300 Jahre Waldstatt: Festauftakt mit Weltpremiere

Das geplante Jubiläumsfest musste zwar verschoben werden. Mit der Eröffnung des Holzwegs und der erstmaligen Präsentation des «300er-Festmarsch» durch die Musikgesellschaft gab es doch einiges zu feiern.

Lukas Pfiffner
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OK-Präsident Beat Müller und Projektleiter Urs Meier eröffnen auf der Bühne symbolisch den Weg.

OK-Präsident Beat Müller und Projektleiter Urs Meier eröffnen auf der Bühne symbolisch den Weg.

Bilder: Lukas Pfiffner

Entgegen der spassigen Ankündigung des Moderators befand sich im Baumstamm auf der Bühne kein Stahl. Beat Müller, Präsident des Vereins 300 Jahre Waldstatt, und Urs Meier, Leiter der Projektgruppe Holzweg, brauchten nicht allzu viel Kraft, um das angesägte Holzstück ganz zu zerteilen. Und Müller verkündete im Waldstätter Mehrzweckgebäude:

«Der Holzweg ist offiziell eröffnet. Laufen Sie los, es gibt viel zu sehen und erleben!»

Der Rundgang ist 6,5 Kilometer lang und soll einen Teil der Geschichte Waldstatts und die Verbundenheit der Gemeinde mit dem Holz aufzeigen. Mit 16 Posten lädt der Holzweg zum Verweilen, Spielen, Lernen, Erkunden ein. Er ist der erste Themenweg des Appenzellerlandes, der mit Hilfe einer App Virtuelles mit einem Naturerlebnis verbindet.

Wärme, Vielfalt und Kreativität

Es wurden dabei keine zusätzlichen Wege angelegt, sondern die bestehenden aufgewertet. Holz stehe für Wärme, Atmosphäre, Gemütlichkeit, Vielfalt und Kreativität, sagte Müller. Fast das ganze Dorf habe mitgearbeitet, um sich ein spannendes und nachhaltiges Geschenk zu machen. Der Weg beginnt beim Bahnhof; die letzte Station befindet sich beim Spielplatz der Schule. Einige Stationen waren betreut und mit Verpflegungsständen bestückt, als am Samstag die Bevölkerung für eine Besichtigung eingeladen war. Einer der Höhepunkte der Route ist der Emma-Kunz-Pavillon mit 910 einzelnen Teilen, die ineinandergefügt wurden.

Ruhen und Staunen im Emma-Kunz-Pavillon hinter dem Seniorenheim Bad Säntisblick.

Ruhen und Staunen im Emma-Kunz-Pavillon hinter dem Seniorenheim Bad Säntisblick.

Ein Festmarsch trotz allem

Die Musikgesellschaft Waldstatt präsentierte in einer Weltpremiere den «300er-Festmarsch». Auf das Jubiläumsfest mit den Einwohnern mussten die Organisatoren wegen Corona allerdings verzichten (es soll 2021 stattfinden). Das Mehrzweckgebäude war aber mit den geladenen Gästen sowie mit den Projekthelfern und -helferinnen sehr gut bevölkert. Waldstatt sei schon lange eine Holz-Hochburg, meinte Gemeindepräsident Andreas Gantenbein zu den Vertretern von politischen Gremien, Sponsoren, Partnern und Medienvertretern. Der Ausdruck, auf dem Holzweg zu sein, werde ja meistens im negativen Sinn verwendet. «Bei uns nicht: Waldstatt ist eine pulsierende Gemeinde, die es schon immer verstanden hat, Traditionelles mit Neuem zu vereinen.»

Alt Bundesrat Hans-Rudolf Merz hielt die Festansprache.

Alt Bundesrat Hans-Rudolf Merz hielt die Festansprache.

«Streit gewaltfrei geschlichtet»

Als Festredner war alt Bundesrat Hans-Rudolf Merz eingeladen worden. Er ging auf das Thema Fusionen ein: Innert 30 Jahren sei die Zahl der Schweizer Gemeinden von 3000 auf 2200 gesunken. Wenn nun Waldstatt das Jubiläum feiere, sei das nicht Trotz, sondern Eigenständigkeit. Er gratulierte der Gemeinde und beschrieb Waldstatt als «schön gemittet, ausbalanciert». Er sprach als Beispiel die Abstimmungsergebnisse an. Auch die Mischung von Landwirtschaft, Gewerbe und Industrie sei nahe am kantonalen Mittel. Und das Dorf liege in der Mitte zwischen Flussbett und höchstem Punkt. «Sogar der Strassenverkehr ist mit dem verblüffend engen Hirschenkreisel um eine Mitte zentriert.» Ein Grund für die Harmonie sei wohl die gemütserheiternde Südlage. «Auch der Streit mit Herisau vor 300 Jahren um die Abgrenzung ist gewaltfrei geschlichtet worden.»