1996 war Lichtensteig die steuerstärkste Gemeinde des Kantons

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Ausreisser Die Auswertung vieler Daten kann verwirrend sein. Insbesondere auf den ersten Blick zeigt sich nicht immer das relevante Bild. Das Problem verschärft sich, sobald ganze Zeitreihen zu analysieren sind. Bei der Betrachtung der Steuerdaten für den obigen Artikel zeigte sich dies exemplarisch. Für jedes der letzten 30 Jahre und für jede der zwölf Gemeinden lag ein Wert vor.

In solchen Fällen hilft oft eine grafische Darstellung. In diesem Fall zeigt sie nämlich, dass die Steuerkraft seit Ende der Achtziger Jahre in allen Gemeinden eine ähnliche Entwicklung an den Tag legt. In allen Gemeinden ausser in Lichtensteig. Der stetige Anstieg in den anderen Gemeinden – unterbrochen zwar von einzelnen kleineren Rückschlägen, aber dennoch konstant – ist in Lichtensteig nicht zu beobachten. Viel eher startet die Gemeinde bereits auf einem höheren Niveau und legt dann auch noch überdurchschnittlich zu. Insbesondere 1996 scheint ein interessantes Jahr zu sein. Die Steuerkraft steigt noch einmal bedeutend. Sie beträgt in diesem Jahr 3277 Franken. Schon im Jahr darauf ist der Wert aber wieder unter 2000 Franken. Über die kommenden Jahre gleicht sich das Städtli nach und nach den anderen Toggenburger Gemeinden an, ohne aber die Spitzenposition je abgeben zu müssen. Wie sich dieser Ausreisser erklären lässt, ist nicht zweifelsfrei festzustellen. Fakt ist: In den Jahren bis 1996 und insbesondere in ebendiesem sind die Einwohner Lichtensteigs im Durchschnitt wohlhabender. Vermutlich liegt auch genau darin die Erklärung, im Durchschnitt. Je kleiner die Gesamtmenge, desto eher führen einzelne Ausreisser zu einem merklich anderen Resultat. Oder in diesem Fall: Wenn unter den rund 2000 Einwohnerinnen und Einwohnern Lichtensteigs damals nur wenige sehr vermögende waren, kann das den Ausschlag schon erklären. Natürlich müssen diese insbesondere 1996 ein aussergewöhnliches hohes Einkommen gehabt haben.

Möglich wäre beispielsweise ein einträglicher Firmenverkauf. 1996 verkauften die Gebrüder Kägi ihre Firma an die Valora Holding AG. Dass das der Grund für den statistischen Ausschlag sein dürfte, zeigt die Lichtensteiger Gemeindeversammlung vom 14. April 1997. Im «Toggenburger» wurde dazu zwei Tage später vermerkt: «Die Einkommens- und Vermögenssteuern ergaben gegenüber dem Budget einen Mehrertrag von 187300 Franken und die Steuereinzugs-Provision für die Bundesverwaltung hat ebenfalls einen Mehrertrag gebracht. Dieser ist auf den Bezug von einmaligen Liquidations-Gewinnsteuern aus dem Verkauf der Firma Kägi zurückzuführen.»

Das Jahr 1996 war für Lichtensteig aber nicht nur im Toggenburger Vergleich aussergewöhnlich. Der «Toggenburger» titelte am 24. Juli 1997 Bezug nehmend auf den ganzen Kanton St. Gallen gar: «Lichtensteig steuerstärkste Gemeinde».

Ruben Schönenberger

ruben.schoenenberger@

toggenburgmedien.ch