2016 wird zum Tanz gebeten

Im Kantonsrat scheint das Projekt Klanghaus im Obertoggenburg durchaus Chancen zu haben. Allerdings müssen noch Fragen zur Verankerung in der Region und zu den Betriebskosten beantwortet werden.

Martin Knoepfel
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Das Klanghaus könnte so wie auf dieser Simulation aussehen. (Bild: pd)

Das Klanghaus könnte so wie auf dieser Simulation aussehen. (Bild: pd)

ST. GALLEN. Bei den meisten Fraktionen im Kantonsrat scheint das Projekt für das Klanghaus in Unterwasser grundsätzlich auf Sympathie zu stossen. Die Befürworter des Klanghauses unterstreichen, dass das Projekt eine Chance fürs Toggenburg bildet, auch für die Wirtschaft und den Tourismus in der Region. Allerdings sind auch noch einige Fragen offen, wie Kantonsräte in einer kleinen Umfrage betonen.

Die Vorlage geht jetzt zur Beratung in die – fünfzehnköpfige – Kommission. In der Novembersession könnte dann die erste Lesung im Kantonsrat stattfinden. Die Volksabstimmung über den Kredit dürfte 2016 stattfinden. Das Klanghaus soll rund 24 Millionen Franken kosten. Stiftungen und Privatpersonen sollen rund 5 Millionen Franken als Sponsoring beisteuern.

«Wiederkehrende Kosten»

Normalerweise bestimme die SVP-Fraktion erst die Kommissionsmitglieder, sagt Fraktionschef Michael Götte (SVP, Tübach). Hier habe man zuerst die Meinungen in der Fraktion feststellen wollen, um nicht Personen in die Kommission zu entsenden, die für die Fraktion nicht repräsentativ seien.

Für die SVP seien die wiederkehrenden Kosten das grössere Hindernis als die Höhe der Investition, sagt Götte und verweist auf das Zeughaus in Jona. Seiner Ansicht nach ist es auch unklar, was das Klanghaus dem Toggenburg bringen wird. Aus dem Toggenburg höre man dazu gegensätzliche Stimmen. Es sei jetzt noch zu früh für eine abschliessende Meinung. Er stehe als Bürger von Wildhaus aber vehement zum Toggenburg, versichert der SVP-Fraktionschef.

Unbedingt fürs Klanghaus seien nur einzelne Kantonsräte der SVP, antwortet Michael Götte auf die Frage nach den Kräfteverhältnissen in der Fraktion. Von den übrigen Kantonsräten sei eine knappe Mehrheit für einen sauberen politischen Prozess, bevor sie sich ihre – befürwortende oder ablehnende – Meinung bilde. Eine Minderheit sei jetzt schon dagegen.

«Unvergessliches Erlebnis»

Die SP sei eine grosse Befürworterin der Kulturförderung, sagt Joe Walser (Sargans). Die Fraktion der SP und Grünen sei einhellig für die Vorlage. Das Klanghaus sei eine grosse Chance fürs Toggenburg. Joe Walser hat eine persönliche Erinnerung. Er hat vor rund 20 Jahren bei Peter Roth einen Kurs zum Thema Obertöne absolviert, an dessen Ende ein Konzert in einer Kirche stattfand. Das sei ein unvergessliches Erlebnis gewesen, sagt er. Er hoffe, dass die ablehnenden Stimmen, die man im Toggenburg höre, keine Mehrheit fänden, sagt Joe Walser. Nicht gelten lässt er das Argument, der Kanton könne sich momentan die Ausgaben nicht leisten. Es sei eine Frage der Prioritäten. Zudem gebe der Kanton viel für Kulturinstitute in der Stadt St. Gallen aus. Da sei es nur gerecht, die Kultur auch in ländlichen Gegenden wie der Region Werdenberg – mit dem Schloss – oder eben dem Toggenburg zu fördern.

