319 Jahre ohne Wolf im Appenzellerland

APPENZELLERLAND. Verschiedene Orts- und Flurnamen deuten auf die Existenz von Wölfen im Appenzellerland hin. Die Ortsbezeichnung Wolftobel, bei Reute, bedeutet «beim Geländeeinschnitt, in dem ein Wolf gesichtet oder erlegt wurde».

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Erstmals seit 319 Jahren streifte 2014 wieder ein Wolf durch das Appenzellerland. (Bild: fotolia)

Erstmals seit 319 Jahren streifte 2014 wieder ein Wolf durch das Appenzellerland. (Bild: fotolia)

APPENZELLERLAND. Verschiedene Orts- und Flurnamen deuten auf die Existenz von Wölfen im Appenzellerland hin. Die Ortsbezeichnung Wolftobel, bei Reute, bedeutet «beim Geländeeinschnitt, in dem ein Wolf gesichtet oder erlegt wurde». Wolfhag ist ein Flurname in Herisau und bezeichnet eine «Einfriedung zum Schutz gegen das Wild», wie es im Buch «Die Orts- und Flurnamen des Landes Appenzell» heisst.

Zehn Gulden Belohnung

Im Jahr 1695 wurden die letzten Wölfe im Appenzellerland erlegt. Ein Wolf wurde in einem Wald oberhalb von Eggerstanden getötet. Ein anderer im Steineggwald in Teufen. Der Flurname «Wolfsgrueb» entstand aufgrund dieses Ereignisses. Eine Inschrift in einem Felsen erinnert bis heute an den letzten Wolf im Appenzellerland. Im 16. und 17. Jahrhundert kam der Wolf im Appenzellerland vor. Zu jener Zeit wurde Raubwild, zu dem Luchs, Wolf, Bär und Wildschwein zählen, intensiv bejagt. Wer die Tötung eines Tieres nachweisen konnte, erhielt dafür eine Belohnung vom Kanton. Für einen Wolf betrug diese bis zu zehn Gulden. In Herisau fand 1657, wenige Jahre vor der Ausrottung, eine grosse Jagd auf den Wolf, genannt «Wolfsjägi», statt. Zudem sind in den Landesrechnungen von 1519 bis 1597 etliche Transporte von sogenanntem Wolfsgarn erwähnt. Daraus wurden Netze angefertigt, um die Tiere einzufangen. Bis 1822 bewahrte man ein solches in Herisau auf. 319 Jahre dauerte es, bis sich der Wolf im Appenzellerland erneut bemerkbar machte. 2014 riss er in Heiden zwei Schafe und vor ein paar Wochen tötete er in Urnäsch ein Reh.

Bär und Luchs

Auch andere im Appenzellerland lebende Raubtiere wurden ausgerottet. Der letzte Bär wurde ein paar Jahre vor dem letzten Wolf erlegt. Laut der Urnäscher Chronik wurde 1673, an einem Sonntag im Juli, der vorläufig letzte Appenzeller Bär getötet. Ein Stück Fell des Bären soll noch bis ins 19. Jahrhundert hinein im ehemaligen Restaurant Bären in Urnäsch gehangen sein. Der 1791 ausgerottete Luchs ist in den letzten Jahren ins Appenzellerland zurückgekehrt. (ruf)

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