Abfall verschwindet bald im Boden

In immer mehr Schweizer Gemeinden wird der Abfall vor der Entsorgung unterirdisch gelagert. Auch in der Region besteht das Interesse an Unterflursystemen, die umgangssprachlich auch Moloks genannt werden.

Simon Dudle
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Für die Entleerung ist ein Kran nötig und das Fahrzeug muss umgerüstet werden. (Bild: pd)

Für die Entleerung ist ein Kran nötig und das Fahrzeug muss umgerüstet werden. (Bild: pd)

TOGGENBURG. In Stein und Wildhaus-Alt St. Johann gibt es Moloks schon, ebenso in der Stadt St. Gallen und der Region Buchs. Auch Nesslau interessiert sich für ein solches Unterflursystem und die Stimmbürger genehmigten diesbezüglich an der Gemeindeversammlung einen Kredit in der Höhe von 180 000 Franken.

In der weiteren Umgebung gibt es Anfragen aus Ebnat-Kappel, Bazenheid, Oberbüren, Mosnang und Gossau. Gut vorstellbar, dass auch diese Gemeinden im Verlaufe des Jahres, zumindest teilweise, die neue Art des Abfallsammelns einführen. Entscheidet sich eine Gemeinde für die Umstellung, heisst das nicht, dass der Abfall nur noch unterirdisch gesammelt wird. «In den meisten Orten müsste derzeit mit Parallelsystemen gesammelt werden, also Oberflur und Unterflur.», sagt Rainer Heiniger, Leiter Logistik und Recycling beim ZAB.

Kein Futter mehr für Füchse

Unter einem Molok versteht sich ein grosser Abfallkübel mit einem Fassungsvermögen von fünf Kubikmetern, in den rund 80 gewöhnliche Abfallsäcke aus den umliegenden Haushalten geworfen werden können. Der Behälter ist aus Kunststoff, Stahl oder Beton. Die Sammelstelle befindet sich entweder vollständig oder teilweise unter der Erde. Dies hat zum Vorteil, dass keine Abfallsäcke mehr auf den Strassen stehen und die Sauberkeit erhöht wird. Füchse werden sich nicht mehr daran gütlich tun können. Muss heute vielerorts noch der Abfallsack an einem bestimmten Tag herausgestellt werden, wäre danach eine Entsorgung rund um die Uhr möglich. Für den ZAB würde die Sammlung rationeller und das Beladepersonal entlastet, da es keine schweren Säcke mehr heben muss. Die Moloks werden mit einem Kran auf das Fahrzeug gehoben und entleert.

Teure Technik

Zu den Nachteilen zählt, dass relativ hohe Investitionskosten anfallen, nämlich rund 5000 Franken für den Aushub und gut 4000 Franken für den Behälter inklusive Transport. Zudem ist ein Baubewilligungsverfahren notwendig und es bedarf eines Spezialfahrzeuges mit Kran für die Leerung.

Ist ein solcher Behälter erst einmal errichtet, stellt sich die Frage, wie man sicherstellen kann, dass nur die angeschlossenen und somit berechtigten Haushalte ihren Abfall dort entsorgen und Fremd-Entsorgung verhindert wird. «Wir hoffen, dass es keine Zutrittskontrolle braucht. Es gibt aber die Möglichkeit mit Schlüsseln oder einem Badge zu arbeiten», sagt Rainer Heiniger. Ein solches Badgesystem würde zusätzliche Kosten verursachen. Rainer Heiniger sagt: «Auch wenn wir vorderhand ohne Zutrittskontrolle planen, so ist es für uns wichtig, dass die Systeme nachrüstbar sind.» Es gibt optional auch die Möglichkeit, eine Füllstandsanzeige einzubauen, welche den ZAB informiert, wann der Behälter voll ist. Auch eine Waage könnte installiert werden, womit dann zwar die gebührenpflichtigen Säcke entfielen, dafür Ende Monat oder Jahr jedem Benutzer eine Rechnung zugeschickt würde, um den entsorgten Abfall zu zahlen. «Diese elektronischen Geräte haben derzeit allerdings noch eine hohe Fehlerquote und sind sehr kostspielig», sagt Rainer Heiniger. Das musste auch in der Gemeinde Wildhaus-Alt St. Johann festgestellt werden, nachdem dort elektronische Unterflurbehälter installiert wurden.

Für die Beschaffung solcher Unterflurbehälter zeichnen entweder die jeweilige Gemeinde oder die Hausverwalter verantwortlich. Der Betrieb wird dann über die Sackgebühr finanziert.

Fahrzeuge wieder umrüsten

Beim ZAB werden in diesem Jahr zwar die Bedürfnisse der Gemeinden bezüglich Moloks abgeholt, allzu sehr forciert wird die Thematik aber nicht. Das liegt daran, dass im Jahr 2009 eine neue Flotte Fahrzeuge gekauft wurde, die auf ein Oberflursystem ausgerichtet ist. Würden alle Gemeinden gleichzeitig auf Unterflursysteme umstellen, müssten diese Fahrzeuge umgerüstet werden. Eine neue Flotte wird voraussichtlich nach 2019 beschafft.

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