55 Velos in vier Monaten

Im Oktober 2015 hat Ida Steinemann öffentlich gemacht, dass sie für ihre Sammelaktion für eine Schule in Kenia auch Velos sucht. Zwischenzeitlich hat sie 55 Velos erhalten. Anfang März werden diese in einen Container verladen.

Chris Gilb
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Ida Steinemann vor dem Dorfbeck Schwellbrunn, ihrem Arbeitsplatz. 55 Velos hat sie für Kenia gesammelt. (Bild: cg)

Ida Steinemann vor dem Dorfbeck Schwellbrunn, ihrem Arbeitsplatz. 55 Velos hat sie für Kenia gesammelt. (Bild: cg)

SCHWELLBRUNN. Sie kann es noch immer nicht fassen: Ida Steinemann, die schwarze Bäckerin aus Schwellbrunn, bekannt aus der TV-Sendung «SRF bi de Lüt». Nebst massenhaft Kleiderspenden für die Schüler der St. Marys Genesis Academy in Mombasa, Kenia, wurden ihr jetzt auch 55 Velos gespendet. Sofort nach dem Erscheinen des Artikels über die Sammelaktion im Oktober in der Appenzeller Zeitung habe sie die ersten Anrufe von Spendern erhalten. Sie kam ursprünglich auf die Idee, auch Velos zu sammeln, als sie erfuhr, was für lange Schulwege die Schüler der Academy zu Fuss zurücklegen müssen. «Ich dachte, ein Velo kann viel zur Entlastung der Kinder beitragen.» Diesen Gedanke fanden auch die Menschen im Appenzellerland plausibel und spendeten ihr in vier Monaten 55 Velos. «Ich habe ihnen gesagt, sie sollen die Fahrräder direkt bei Win-Velo in Herisau abgeben, auf meinem Speicher hätte ich gar nicht genügend Lagerplatz.»

Logistische Herausforderung

Win-Velo, ein Betrieb der Stiftung Tosam, hat die Überprüfung der Velos übernommen. «Unser Hauptaugenmerk bei der Überprüfung galt der Funktionstüchtigkeit der Bremsen und der Reifen. Insgesamt waren die Velos in einem sehr guten Zustand und es waren nur kleine Reparaturen nötig», sagt Christian Aschwanden, stellvertretender Leiter von Win-Velo. Dort werden auch die Velos bis zum Verlad in den Container in Schwellbrunn gelagert. Die Überprüfung durch Win-Velo hat René Schoch organisiert, der schon von Beginn an die Sammelaktion von Ida Steinemann tatkräftig unterstützt hat. «Es war wichtig abklären zu lassen, ob die Velos überhaupt für die kenianischen Strassenverhältnisse geeignet sind. Mit einem Rennvelo können die Schüler beispielsweise eher wenig anfangen», sagt Schoch. Er hat auch mitorganisiert, dass die Bertold-Suhner-Stiftung die Kosten für den Container und dessen Transport nach Mombasa übernimmt. Doch noch sind nicht alle Fragen dazu geklärt. «Ich versuche gerade den Transport zu organisieren und stelle fest, wie schwierig es ist, eine Spedition zu finden, die solch ein Transport überhaupt durchführen kann», sagt René Schoch. Daran sei auch das komplizierte Regelwerk auf kenianischer Seite schuld. Die Korruption sei dort eben relativ ausgeprägt, sagt er. Schoch hoffe, dass es am Schluss nicht teurer werde, den Container zu transportieren, als dessen Inhalt in Kenia selbst zu kaufen.

Pro arme Familie ein Velo

Der Zeitpunkt des Verlades in den Container stehe trotzdem schon fest. «Dass der Container auch wirklich nach Kenia kommt, sind wir den Spendern schuldig», sagt René Schoch. Ida Steinemann ist schon voller Vorfreude und ihre Schwester auch. Diese organisiert gemeinsam mit der Schule die Verteilung vor Ort. «Wir haben entschieden, die Velos unter den ärmsten Familien der Schulkinder aufzuteilen», sagt Steinemann. Dies bedeute pro Familie ein Velo.

Beladen wird der Container zwischen dem 8. und 10. März vor dem Pfarramt in Schwellbrunn, bis dann werden auch die Velos durch Win-Velo angeliefert sein. «Ich habe in der Zeitung einer Hilfsorganisation, die auf Velo-Spenden spezialisiert ist, gelesen, dass es am besten ist, wenn diese liegend gestapelt werden», sagt Schoch. Am 11. März wird der Container abgeholt, um seine lange Reise vom Appenzellerland nach Mombasa anzutreten.

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