OBEREGG: Italienische Opernklänge in Oberegg

Die Schweizer Erstaufführung eines Arrangements der Alpenromanze «Betly» von Gaetano Donizetti begeisterte insgesamt 3 500 Konzertbesucher.

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Die Interpreten der Neujahrskonzerte ernteten vom Publikum Standing Ovations. (Bild: FO)

Die Interpreten der Neujahrskonzerte ernteten vom Publikum Standing Ovations. (Bild: FO)

Heuer boten die Neujahrskonzerte der Appenzeller Kantonalbank, zu denen alljährlich Kunden und Geschäftsfreunde nach Herisau, Appenzell und Oberegg eingeladen werden, ein aussergewöhnliches Programm: die szenisch-konzertante Schweizer Erstaufführung einer Bearbeitung der von Gaetano Donizetti mit leichter Hand komponierten Opera Buffa «Betly».

Erzählt wird die Liebes­geschichte einer jungen freiheitsliebenden Bauerntochter, die in den Appenzeller Bergen allein in einer Berghütte lebt. Die eigenwillige junge Frau trifft dort in­folge eines hinterhältigen Tricks und durch die Mitwirkung ihres Bruders Max den jungen heiratswilligen Bauern Daniele, der sie heiraten möchte. Aber aus Enttäuschung darüber, dass sie seine Liebe nicht erwidert, will er in den Krieg ziehen. Doch nach einigen Turbulenzen führt schliesslich der von Betly heimlich unterschriebene Heiratsvertrag zu einem Happy End mit Hochzeitsfest.

Der Schweizer Konzertmanager und Pianist Daniel Moos, der schon seit mehr als einem Jahrzehnt die attraktiven Programme der Neujahrskonzerte der Kantonalbank gestaltet, schuf ein sehr wirkungsvolles Arrangement des pikanten Zweiakters für drei Gesangssolisten, Chor und Instrumental-Begleitung.

Erstmals im Appenzellerland an «Originalschauplätzen» aufgeführt, sorgten die szenisch präsentierten italienischen Opernklänge beim Publikum – wie der Rezensent in der dicht besetzten katholischen Kirche in Oberegg miterleben konnte – für jubelnde Begeisterung.

Elanvolle Aufführung mit italienischem Opern-Flair

Bei den elanvollen Aufführungen der Alpenromanze standen dem künstlerischen Leiter und souveränen Pianisten Daniel Moos hochkarätige Opernsänger des Ensembles I Virtuosi di Milano und ein hervorragendes kleines Instrumentalensemble mit Flaviano Rossi (Flöte), Giovanni Sanvito (Oboe) und Claude ­Hauri (Cello) zur Verfügung. Zur Freude des heimischen Publikums wirkte aus der Region der ­bewährte gemischte Chor Gais unter Michael Schläpfer mit und bewies klanglich und rhythmisch respektable Qualität.

Daniel Moos führte als musikalischer Leiter in den Abend ein und erläuterte zwischendurch das Geschehen auf der Bühne, wo alle Interpreten mit Temperament und mitreissenden theatralischen Fähigkeiten eine Hochstimmung schufen und wiederholt spontanen Szenenapplaus ernteten.

Schon die frisch-fröhliche Ouvertüre verbreitete mit zündender Melodik und rasanter Rhythmik typisch italienisches Opern-Flair und liess den Funken auf die Zuhörer überspringen. In bunter Folge wechselten melodiöse Arien und Duette mit vir­tuosen instrumentalen Beiträgen der Holzbläser. Die Gesangssolisten zeigten tolle Bühnenpräsenz und brillierten mit klangvollen Stimmen sowie schauspielerischen Qualitäten.

Glanzpunkte waren die Cavantinen von Betly und Bruder Max sowie die Duette zwischen Betly und Liebhaber Daniele bzw. Max und Daniele. Die Sopranistin Linda Campanella glänzte als Betly mit schöner, klangvoller Koloraturstimme, der charmante Tenor Angelo Scardina als Daniele und der stimmgewaltige Bassbariton Matteo Peirone als dominanter Militarist Max. Exzellent war auch die präzise Instrumentalbegleitung.

Den rauschenden Beifall und die Standing Ovations belohnten die Künstler mit einer Zugabe.

Ferdinand Ortner

redaktion@apppenzellerzeitung.ch