«Abschluss des Klangwegs»

Auch nach Ansicht von Thomas Ammann (CVP, Rüthi) darf die Kultur durchaus aufs Land gehen. Er sei grundsätzlich offen gegenüber dem Klanghaus und betrachte es als Chance fürs Toggenburg und als Abschluss des Klangwegs, sagt der Präsident der CVP/EVP-Fraktion. Das Projekt werde als Kulturinvestition dargestellt. Es werde aber auch Umsatz etwa für die Hotellerie und die Gastronomie generieren. Es gebe bei dieser Vorlage jedoch drei Punkte, die man genau prüfen müsse. Zum einen seien das die Investition von 24,3 Millionen Franken und die Frage, ob die Mitfinanzierung durch Sponsoren zustande komme.

Zum anderen seien die Betriebsbeiträge zu hinterfragen. Schliesslich würden bei anderen Kulturinvestitionen die betreffenden Gemeinden mit einbezogen, sagt Thomas Ammann, der selber Gemeindepräsident ist. Die Fraktion habe bewusst nicht nur Toggenburger in die vorberatende Kommission entsandt.

«Steht Bevölkerung dahinter?»

Den letzten Punkt sieht Reinhard Rüesch (FDP, Wittenbach) anders. Die Frage nach Gemeindebeiträgen müsste man grundsätzlich und für den ganzen Kanton diskutieren, nicht nur bezogen auf das Projekt Klanghaus, sagt der Präsident der FDP-Fraktion. Die Fraktion habe die Vorlage zwar diskutiert, damit ihre Vertreter in der vorberatenden Kommission wüssten, was die Fraktion denke, sagt er. Inhaltlich könne er jetzt noch nicht viel sagen. Die Haltung der FDP-Fraktion zum Klanghaus sei grundsätzlich positiv. Es komme aber sehr darauf an, ob die lokale Bevölkerung voll und ganz hinter dem Projekt stehe. Es handle sich ja um ein Projekt fürs Toggenburg, sagt Reinhard Rüesch.

«Genau hinsehen»

Nils Rickert (GLP, Rapperswil-Jona) ist Mitglied der Kommission, die sich mit der Vorlage beschäftigt. Er sagt, dass das Klanghaus sehr spannende Aspekte aufweise, äussert aber auch Bedenken wegen der Höhe der Investition. Zudem vermisst er die Begeisterung in der Region. Seiner Ansicht nach müssten die Gemeinden und die Industrie aus dem Toggenburg einen Teil der fünf Millionen Sponsoringgelder aufbringen. Dass sich Regierungsrat Martin Klöti von St. Gallen aus Sponsoren suchen müsse, sei ein schlechtes Zeichen. Wichtig sei auch angesichts der Finanzlage des Kantons, aus welcher Kasse die Betriebsbeiträge kämen. Er gehe aber mit grosser Sympathie und viel Interesse in die Kommissionsarbeit, sagt Nils Rickert.

Joe Walser Kantonsrat SP Sargans (Bild: Martin Knoepfel)

Joe Walser Kantonsrat SP Sargans (Bild: Martin Knoepfel)

Thomas Ammann Präsident der CVP-Fraktion im Kantonsrat (Bild: Ralph Ribi)

Thomas Ammann Präsident der CVP-Fraktion im Kantonsrat (Bild: Ralph Ribi)

Michael Götte Präsident der SVP-Fraktion im Kantonsrat (Bild: Ralph Ribi)

Michael Götte Präsident der SVP-Fraktion im Kantonsrat (Bild: Ralph Ribi)

Nils Rickert Kantonsrat GLP / Mitglied der Kommission Klanghaus (Bild: Peer Füglistaller)

Nils Rickert Kantonsrat GLP / Mitglied der Kommission Klanghaus (Bild: Peer Füglistaller)

Reinhard Rüesch Präsident der FDP-Fraktion im Kantonsrat (Bild: Ralph Ribi)

Reinhard Rüesch Präsident der FDP-Fraktion im Kantonsrat (Bild: Ralph Ribi)