischer Arbeit den Besitzer eines Bücherregals ausfindig macht. Weitere Ideen seien vorhanden. Man glaubt es aufs Wort.