9658 Wildhaus: Am Ende der Postautostrecke

«Jedesmal – Postleitzahl». An diesen Slogan mögen sich noch viele erinnern. Die älteren Leser haben noch die Zeit erlebt, in der Briefe und Ansichtskarten nur mit dem Wohnort des Empfängers beschriftet werden mussten. Die Erfindung der Postleitzahl liegt gerade einmal 52 Jahre zurück.

Sabine Schmid
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Wildhaus ist der Ort mit der höchsten Postleitzahl der Schweiz. (Bild: Sabine Schmid)

Wildhaus ist der Ort mit der höchsten Postleitzahl der Schweiz. (Bild: Sabine Schmid)

«Jedesmal – Postleitzahl». An diesen Slogan mögen sich noch viele erinnern. Die älteren Leser haben noch die Zeit erlebt, in der Briefe und Ansichtskarten nur mit dem Wohnort des Empfängers beschriftet werden mussten. Die Erfindung der Postleitzahl liegt gerade einmal 52 Jahre zurück. Am 26. Juni 1964 führte die Schweiz, als drittes Land nach Deutschland und den USA, die Postleitzahlen ein. Dies war nötig, weil die Post bei der Sortierung der Sendungen eine Maschine einsetzen wollte. Die erste von ihnen wurde an der Expo 1964 präsentiert.

Logisches System dahinter

Aufgebaut sind die vierstelligen Schweizer Postleitzahlen nach einem bestimmten System. Die Post habe die ganze Schweiz vom Westen nach Osten in Regionen eingeteilt, heisst es beim Mediendienst der Post auf Anfrage. Entsprechend wurde der Region Ostschweiz die erste Ziffer 9 zugeordnet. Diese Region wurde wiederum unterteilt, im Fall der Ostschweiz in sieben Bereiche. Rund um die Stadt St. Gallen wurde die 0 zugeteilt, dem Toggenburg die Nummer 6. Die dritte Ziffer ist heute nicht mehr von Bedeutung. Diese gibt nämlich an, an welcher Verkehrslinie der betreffende Ort gelegen ist. Damals wurde die Post in Bahnwagen sortiert und deshalb war wichtig, dass die Sendung auf die richtige Verkehrslinie verladen wurde. Die letzte Ziffer schliesslich gibt Auskunft darüber, an welchem Ort die Post ausgeladen wurde. Je früher, umso tiefer ist die Zahl.

System ist noch ausbaufähig

Die 1964 verteilten Postleitzahlen seien noch heute die Basis für das maschinelle Sortieren von 30 000 Sendungen pro Minute, heisst es beim Mediendienst der Post. Allerdings würden diese nicht mehr nur nach Ortschaften sortiert, sondern sogar nach den Touren, auf welchen sie in den Briefkästen verteilt werden. Da 1964 nicht alle Nummern verteilt wurden, wäre das System der Postleitzahlen noch ausbaufähig.

Orte werden zu Nummern

Die Postleitzahlen sind übrigens von der damaligen PTT zugeteilt worden. Auf politische Grenzen wurde dabei keine Rücksicht genommen. Man hat aber befürchtet, dass die Postleitzahlen von der Bevölkerung nicht angenommen werden, weil die Ortschaften einfach zu Nummern werden. Es sei aber das Gegenteil eingetroffen, heisst es bei der Post. Die Schweizer hätten die Postleitzahlen im Nu gelernt und genutzt, so dass eine zuverlässige Zustellung der Postsendungen möglich ist. Und heute komme es sogar vor, dass es bei Gemeindefusionen Diskussionen gebe, welche Postleitzahl denn verschwinde. Das war bei der Vereinigung der Gemeinde Wildhaus-Alt St. Johann nicht der Fall: Sie vereinigt mit 9656 Alt St. Johann, 9657 Unterwasser und 9658 Wildhaus gleich die drei höchsten Postleitzahlen.

Bild: Sabine Schmid

Bild: Sabine Schmid