30 Jahre auf der Pendenzenliste

Die Umnutzung der Reithalle für die Kultur ist vom Tisch. Eine Mitbenutzung ist aber nach wie vor im Reglement festgehalten, und zwar seit der Sanierung Ende der 1980er-Jahre. Der Stadtpräsident hält dies nicht mehr für ideal.

Kathrin Reimann
Merken
Drucken
Teilen
Die kulturelle Mitbenutzung der Reithalle ist zwar im städtischen Reglement festgehalten, der Stadtpräsident stellt sie dennoch in Frage. (Bild: Coralie Wenger)

Die kulturelle Mitbenutzung der Reithalle ist zwar im städtischen Reglement festgehalten, der Stadtpräsident stellt sie dennoch in Frage. (Bild: Coralie Wenger)

Die Abstimmungsergebnisse vom Sonntag haben Gewinner, wie Verlierer überrascht. Dass 80 Prozent Nein, und 20 Prozent Ja zur kulturellen Umnutzung der Reithalle sagen, damit haben beide Seiten nicht gerechnet. «Wir haben geahnt, dass wir gewinnen, aber nicht in diesem Ausmass», sagt der Präsident des Reitclubs St. Gallen, Bruno Brovelli. Auch Reithalle-Mitinitiant Etrit Hasler ging realistischerweise von einem Nein aus, ebenfalls nicht in dieser Deutlichkeit.

Mitbenutzung ist kein Problem

In einem weiteren Punkt sind sich beide Seiten einig: Die kulturelle Mitbenutzung der Reithalle ist weiterhin ein Thema, da dies im städtischen Reglement festgehalten sei. «Das war für uns nie ein Problem», sagt Brovelli. Der Fortbestand der Voltigiergruppe war sein Hauptanliegen, welches sich mit dem Nein durchgesetzt hat. «Die kulturelle Mitbenutzung schränkt uns nicht ein.» Sie stelle die Halle aber vor ein bauliches Problem, da fehlende Fenster und Heizungen die kulturelle Nutzung erschwerten. Der Reitclub sei aber nach wie vor zu Kompromissen bereit. «Mir ist schleierhaft, warum es überhaupt ein Reglement gibt», sagt Brovelli. Schliesslich könne man jede Turnhalle mieten und Konzerte veranstalten.

Schlechte Situation für Kultur

Doch «jede Turnhalle mieten», das wollen Kulturveranstalter nicht. Zu einem erfolgreichen Anlass gehören doch noch ein paar Punkte mehr. «Die Mitbenutzung der Reithalle ist im jetzigen Zustand nicht gerade toll», sagt Etrit Hasler. Das liege einerseits an der schlechten Akustik, andererseits an fehlenden Türen und Fenstern, was Anlässe dort zu Open-Air-Veranstaltungen mache, was wiederum für Anwohner die Hölle sei. Hasler stellt sich zudem die Frage, wie die Stadt damit umgehen wird, wenn Kulturveranstalter die Reithalle beanspruchen. «Sucht die Stadt nach Ersatz? Mietet sie die Olma-Halle und vermietet sie dann dem Veranstalter zu den Konditionen der Reithalle weiter?» Stadtpräsident Thomas Scheitlin schreibt dazu: «Das Initiativkomitee hat vor kurzem eine Veranstaltung in der Reithalle abgehalten. Die kulturelle Nutzung ist also grundsätzlich möglich. Die genannte Frage hat sich aber in den letzten Jahren nie gestellt, da keine Nachfrage für die Reithalle als Veranstaltungsort für Kultur bestand.» Zudem diene die Halle primär dem Reitsport, verfüge aber über einen separaten Boden, den man für kulturelle Anlässe einlegen könne. Ausserdem habe das Stadtparlament vor zwei Jahren ein Reglement zur Unterstützung von Anlässen in der Olma-Halle verabschiedet. In diesem Rahmen seien bereits Anlässe unterstützt worden.

Doppelnutzung ist nicht ideal

«So oder so, das Problem mit der Reithalle ist von grundsätzlicher Natur, der jetzige Zustand gesetzeswidrig», so Hasler. Deshalb sei es auch absurd, dass die Stadt keinen Gegenvorschlag zur Initiative gemacht habe. «Und, Thomas Scheitlin hat angekündigt, dass man das Reglement im Zug einer Sanierungsvorlage anpassen wolle und dabei die kulturelle Mitbenutzung der Reithalle streichen wird.» Scheitlin schreibt dazu: «Bei der Sanierung war man von der Möglichkeit einer Doppelnutzung ausgegangen. So bestehen heute Ateliers und Proberäume. Wenn man aber über die Jahre zur Einsicht gelangt ist, dass die Doppelnutzung der Halle nicht ideal ist, muss man auch konsequent sein und sagen, dass es nicht funktioniert hat. Der Stadtrat wird sich überlegen müssen, ob er das Reglement anpassen will. Es wurden zwischenzeitlich in der Stadt weitere Räume errichtet, die kulturelle Veranstaltungen ermöglichen.» Zudem werde die Reithalle nicht umgebaut. Es müssten aber Unterhalts- und Sanierungsarbeiten vorgenommen werden. Für Hasler ist wichtig, dass das Thema Kulturräume wieder auf die politische Agenda kam. «Es kann nicht sein, dass ein Kulturraum dieser Grösse 30 Jahre auf der Pendenzenliste liegt und nichts geschieht.»