20 Jahre – und kein bisschen müde

WATTWIL. Mit einem hinreissenden Konzert trat die Big Band Kanti Wattwil zum zweiten Mal im Jubiläumsjahr vor ihr Publikum. Es zeigte sich vom anspruchsvollen Programm, der hohen musikalischen Qualität und der herrschenden Stimmung begeistert.

Peter Küpfer
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Die Chemie stimmt. Die Big Band der Kantonsschule Wattwil mit ihren Solisten auf der Bühne des Thursaals. (Bilder: Peter Küpfer)

Die Chemie stimmt. Die Big Band der Kantonsschule Wattwil mit ihren Solisten auf der Bühne des Thursaals. (Bilder: Peter Küpfer)

«Das hier ist schon ein spezielles Ereignis.» Mit diesen Worten begrüsste Bandleader der ersten Stunde und Musikpädagoge Martin Winiger sein Publikum im vollbesetzten Thurpark.

Zweites Jubiläumskonzert

Es hatten sich dazu verschiedene Höhepunkte vereinigt. Einmal der Anlass. Mit diesem zweiten grossen Konzert nach der swingenden Eröffnung des Jubiläumsjahres mit Pepe Lienhard im Januar feierten sie auch an diesem Abend ihr 20jähriges Bestehen mit einer weiteren eigenen Produktion.

Dann die Besetzung. Neben der durch Ehemalige verstärkten Band hiess Winiger an diesem Abend zwei Grosse der aktuellen Schweizer Jazzszene willkommen, die beiden Solisten und Brüder Andreas Tschopp (Posaune) und Matthias Tschopp (Bariton-Saxophon), beide Ehemalige der Big Band Kanti Wattwil. Die beiden arrivierten Komponisten und Jazzmusiker, von denen der ältere, Andreas Tschopp, vor 20 Jahren schon bei der ersten Probe dabei war, gaben denn auch ihrer Freude Ausdruck, an diesem festlichen Konzert mit der aktuellen Big Band auftreten zu können.

Eine ganz neue Facette

Schliesslich die Musik. Mit den Eigenkompositionen von Andreas und Matthias Tschopp, die an den «Generations»-Konzerten ihre Welturaufführung erlebten, stellte sich das Ensemble einer für sie ganz neuen Facette der Big-Band-Musik, für sie Neuland, wie Winiger sagte. Mit den Arrangements aus der Feder des aktuell «spannendsten und besten Schweizer Arrangeurs», Philip Henzi, sei die Musik der beiden Jazzmusiker genial auf Big-Band-Verhältnisse zugeschnitten. Dass dabei viel musikalische Herausforderung zu bewältigen war, zeigte das anspruchsvolle Programm.

Alle Register gezogen

Es forderte dem Ensemble und den sich auf ihren Instrumenten tummelnden Solisten alles ab. Schon der Eröffnungstitel, eine Komposition von Andreas Tschopp, war hinreissend. Aus einem fast bis an die Grenzen des Atonalen ausgereizten, hochkomplexen Stimmengewirr schälte sich langsam, manchmal hechelnd, manchmal fast knatternd, dann wieder jubilierend die Soloposaune heraus und vereinigte sich im Finale zu einem wahren Hexenkessel mit dem Ensemble. Dem standen Titel aus der Feder von Matthias Tschopp und seine Solopassagen am Baritonsaxophon in nichts nach. Wie er in seiner Begrüssung andeutete, arbeitete er in seinen Kompositionen inspiriert von Bildern des spanischen Malers Juan Miró. Einmal war es das Bild «Woman», dann wieder ein hochkomplexes Selbstporträt des Malers, schliesslich eine Flusslandschaft oder der Blick aus dem Atelier auf das sonnenbeschienene Mittelmeer. Auch Matthias Tschopp verlangte seinem Instrument alles ab. Lyrische, emotionale Passagen wechselten ab mit bedrängenden Klangbildern, etwa dann, wenn der Ton kaum mehr hörbar war und der Atem des Solisten fast in ein Röcheln überging. Manchmal liess der Solist den Klang seines Instruments überhaupt wegwischen wie ein über Mallorca hinfegender Windstoss. Solchen Vorgaben zeige sich das Ensemble absolut gewachsen, es verstärkte sie, gab ihnen Echo oder baute, durch entgegensetzendes Klangmaterial, weiter Spannung auf – ganz im Sinne der beiden Solisten, die am Schluss des Konzertes die Qualität des Ensembles und das Vergnügen, mit ihnen spielen zu dürfen, in eigenen Worten lobten.

Freude und Dank

Mit ihrer dreimaligen Aufführung des «Generations»-Konzertes in St. Gallen, Wattwil und Jona präsentierte sich das Ensemble auf der Höhe seiner Klasse. Dass diese technische und musikalische Qualität mit einem Jugend- und Schulensemble erreicht wird, ist keine Kleinigkeit. Dem gaben denn auch Martin Winiger und die beiden Solisten Ausdruck: «Es ist eine Freude, mit Euch zusammenarbeiten zu dürfen», sagte Andreas Tschopp am Schluss, als sich die beiden Solisten auch vor dem Ensemble verneigten. Martin Winiger bedankte sich seinerseits bei allen, die das Konzert ermöglicht hatten, neben den schon Genannten bei den Sponsoren, bei Rhythm-Section-Coach Jan Geiger, bei Michael Müller am Mischpult und bei seinem Ensemble, das er einzeln namentlich und unter Würdigung auch ihrer solistischen Leistungen (Mirjam Scherrer, Altsaxophon; Ramón Benz, Tenorsaxophon; Philipp Mosimann, Piano) vorstellte. Eine besondere Erwähnung verdient Oliver Rutz, der einmal mehr am Schlagzeug brillierte. Als Sprecherin des Ensembles bedankte sich Melanie Müller (Altsaxophon) beim unermüdlichen Leader: «Wir wissen, wem wir das alles in erster Linie zu verdanken haben», sagte sie unter grossem und lang andauerndem Applaus.

Die Brüder Matthias (links) und Andreas Tschopp. (Bild: alttoggenburger)

Die Brüder Matthias (links) und Andreas Tschopp. (Bild: alttoggenburger)