A+B Neubau-Projekt auf Kurs

LICHTENSTEIG/WATTWIL. Im Januar 2009 hat die A+B Bürstentechnik aus Lichtensteig in der Wattwiler Bleiken gemeindeeigenes Bauland gekauft. Dies mit der Auflage, innert 5 Jahren zu bauen. 2,5 Jahre sind verstrichen, die Wirtschaftskrise 2009 hat das Projekt gebremst. Nun kommt die Planung vorwärts.

Hansruedi Kugler
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Enge Produktionshalle in Lichtensteig: A+B Geschäftsleiter René Brassel (links) und Produktionsleiter Jürg Brunner. (Bilder: Hansruedi Kugler)

Enge Produktionshalle in Lichtensteig: A+B Geschäftsleiter René Brassel (links) und Produktionsleiter Jürg Brunner. (Bilder: Hansruedi Kugler)

Mitte 2013 soll der Neubau mit einem Fest eröffnet werden – rechtzeitig auf das 25-Jahr-Jubiläum der A+B Bürstentechnik. Dies ist das ehrgeizige Ziel von René Brassel, Geschäftsleiter des Bürstenspezialisten aus Lichtensteig. Damit hätte er auch die Fünf-Jahres-Frist eingehalten, welche ihm die Gemeinde Wattwil zur Realisierung des Neubaus vorgegeben hat. Denn die Gemeinde hatte diese 10 000 Quadratmeter grosse Parzelle anfangs der 1990er-Jahre als Baulandreserve gekauft. Ziel war stets, auf diesem Land einem heimischen Unternehmen die Weiterentwicklung zu ermöglichen. Seit Januar 2009 wartet die Wattwiler Öffentlichkeit gespannt, ob ein Neubau realisiert wird.

Wirtschaftskrise verzögerte

Die A+B Bürstentechnik hat allerdings schon zum Zeitpunkt der Vertragsunterzeichnung im Januar 2009 bekannt gegeben, dass sie erst die wirtschaftliche Entwicklung des Krisenjahres 2009 abwarten will, bevor sie mit der Planung des Neubaus vorwärts macht. «Die damalige Wirtschaftskrise war auch für die A+B Bürstentechnik ein erheblicher Dämpfer», sagt Verwaltungsratspräsident Jörg Anderegg. Der Absatz von Bürsten für die Chemie und für Kommunalfahrzeuge sei zwar stabil geblieben, sagt Geschäftsleiter René Brassel. Aber als Zulieferer für die Textil- und Autoindustrie bekam die A+B die Krise trotzdem zu spüren. Wie viele andere Industriebetriebe hat die A+B deshalb im Jahr 2009 während einiger Monate Kurzarbeit eingeführt. Entlassen wurde aber niemand. Bereits im 2010 erholte sich das Unternehmen. «Das Niveau von 2008 erreichten wir aber noch nicht», so Jörg Anderegg.

Auf dem Markt gut positioniert

«Wenn die Krise 2009 nicht gewesen wäre, würde der Neubau wahrscheinlich schon stehen», sagt Jörg Anderegg. Denn das Unternehmen sei auf dem Markt gut positioniert, solide finanziert und habe das Potenzial zu wachsen. Und die erste Hälfte 2011 zeigt deutlich nach oben, so dass die 25 Vollzeitbeschäftigten der A+B derzeit gut ausgelastet sind. Deshalb hat der Verwaltungsrat entschieden, einen konkreten Planungsauftrag zu erteilen. Ende 2011 soll ein bewilligungsfähiges Baugesuch vorliegen. René Brassel blickt optimistisch in die Zukunft: «Läuft alles rund, beginnen wir Mitte 2012 mit dem Bau.»

Mehr Platz, bessere Abläufe

Zwei Gründe seien für den Neubau entscheidend, erklärt René Brassel. «Wir brauchen schlicht mehr Platz für die Produktion und wir wollen für die Zukunft eine Reserve erwerben, die ein weiteres Wachstum erlaubt.» Derzeit produziert die A+B Bürstentechnik im Gewerbezentrum Hof in Lichtensteig. Konkrete Baupläne für den Standort in der Wattwiler Bleiken bestehen zwar noch nicht. Für René Brassel ist aber klar: Die Produktionsfläche soll um circa 50 Prozent vergrössert werden, der Neubau werde wohl zwei- oder dreistöckig gebaut, damit auf dem Bauland noch eine Reserve für einen Erweiterungsbau verbleibt. Ihm ist vor allem wichtig, mit dem Neubau die Abläufe in der Produktion zu optimieren. Das also, was zuletzt die Turbo-Separator oder die Högg AG in Wattwil realisiert haben.

Euro-Krise als Spielverderber?

Allerdings bewegt sich die Wirtschaft schon wieder in Krisenstimmung, diesmal wegen des immer stärkeren Frankens. René Brassel sagt zwar, dass die A+B Bürstentechnik weniger als zehn Prozent ihres Umsatzes direkt im Export macht, aber als Zulieferer für die Exportindustrie wiederum eine eventuelle Krise zu spüren bekäme. Er rechnet aber trotzdem damit, dass sein Unternehmen im 2011 über dem Ergebnis von 2010 liegen wird. Jörg Anderegg hält den Zeitpunkt für die Neubauplanung trotz Krisengerede für richtig. Auch wenn er zu bedenken gibt: Durch den überbewerteten Franken werde es für Konkurrenten aus dem nahen Ausland immer attraktiver, mit ihren billiger werdenden Produkten auf den Schweizer Markt zu drängen. Von dieser Gefahr rede man noch zu wenig, meint er. Noch sei kein definitiver Entscheid für die Realisierung des Neubaus gefallen. Ende Jahr werde man die Situation nochmals analysieren.

Parkplatz für Capri

Gebaut hat die A+B Bürstentechnik auf ihrem Land trotzdem schon – nämlich einen grosszügigen Parkplatz für das benachbarte Restaurant Capri und die Zufahrtsstrasse zum Rickentobel. Beides waren vertraglich festgelegte Auflagen der Gemeinde Wattwil.

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