700 000 Franken Mehrkosten für Kesb

Die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde ist überlastet. Für Stellenaufstockung und neuen Büroraum haben die Delegierten des Zweckverbandes Mehrausgaben von 700 000 Franken genehmigt. Die Kosten verteilen sich auf die zehn Verbandsgemeinden.

Linda Müntener
Merken
Drucken
Teilen
Die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde Region Rorschach hat ihren Standort in Goldach. (Bild: Selina Schmid)

Die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde Region Rorschach hat ihren Standort in Goldach. (Bild: Selina Schmid)

REGION. Die Fallzahlen steigen markant, neue Aufgaben kommen hinzu: Die regionale Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (Kesb) stösst an ihre Grenzen. Der Verwaltungsrat hat nun auf diese Entwicklung reagiert und zusätzliche jährlich wiederkehrende Kosten von 700 000 Franken beantragt. Die Delegierten des Zweckverbandes Kindes- und Erwachsenenschutz Region Rorschach haben den Anträgen an einer ausserordentlichen Versammlung zugestimmt, wie es in einer Mitteilung des Goldacher Gemeinderats heisst.

Fallzahlen markant gestiegen

Diese Mehrkosten verteilen sich auf die zehn Verbandsgemeinden (siehe Kasten). Für Goldach beläuft sich die Mehrbelastung laut aktuellem Verteilschlüssel auf 135 400 Franken. Der Goldacher Gemeinderat hat dem Antrag unter Vorbehalt des fakultativen Referendums zugestimmt. Die Referendumsfrist läuft vom 18. August bis 26. September. «Der Handlungsbedarf ist ausgewiesen und dringlich», schreibt der Gemeinderat in seiner Mitteilung. Die Fallzahlen seien in den vergangenen zweieinhalb Jahren sehr stark angestiegen. Gestartet ist die Kesb Region Rorschach Anfang 2013 mit 500 Fällen. Ein Jahr später verzeichnete die Behörde 580 Fälle, per Anfang 2015 waren es 640 Fälle. Im Durchschnitt treffen laut Kesb-Leiter Reto Schmid pro Monat 50 Meldungen ein. Die Behörde ist verpflichtet, jeder Meldung nachzugehen.

Ein vollamtlicher Berufsbeistand führe beispielsweise heute 100 Fälle aus Kindes- und Erwachsenenschutzmassnahmen, heisst es in der Mitteilung weiter. Auch in der Verfahrensleitung seien die Mitarbeitenden «völlig überbelastet». Damit das System nicht kollabiert, brauche es in den beiden Abteilungen Kindes-und Erwachsenenschutz (KES) und Berufsbeistandschaft Stellenaufstockungen und entsprechend zusätzliche Arbeitsplätze sowie neuen Büroraum. Für die gesamte Organisation belaufen sich die Mehrkosten daraus auf 700 000 Franken. Mehrausgaben in dieser Grössenordnung bedürfen der Zustimmung der Verbandsgemeinden.

«Im voraus kaum absehbar»

Die Gründe für den markanten Anstieg der Fallzahlen seien vielschichtig, sagte Kesb-Leiter Reto Schmid unlängst in einem Interview mit dem St. Galler Tagblatt. Haupttreiber sei aber die gesellschaftliche Entwicklung – immer mehr Leute brauchten Unterstützung. Ein anderer Grund für die Überlastung der Behörde seien die neuen Aufgabenbereiche für die Schutzbehörde, die durch die Revision des Vormundschaftsrechts geschaffen wurden. «Es war im voraus kaum absehbar, wie sich die neuen rechtlichen Vorgaben auf den künftigen Betrieb auswirken», schreibt auch der Goldacher Gemeinderat in seiner Mitteilung.