ABFALL-UNTERFLURNETZ
Für den Bau eines Unterflurcontainers: Walzenhausen schüttet einen Weiher zu

Walzenhausen baut in den kommenden Jahren ein Abfall-Unterflurnetz auf dem ganzen Gemeindegebiet. In Lachen ist dies bereits geschehen. Allerdings wurde hierfür ein Biotop zugeschüttet.

Margrith Widmer
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Hier entstehen die neuen Unterflurcontainer in Walzenhausen.

Hier entstehen die neuen Unterflurcontainer in Walzenhausen.

Bild: PD

In Zusammenarbeit mit dem Zweckverband Kehrichtverwertung Rheintal KVR und der Stiftung Waldheim hat die Gemeinde Walzenhausen auf dem Grundstück der Stiftung bei deren Heim «Krone» vier Unterflurbehälter aufgestellt. Zwei der Container mit einem Fassungsvermögen von je 6,5 Kubikmeter stehen der Bevölkerung aus dem Dorfteil Lachen ab sofort zur Verfügung.

Anlässlich der Eröffnung durch Gemeindepräsident Michael Litscher, dem Leiter Werkhof, Lukas Züst, Geschäftsleiter Waldheim, Werner Brunner, dem Leiter Finanzen Waldheim, Ueli Graf, und Baumeister Roger Aeschlimann, wurde der erste Gebührensack entsorgt, wie die Gemeinde am 19. Juli bekanntgab. Geplant sind weitere Unterflurbehälter entlang der Hauptverkehrsachsen.

Verschwundener Weiher

Zulässig für die Entsorgung in den Unterflurcontainern sind ausschliesslich die offiziellen Gebührensäcke des Zweckverbands der Kehrichtverwertung Rheintal KVR. Bündel mit Gebührenmarken und schwarze Säcke mit Gebührenmarken sind nicht erlaubt.

«Mit der Wiedereröffnung der Wertstoffsammelstelle Almendsberg im September 2021 stehen der gesamten Bevölkerung weitere Unterflurbehälter für offizielle Gebührensäcke des Zweckverbands der Kehrichtverwertung Rheintal KVR zur Verfügung», so die Information der Gemeinde.

Was allerdings verschwiegen wurde – und auch aus der Bauanzeige vom 22. Januar nicht hervorging – ist: Für die Installation der Unterflurbehälter-Anlage wurde ein bestehendes Biotop am Rand der Waldheim-Liegenschaft zugeschüttet. Dies erachten einzelne Anwohnerinnen und Anwohner als «unnötig». Der Weiher hätte neben der Anlage noch durchaus Platz gehabt.

Plötzlich anderer Standort

Als der Bau ausgeschrieben wurde, habe sich niemand vorstellen können, dass der Teich zerstört wird, sagen die Anwohner. Darum habe auch niemand die Unterlagen zum Bau eingesehen. Es hätten übrigens zuvor Pläne bestanden, die Unterflurcontainer auf der anderen Strassenseite, beim Parkplatz des Vereinslokals zu platzieren – dort, wo sich bereits die Altglascontainer befinden.

Jedenfalls habe es im Entwurf zum Quartierplan «Lachen Dorf» vom 23. August 2017 einen Eintrag «K» gegeben: «Zentrale Kehrichtsammelstelle». Eine Information der Öffentlichkeit habe es im Vorfeld keine gegeben, monieren die Anwohnerinnen und Anwohner.

Keine Lobby für Menschen mit Behinderung?

«Wie ist es möglich, dass in der heutigen Zeit ein Biotop, das wohl einige tausend Franken gekostet hat, einfach zugeschüttet wird?», fragt die Walzenhauserin Verena Tobler-Elmer. «Wie viele Kleintiere und Mikrorganismen sind wohl verendet? Nichts gegen Unterflurcontainer, aber müssen diese zu Lasten der Gartenanlage eines Heims für Menschen mit Beeinträchtigungen gebaut werden?» Die Abfallentsorgung direkt vor die Aussicht der Heimbewohner zu stellen, erachtet die Walzenhauserin als Diskriminierung. Alle anderen hätten sich dagegen wohl gewehrt, gibt sie weiter an.

Auch stört sie sich daran, dass die Umgebung grossflächig geteert wurde. «Nirgends, weder in Städten, noch in Dörfern, habe ich eine solche Platzverschwendung für Unterflurcontainer beobachtet», so Tobler-Elmer.

Tonnenschwere Behälter

Anfang Juli wurden zehn Unterflurbehälter mit einem Gesamtgewicht von 60 Tonnen auf drei Sattelschleppern beim Werkhofgelände Almendsberg angeliefert. Nachdem die tonnenschweren Behälter zentimetergenau in der Grube positioniert worden waren, erfolgte die Feinjustierung, wie die Gemeinde mitteilte. Von oben sind schlanke Chromstahlsäulen sichtbar. Über sie können Gebührensäcke des Zweckverband Kehrichtverwertung Rheintal KVR, Glas, Aluminium und Altkleider entsorgt werden. Neben dem Entsorgen von Wertstoffen können die Einwohnerinnen und Einwohner von Walzenhausen somit künftig während der ordentlichen Öffnungszeiten von Montag bis Samstag auch den Hauskehricht bequem entsorgen.

Ein Regenrückhaltebecken für Meteorwasser mit einem Volumen von 24 Kubikmetern wird am ehemaligen Standort der Grüngutmulde eingebaut, gibt die Gemeinde an. So könne die bereits vorhandene Grube zweckmässig weiterverwendet werden. «Das Becken dient dazu, bei Starkregen die Wassermassen gedrosselt in das Leitungssystem abzugeben. Dies vermindert die Gefahr von Leitungsüberlastungen und Überschwemmungen. Die Bauarbeiten werden über den Sommer aufrechterhalten, damit die Wertstoffsammelstelle am Samstag, 18. September, wieder eröffnet werden kann», so die Gemeinde weiter.