25 Jahre Bauernmarkt Heiden: «Wir haben damals eine Möglichkeit gesucht, um mehr Geld zu verdienen»

Die Mitwirkung am Bauernmarkt ist für die teilnehmenden Bauernfamilien mit einem grossen Aufwand verbunden. Doch diesen nehmen sie gerne in Kauf.

Stephanie Häberli
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Josette Egli und Ruedi Graf verkaufen Produkte ihres Hofes auf dem Bauernmarkt in Heiden.

Josette Egli und Ruedi Graf verkaufen Produkte ihres Hofes auf dem Bauernmarkt in Heiden.

Bild: David Scarano

«Morgen startet der Heidler Bauernmarkt in die 25. Saison», sagt Josette Egli stolz. Zusammen mit ihrem Mann Ruedi Graf verkauft sie Erzeugnisse von ihrem Hof. Graf ist der Vorsitzende des losen Zusammenschlusses der Appenzeller Bauernfamilien, die für den Markt zuständig sind. Egli ist seit 21 Jahren mit dabei.

Über die Anfänge des Bauernmarktes weiss sie bestens Bescheid: «Begonnen hat alles mit einem einzigen Stand», sagt Egli. «Die Drogerie Horsch in Heiden hat die Eltern meines Mannes angefragt, ob sie hofeigene Produkte verkaufen möchten.» Das Projekt wurde in Zusammenarbeit mit dem Tourismusverein Heiden aufgegleist. Zudem sei laut Egli zu dieser Zeit die Milchkontingentierung ein grosses Thema gewesen.

«Folglich mussten sich viele Bauern überlegen, wie sie zusätzlich Geld verdienen können, ohne einen Job ausserhalb der Landwirtschaftsbranche annehmen zu müssen.»

Breites Angebot

Von Gemüse, Früchten, Brot und anderem Gebäck bis hin zu Fleischwaren, Konfitüre und Blumen – das Angebot ist vielfältig. Eines haben aber alle Verkaufsgüter gemeinsam: «Alle Produkte werden von Bauernfamilien produziert und frisch verkauft.» Josette Egli und ihr Mann verkaufen vor allem Gemüse und Früchte. Aber auch Konfitüren und Fleischwaren sind Teil ihres Angebots. An ihrem Stand beteiligen sich drei Familien. Unter anderem bietet ihr Schwager bei ihnen seine Auberginen und Tomaten an.

Die Kundschaft des Bauernmarktes ist vielfältig: «Uns besuchen sowohl junge Familien, denen gesunde Ernährung für ihr Kind wichtig ist, als auch ältere Leute, die gerne kleinere Mengen einkaufen», so Egli. Die meisten Käufer kommen aus Heiden und der Umgebung. Man kennt sich.

«Wir haben zwar viele Stammkunden, aber ab und zu kommen auch Laufkunden vorbei», so Egli. Sie kennt auch einige, die regelmässig aus Altstätten oder Berneck anreisen, um ihre Einkäufe am Bauernmarkt zu tätigen. «Für sie ist der wöchentliche Besuch bei uns eine Art Ritual», so Egli. Die Führung eines Standes am Bauernmarkt ist herausfordernd. Egli erklärt, dass man nie genau weiss, mit wie vielen Leuten man rechnen kann:

«Wenn das Wetter schlecht ist, kommen oft nur halb so viele Kunden wie an einem schönen Tag.»

Das sei insofern schwierig, weil man nie genau abschätzen kann, wie viel man tatsächlich verkauft. Doch es gilt noch eine weitere Schwierigkeit zu bewältigen: Im Sommer seien viele Leute in den Ferien. «Das ist aber genau jene Zeit, in welcher der grösste Teil des Gemüses reif ist.»

Positives Echo

Josette Egli und Ruedi Graf nehmen diese Herausforderung gerne in Kauf. «Wir bekommen zahlreiche positive Rückmeldungen.» Insbesondere eine Begegnung ist Egli besonders in Erinnerung geblieben:

«Als der Bauernmarkt ins Leben gerufen wurde, sagte einmal eine Frau zu mir: ‹Jetzt ist das Dorf Heiden vollkommen›.»

In der kommenden Saison muss sich auch der Bauernmarkt an ein Coronavirus Schutzkonzept halten. Unter anderem werden die Stände auf dem Kirchplatz weiter verteilt sein, um den empfohlenen Sicherheitsabstand einzuhalten. «Leider wird der Markt aufgrund dieser Vorkehrungen dieses Jahr etwas weniger einheitlich sein», so Egli.

Nichtsdestotrotz haben die Bauernfamilien grosse Pläne, was die Zukunft des Marktes betrifft. Die Anzahl Stände soll noch weiter ausgebaut werden. «Unser Ziel ist, weitere Bauernfamilien zu gewinnen, die am Markt mitwirken wollen.»

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