DAS ABSCHIEDSKONZERTDAS ABSCHIEDSKONZERT: Die Ära Schläpfer endet

Nach 26 Jahren als Dirigent mit über tausend Proben und zahlreichen denkwürdigen Auftritten verlässt Michael Schläpfer mit einem Abschiedskonzert den Chor Gais.

Martin Hüsler
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Michael Schläpfer bei einer Probe zum «Piratical». (Bild: Martin Hüsler)

Michael Schläpfer bei einer Probe zum «Piratical». (Bild: Martin Hüsler)

Martin Hüsler

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Es tönt fast unwirklich, wenn man Michael Schläpfer nach dem Zustandekommen seines Engagements für den Chor Gais fragt. Er sei 1991 angefragt worden, ob er Nachfolger von Dirigent Helmut Fischer werden wolle. «Ich war damals Dirigent des 1990 von mir gegründeten Orchesters Camerata Salonistica. Das Leiten eines Chors habe ich mir zunächst nicht zugetraut. Nachdem ich eine Probe besucht hatte, liess ich mich aber überreden ...» Die Überredungskünste der Chorverantwortlichen haben sich bezahlt gemacht. Michael Schläpfer brachte den Chor auf einen Weg, der in musikalischer Hinsicht auf viele Felder führte. «Einerseits war es die herzliche Aufnahme, die mich für das Dirigentenamt zusagen liess. Andererseits spürte ich die Offenheit für diverse Stilrichtungen und konnte interessante Programme gestalten.»

In mancher Aussenwahrnehmung steht der Chor Gais vorab für die Aufführung von Musicals. «Anatevka», «Don Quixote», «Crimical» und «Piratical» stiessen auf grosse Resonanz. «Es gab und gibt im Chor Gais immer wieder viele Leute, die sich über das Singen hinaus engagieren. Dazu kommt die Lust am Theaterspielen. Deshalb konnten auch grössere Projekte angegangen werden», sieht Michael Schläpfer einen wichtigen Grund für die Verwirklichung von Aussergewöhnlichem. Ihm ist vor allem das «Crimical» in bester Erinnerung: «Es war ein selbst gemachtes, auf den Chor zugeschnittenes Stück. Für mich machte das mehr Spass, als etwas zu ‹kopieren›, was andere auch schon gemacht haben.»

Vor dem Preis der Schweiss

In seinen 26 Gaiser Jahren hat Michael Schläpfer den Chor einiges über tausend Mal probehalber zusammengerufen. Das ist Beleg für die grosse Begeisterungsfähigkeit, die den Dirigenten auszeichnet. In seinem Bestreben, hohen Ansprüchen genügen zu können, scheute er keinen Aufwand. Er wusste sich dabei durch gesunde Vereinsfinanzen abgesichert. Dass er sich den auf einen sparsamen Umgang mit den vorhandenen Mitteln bedachten Vorstand gelegentlich ein Spürchen grosszügiger gewünscht hätte, verhehlt er nicht.

So drängend wie in anderen Chören scheinen die Nachwuchssorgen in Gais nicht. «Männerstimmen waren zum Glück immer genügend da. Wenn mein Nachfolger die musikalische Vielfalt weiter pflegt, stossen auch wieder neue Leute zum Chor», ist Michael Schläpfer überzeugt. Und als ganz wichtig erachtet er das Zwischenmenschliche: «Es reicht nicht, ‹nur› zusammen zu singen. Es braucht auch immer wieder andere gesellschaftliche Anlässe.»

Wenn Michael Schläpfer den Taktstock beim Chor Gais nun niederlegt beziehungsweise an Robbert van Steijn weiterreicht, so bedeutet das für ihn keineswegs einen Abschied von der Musik. Er dirigiert weiterhin die Camerata Salonistica, den Männerchor Heiden sowie den Frauenchor sinGALLinas. An der Kantonsschule am Brühl unterrichtet er – nebst Geschichte – Musik und leitet den Freifachchor KSB-Singers. Beschäftigt ist er ausserdem mit dem Aufbau von voxJssimo, einem kantonalen Jugendchor St. Gallen. Und dann ist da noch seine Tätigkeit als Experte bei Gesangsfesten und für «Jugend und Musik».

 

Am Freitag, 31. März (19.30 Uhr), präsentiert der Chor Gais in der evangelischen Kirche Gais ein Programm ganz in bisheriger Manier. Michael Schläpfer räumt dem Kunstlied genauso Platz ein wie dem Volkslied, er stellt Fremdsprachiges gleichwertig neben das Dialektlied. Der musikalische Bogen wird von Felix Mendelssohn bis hin zu Eric Clapton oder Hubert von Goisern gespannt. Einen Teil der Vorträge begleitet Claudio Bergantini am Klavier. (hü)