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Abbild des Zeitgeistes: Die neue Ausstellung im Museum Appenzell widmet sich dem Stofftaschentuch

Noch bis vor rund 40 Jahren war es unentbehrliches Accessoire: Die neue Sonderausstellung im Museum Appenzell zeigt, warum das Stofftaschentuch mehr ist als ein Stück Stoff, mit dem man sich die Nase putzt.
Claudio Weder
Webmuster mit bunten Karos und Streifen (links) und fein bestickte Blümchenarrangements (hinten rechts) widerspiegeln den Modegeschmack von damals. (Bild: PD)

Webmuster mit bunten Karos und Streifen (links) und fein bestickte Blümchenarrangements (hinten rechts) widerspiegeln den Modegeschmack von damals. (Bild: PD)

Im Zeitalter von Tempo und Kleenex werden die guten, alten Stofftaschentücher oft als altmodisch und unhygienisch abgetan. Dabei geht jedoch vergessen, dass Stofftaschentücher erst lange nach ihrer angeblichen Erfindung im Jahr 1300 zum Säubern der Nase verwendet wurden. Zu Ritterzeiten galten sie als Liebespfande oder Objekte zur Kontaktanbahnung, bevor sie sich nach und nach zum modischen Hingucker der adligen Garderobe entwickelten. Noch bis vor 40 Jahren war das Stofftaschentuch ein unentbehrliches Accessoire und mehr als nur ein praktischer Begleiter im Alltag.

Die neue Sonderausstellung im Museum Appenzell, die morgen ihre Türen öffnet, zeigt das quadratische Stück Stoff in seiner ganzen Fülle – von gewebten, bedruckten bis hin zu bestickten Exemplaren. Zudem gewährt die Ausstellung einen Einblick in die Musterbücher mit ihren vielseitigen Kollektionen und versucht sich dem aufwendigen Prozess der Taschentuchfabrikation zu nähern.

Spaghetti, Flugzeuge und Landkarten

In den 1920er-Jahren entstanden in Innerrhoden rasch wachsende Taschentuchfabriken, darunter die Doerig Taschentücher AG, die Huber-Lehner AG sowie die Albin Breitenmoser AG (Alba). Diese Fabriken waren zunächst auf den Handel und die Veredlung von Taschentüchern spezialisiert. Später liess man Taschentuchgewebe nach eigenen Mustern besticken und bedrucken oder in Webereien fabrizieren. Waren die feinen weissen Tüechli bis anhin mit Appenzeller Handstickereien verziert, entwickelte sich nach und nach ein florierender Markt von farbig gewebten und bedruckten sowie maschinenbestickten Taschentüchern.

Im Jahr 2015 konnte das Museum Appenzell rund 5000 Taschentücher der Firma Albin Breitenmoser AG in die museumseigene Sammlung aufnehmen. «Es war ein Glücksfall, dass wir die Taschentücher entdeckten», sagt Birgit Langenegger, Kuratorin am Museum Appenzell. Die Tücher mit ihren bestickten Blümchenarrangements und Karomustern seien nicht nur ästhetisch reizvoll, sondern würden gleichzeitig die Sehnsüchte und Wünsche vergangener Epochen widerspiegeln – besonders die zwischen 1950 und 1990 entstandenen Musterbücher aus dem Besitz der Huber-Lehner AG. Darin sind Motive wie Spaghetti-Rezepte, Landkarten oder der Flughafen Kloten zu entdecken, die allesamt zeigen, was die Gesellschaft um 1950 bewegte: die Sehnsucht nach der Ferne, insbesondere nach Italien.

Aufwendige Produktion

«Die Taschentücher sind wertvolle Abbilder des Zeitgeistes», sagt Langenegger. Doch leider seien sie zu wenig erforscht. Dies sei vor allem deshalb schade, weil sie auch ein Stück Frauengeschichte erzählen. Wie ein weiterer Teil der Ausstellung zeigt, waren fast ausschliesslich Frauen in die Fabrikation, Fertigstellung und Ausrüstung der Stofftaschentücher eingebunden, die vor allem eines war: aufwendig.

Die Innerrhoder Taschentuchfabriken liessen die Tüechli durch Stickerinnen in Heimarbeit von Hand säumen. Huber-Lehner etwa beschäftigte in Innerrhoden mehrere hundert Rouliererinnen und wegen steigender Aufträge schweizweit zusätzlich zirka 400 Heimarbeiterinnen.

Hinweis: Die Sonderausstellung «Taschentücher» dauert vom 15. März bis 3. November. Heute um 19 Uhr findet die Vernissage statt.

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