22 Spieler, doch jemand fehlt

FUSSBALL. Es war nie einfach, neue Schiedsrichter zu finden. Dabei sind sie wichtig, denn pro Schiedsrichter kann ein Verein zwei Mannschaften stellen. Doch viele halten den Job für unattraktiv und auch die 15-Spiele-Vorgabe setzt den Clubs zu.

Chris Gilb
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Der Schiedsrichter-Obmann des FC Herisau, José Pereira, im Einsatz, in diesem Fall als Linienrichter. (Bild: cg)

Der Schiedsrichter-Obmann des FC Herisau, José Pereira, im Einsatz, in diesem Fall als Linienrichter. (Bild: cg)

Fast hätte der FC Herisau diese Saison zwei Teams weniger stellen können. Ein Schiedsrichter hatte aus beruflichen Gründen gekündigt, er hatte jedoch nur 14 Spiele in der zurückliegenden Saison gepfiffen. 15 müssten es jedoch sein, denn für jeden Schiedsrichter, der mindestens diese Anzahl Spiele pfeift, darf ein Verein zwei Mannschaften stellen. «Wir haben dem Verband angeboten, dass besagter Schiedsrichter für das fehlende Spiel zurückkehrt, wir konnten uns dann aber auf eine Ausnahme einigen», sagt Walter Thaler, Präsident des FC Herisau.

FC Appenzell kritisiert Vorgabe

Auch der FC Appenzell hatte schon seine Schwierigkeiten mit der 15-Spiele-Vorgabe: «Was ist, wenn sich ein Schiedsrichter unter der Saison verletzt und er die Vorgabe deshalb nicht erfüllen kann?», fragt Präsident Damian Keller. Deshalb werden momentan die Einsätze eines Schiedsrichters des FC Teufen für den FC Appenzell gerechnet. «Wir haben Glück, dass wir im Kantonalverband flexibel sind und dieses Problem über Kontingente lösen können.» Wenn ein Verein mehr Schiedsrichter hat, als er für seine eigenen Mannschaften braucht, können die Spiele eines Schiedsrichters für einen anderen Verein gezählt werden. Der Heimverein des Schiedsrichters wird dann beim Mannschaftsnamen vorgestellt, so entstand der FC Teufen-Appenzell. Keller will sich beim Verband dafür stark machen, dass in Zukunft nicht mehr jeder Schiedsrichter 15 Spiele pfeifen muss, sondern beispielsweise die vier Schiedsrichter eines Vereins gemeinsam 60 Spiele aufweisen müssen. Auf Anfrage der Appenzeller Zeitung an den Schweizer Fussballverband (SFV), zum Vorschlag des Präsidenten des FC Appenzell, teilt der Kommunikationsleiter Marco von Ah mit: «Die Haltung des Ressorts Schiedsrichter beim SFV ist in Bezug auf den Vorschlag eher defensiv.» Man wolle nicht, dass die Gefahr aufkomme, dass fleissige, seriöse, loyale, hilfsbereite Schiedsrichter ausgenutzt werden können von solchen, die mit etwas weniger Ernsthaftigkeit dabei sind. In begründeten Einzelfällen, etwa bei Krankheit, solle aber weiterhin ein Auge zugedrückt werden. «Der Verband sorgt sich einfach darüber, dass die Vereine nach einer allfälligen Reform in Zukunft weniger Schiedsrichter-Nachwuchs anwerben würden», kommentiert Damian Keller vom FC Appenzell.

«Schiris sind Leistungssportler»

Auf Anfang 2016 sucht der FC Herisau nun zusätzliche Schiedsrichter. Für die Rekrutierung zuständig ist der Schiedsrichter-Obmann des FC Herisau José Pereira. Der 20-Jährige hat einst von der Spieler- auf die Position des Schiedsrichters gewechselt und kennt die Argumente, die den Nachwuchs von der Schiedsrichterarbeit abhalten: «Für viele wirkt es unattraktiv, dass Schiedsrichter ein Einzelsport ist. Dabei lernt man mit der Zeit viele andere Schiedsrichter, Spieler und Trainer kennen, zu denen sich ein spannender Kontakt vor und nach dem Spiel entwickelt», sagt Pereira. Gleich bei seinem ersten Spiel als Schiedsrichter gab es einen Spielabbruch. «Wichtig für einen Schiedsrichter ist natürliche Autorität, Fussballverständnis und Vitalität. Wir sind Leistungssportler und müssen jährlich zwei Fitnesstests absolvieren», sagt Pereira. An der Schiedsrichter-Aufgabe Interessierte, würden auch von der Angst Fehler zu machen abgehalten, aber das müssten sie nicht. «Ein Spieler verschiesst auch Bälle, da dürfen auch uns Fehler passieren.» Thaler sagt: «Als Verein müssen wir uns anstrengen, die Schiedsrichter noch besser zu integrieren und ihnen entsprechend Wertschätzung geben.»

Schiedsrichter im Verein fördern

Neuerdings erhalten Schiedsrichter des FC Herisau wieder eine Aufwandsentschädigung und werden noch stärker ins Vereinsleben integriert. Nächste Woche nimmt Pereira deshalb an einer Vorstandssitzung teil. «Auch während der Spiele sind wir Funktionäre noch mehr gefragt, um etwa beim Publikum zu vermitteln», sagt Thaler. Die Schwierigkeiten auf dem Spielfeld könnte der Schiedsrichter alleine regeln, ausserhalb des Spielfeldrandes müssten sich aber die Funktionäre, unabhängig der Vereinszugehörigkeit, engagieren. Schiedsrichter Pereira schätzt die Selbständigkeit an seiner Aufgabe: «Ich unterstehe keinem Trainer mehr und muss unter der Woche nicht mehr zu festen Zeiten, wie damals als Spieler, trainieren. Auch die Karrierechancen seien intakt: «Der Verband fördert es, dass man bei entsprechenden Leistungen schnell anspruchsvollere höhere Spiele pfeifen darf.»

«Der Schiri ist genaugenommen der Chef auf dem Platz, und dies sollen auch alle akzeptieren, diesen Respekt wollen wir auch unseren Nachwuchsspielern noch mehr vermitteln», sagt Walter Thaler.