Abbruch Ortsbürgerhaus

«Im Frühling wird gebaut», Ausgabe vom 18. August

Christof Deutsch, Lutenwilerstrasse 2b, 9650 Nesslau
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«Im Frühling wird gebaut», Ausgabe vom 18. August

Im Zeitungsbericht vom 18. August heisst es in dieser Zeitung: «Im Frühling 2017 wird gebaut». Da ist anzufügen: Vielleicht – vielleicht nicht. Mitentscheidend, ob unser Ortsbürgerhaus abgebrochen wird oder nicht, wird auch die Einschätzung von Heimatschutz und Denkmalschutz sein. Das über 300jährige Ortsbürgerhaus, eine «Burg» mitten im Dorf, ist neben der Klosterkirche einer der ältesten Massivbauten im Dorf. Als ehemaliges Amtshaus ist es historisch verbunden mit dem Kloster St. Gallen. Obwohl das Haus beim Heimatschutz und bei der Denkmalpflege aufgeführt ist, hat es keinen Schutzstatus, weil dieser von der Gemeinde bei der letzten Revision nicht abgeklärt wurde. Des Geldes wegen soll nun das Haus durch drei Neubauten ersetzt werden.

Weil ich der Meinung bin, dass mit solchen Bauten sorgfältig umgegangen werden soll und dass es auch in finanzieller Hinsicht für die Ortsgemeinde und für das Nesslauer Gewerbe lohnender ist, auf Qualität anstatt Quantität zu setzen, wehre ich mich dagegen. Weil bei solchen Meinungsverschiedenheiten oftmals ein Blick von aussen gut tut, habe ich in Absprache mit den kantonalen Fachstellen von Heimatschutz und Denkmalpflege eine Begehung gewünscht und dazu Ortsbürgerkommission und Gemeindepräsident angefragt und eingeladen. Nicht ganz unerwartet wurde das schriftlich von der Kommission der Ortsbürger untersagt.

Nebst der Verwunderung, dass man einer Fachstelle das Begehen des Objektes verbieten kann, stellt sich die Frage, wovor man Angst hat und ob eine Abklärung über die Schutzwürdigkeit des Hauses erzwungen werden muss. Ebenso frage ich mich, warum man sich für ein Projekt an dieser sensiblen, zentralen Lage nicht für ein Konkurrenzverfahren mit qualifizierten Planern und einer fachlich gut besetzten Jury entschieden hat, sondern sich nur einem einzelnen Architekten anvertraut. Bei Planungsaufträgen für Projekte dieser Grössenordnung unterstehen Körperschaften wie Ortsgemeinden der Verordnung über das öffentliche Beschaffungswesen. Mit ihrer Vorgehensweise, dass die Abklärung der Schutzwürdigkeit verweigert wird und dass eine Architekturleistung in dieser Grössenordnung unter der Hand vergeben wird, nimmt die Kommission für die Ortsbürger ein erhebliches finanzielles Risiko in Kauf, sollte es da Einspruch geben.