Abrissbirne schon bestellt?

Leserbrief zum Projekt Neubau Gemeindehaus Nesslau

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Leserbrief zum Projekt Neubau Gemeindehaus Nesslau

Bei der Vorstellung des Neubauprojektes für das Nesslauer Gemeindehaus habe ich eine Variante für einen Umbau des bestehenden Gemeindehauses eventuell mit einem ergänzenden Neubau vermisst. Anscheinend sind die Würfel schon im voraus gefallen, dass das alte Gemeindehaus einem Neubau weichen muss. Ungeachtet vorgängig gemachter Meinungen fände ich es richtig, parallel zu einer Neubauvariante auch ein Umbauprojekt auszuarbeiten. Der Richtungsentscheid Neubau oder Umbau gehört meines Erachtens an die Urne. Wird jetzt über den Neubau abgestimmt, wo viel Zeit und Geld investiert wurde, so ist der Stimmbürger fast genötigt, das Projekt gutzuheissen oder riskiert, dass bei null wieder angefangen wird.

Sicher ist es richtig, auch einen modernen Neubau ins Auge zu fassen. Bei der Frage, was modern ist und dem neuesten technischen Stand entspricht, bleiben aber auch Altbauten präsent. Alt und Neu darf kritisch abgewogen werden.

In Neubauten werden oft Baustoffe mit nicht unerheblichen Mengen an Giftstoffen verbaut. Die grössere Luftdichtheit der Gebäude gegenüber früher verschärft dieses Problem. Betrachtet man Bauten nach dem Minergie-Label, so stellt man fest, dass nach den bisherigen Standards «Minergie» , «Minergie-P» mit den jeweiligen Zusätzen «Eco» der neueste Standard «Minergie A» dazugekommen ist. Bei «Minergie A» wird die Energie für das Herstellen und das Entsorgen des Hauses mit bewertet. Anders ausgedrückt nimmt der modernste Gebäudestandard «Minergie A» die energiesparende Bauweise unserer Vorfahren als Vorbild: gebaut mit örtlichen Handwerkern mit vor Ort verfügbaren Baustoffen, und das möglichst ohne Bauchemie. Leider sind aber auch im Verein Minergie die monetären Interessen sehr hoch, und so wird dem Hausbesitzer für das Zertifikat eine kontrollierte Lüftung zwangsverordnet. Das ist sehr schade, weil so Lösungsansätze für eine Hauslüftung ohne Motor unterbunden werden.

Beim Vergleich Altbau – Neubau wird immer auch ein nötiger Lift angesprochen. Probiere ich mich in die Lage eines Gehbehinderten zu versetzen, so überwiegt bei mir aber die Sicherheit. Da ein Gehbehinderter im Notfall (Rauch, Feuer, …) in den oberen Etagen ein Problem hat, ziehe ich es vor, die Geschäfte im Erdgeschoss abwickeln zu können. Ein Sitzungsraum, Toiletten und ein flexibel nutzbares Büro im Erdgeschoss sind für mich ein moderner Lösungsansatz.

Ich bin überzeugt, dass es die Mühe wert ist, auch eine Umbauvariante zur Abstimmung vorzulegen, eventuell mit einem neuen Anbau und einem zentralen Eingang zwischen dem bestehenden Gemeindehaus und dem Haus Nüssli. So gäbe es die Möglichkeit, eines der schöneren Amtshäuser des Toggenburgs fit zu machen anstatt es einfach abzureissen und so ein Stück Nesslauer Geschichte aus dem Dorfbild zu radieren.

Christof Deutsch

Lutenwilerstrasse 26

9650 Nesslau