Abrechnung mit der Micarna

Ehemalige Mitarbeiter der Micarna kritisieren die Arbeitsbedingungen im Bazenheider Industriebetrieb. Kranken Personen werde gekündigt. Zudem seien Minusstunden vom Lohn abgezogen worden. Die Micarna nimmt Stellung.

Simon Dudle
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Roland Pfister Mediensprecher Micarna (Bild: pd)

Roland Pfister Mediensprecher Micarna (Bild: pd)

BAZENHEID. Es sind happige Vorwürfe, welche ehemalige Mitarbeiter, die anonym bleiben wollen, im gestrigen «Kassensturz» gegen die Micarna erheben. Es geht um die Arbeitsbedingungen in der Zerlegerei. Der Druck, der aufgebaut würde, sei für viele Angestellte unerträglich geworden und kaum auszuhalten. Es herrsche ein Klima des Misstrauens. Die Zerlege-Geschwindigkeit seit mit der Einführung eines neuen Fliessbandes vor gut zwei Jahren erhöht worden. Pikant: Just dann, wenn Besuch gekommen sei, habe man das Band weniger schnell laufen lassen.

Druck auf Einzelne ist reduziert

Dem entgegnet Micarna-Sprecher Roland Pfister: «Es ist richtig, dass die Geschwindigkeit in der industriellen Lebensmittelverarbeitung zugenommen hat. Der Druck auf den einzelnen Mitarbeiter ist aber reduziert worden. Musste ein Metzger früher jedes Stück Fleisch zur Bearbeitung vom Band auf seinen Tisch runter und wieder hoch heben, kann er seine Arbeit heute direkt am Band mit weniger körperlicher Anstrengung und am höhenverstellbaren Arbeitstisch erledigen.» Zur Verlangsamung der Bandgeschwindigkeit bei Besuchen sagt Pfister: «Das ist korrekt. Dabei ging es um einen Besuch von Vertretern, denen der genaue Ablauf der Produktion erläutert wurde. Dies war offen kommuniziert worden.» Er weist darauf hin, dass die Zerlegerei in Bazenheid die modernste für Schweine in Europa sei. Für den Neubau habe man sich damals entschieden, um am Produktionsstandort Schweiz festhalten zu können.

Lohn abgezogen

Die ehemaligen Mitarbeiter erheben weitere Vorwürfe Richtung ehemaligen Arbeitgeber. Die schwere körperliche Arbeit habe negative Folgen auf den Körper, besonders wenn Personen den ganzen Tag die gleiche Arbeit verrichten. Zudem sei die Arbeit wiederholt vor Schichtende beendet gewesen und die Arbeiter hätten früher nach Hause müssen. Diese Zeit aufzuarbeiten, sei fast nicht möglich gewesen. Es hätten sich Minusstunden angehäuft, welche vom Lohn abgezogen worden seien.

Dazu sagt Micarna-Sprecher Pfister: «Diesem Vorwurf sind wir nachgegangen. Es hat sich gezeigt, dass tatsächlich ungerechtfertigterweise Minusstunden abgezogen worden sind. Das hätte nicht passieren dürfen. Weil sich der betroffene Mitarbeiter bei uns gemeldet hat, konnten wir den Fehler bereits korrigieren.»

Was der Experte sagt

Der Reigen an Vorwürfen der einstigen Mitarbeiter – der eine war zwei Jahre lang beschäftigt, der andere vier – geht noch weiter. Als Folge der schwierigen Arbeitsbedingungen hätte es im Betrieb mehrere Personen mit psychischen Erkrankungen oder Burn-out gegeben. Kranken Mitarbeitern sei gekündigt worden. «Wir kündigen grundsätzlich keinen Mitarbeitern, weil sie krank sind oder der körperlichen Belastung nicht mehr gerecht werden», so Micarna-Sprecher.

Fakt aber ist, dass die industrielle Fleischherstellung eine körperlich anspruchsvolle Arbeit ist und Beschwerden eher auftreten als in anderen Berufen. Dazu Pfister: «Beim Micarna-Neubau wurden die Anlagen von einem Arbeitsmediziner und einem Vertreter einer grossen Schweizer Krankenversicherung analysiert. Dabei ist festgehalten worden, dass es sich um einen Produktionsbetrieb <auf sehr hohem Niveau> handelt und die Arbeitsabläufe <sehr gut optimiert> sind.»

Am Ort des Geschehens: Auch die Geschwindigkeit des Fliessbandes sorgt in der Zerlegerei der Micarna für Missfallen. (Bild: pd)

Am Ort des Geschehens: Auch die Geschwindigkeit des Fliessbandes sorgt in der Zerlegerei der Micarna für Missfallen. (Bild: pd)