1992 wurde Stiftung gegründet
Letzter Akt von Teufens Erbschaftsaffäre: Die Heidi-und-Paul-Guyer-Stiftung nimmt ihre Tätigkeit auf

Ab sofort wird die Heidi-und-Paul-Guyer-Stiftung aktiv: Teufens Gemeindepräsident Reto Altherr hat am Mittwoch den Beginn der operativen Tätigkeit der Stiftung verkündet. Die unrühmliche Vorgeschichte ist damit abgeschlossen.

Astrid Zysset
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Der Stiftungsrat der Heidi-und-Paul-Guyer-Stiftung: Peter Rösler, Rechtsanwalt, Hans Höhener, ehemaliger Landammann, Monica Sittaro, Zentrumsleiterin Reha Lutzenberg, Nadine Osterwalder, Rechtsanwältin, Reto Altherr, Gemeindepräsident, und Urs Spielmann, Gemeinderat.

Der Stiftungsrat der Heidi-und-Paul-Guyer-Stiftung: Peter Rösler, Rechtsanwalt, Hans Höhener, ehemaliger Landammann, Monica Sittaro, Zentrumsleiterin Reha Lutzenberg, Nadine Osterwalder, Rechtsanwältin, Reto Altherr, Gemeindepräsident, und Urs Spielmann, Gemeinderat.

Bild: Astrid Zysset

Teufens Gemeindepräsident Reto Altherr nannte es den «Startschuss für ein nutzenstiftendes Wirken», der nun erfolgt sei. Am Mittwoch verkündete er im Foyer des Lindensaals, dass die operative Tätigkeit der Heidi-und-Paul-Guyer-Stiftung ab sofort beginnt. Die unrühmliche Vorgeschichte erwähnte er nur beiläufig. «Den Blick gilt es, nach vorne zu richten.» Ab sofort werden Gesuche bearbeitet. Und solche seien bereits eingegangen, so Altherr weiter.

Es ist eine lange Vorgeschichte, auf welche die Stiftung blicken kann: 1992 wurde sie mit der bescheidenen Summe von 5000 Franken gegründet. Das Kapital von insgesamt sieben Millionen Franken wurde erst mit dem Tod von Heidi Guyer 2015 auf die Stiftung übertragen. Dann aber kam es zum juristischen Hickhack: Der damalige Gemeindepräsident Walter Grob wurde auch als Privatperson mit einem Erbe bedacht. Der daraus resultierende Interessenskonflikt sorgte schliesslich dafür, dass er sich gezwungen sah, sein Amt niederzulegen. Gemäss Altherr wurde die Verfügungsgewalt der Stiftung erst vor einem Jahr dem Gemeinderat zurückübertragen – so lange hätten die rechtlichen Abklärungen angedauert.

Ein zurückgezogenes Leben in Teufen

Paul und Heidi Guyer zogen 1962 nach Teufen und führten in der Mittelländer Gemeinde ein zurückgezogenes Leben. «Sie hatten sich aber immer für wohltätige Zwecke engagiert», so Altherr. Viel ist über das Paar nicht bekannt – Reto Latzer, Mitarbeiter der Gemeindekanzlei, konnte noch einen Neffen von Paul Guyer ausfindig machen. Dieser erinnerte sich, dass selbst auf Familienfeiern das Paar es ablehnte, auf Fotos abgelichtet zu werden. Belegt ist, dass Pauls Vater, Eduard, eine florierende Weinhandlung mit angeschlossener Fuhrhalterei an der Metzgergasse in St.Gallen betrieb. Auch Lastwagen gehörten zum Unternehmen. Diese wurden 1946 an die Firma Ruckstuhl Transporte verkauft, welche aber nicht sofort das Design anpasste. «An die auffallend gelben LKWs kann ich mich noch gut erinnern», so Altherr schmunzelnd. 1956 übernahm Paul Guyer die Weinhandlung seines Vaters, 1961 verkaufte er sie. 1984, mit gerade einmal 58 Jahren, verstarb Paul Guyer schliesslich.

Stiftungszweck ist eng gefasst

150'000 Franken jährlich stehen dem Stiftungsrat zur Verfügung. Wie diese eingesetzt werden, ist genau definiert. Sehr genau. So will die Stiftung den Tier-, Natur- und Heimatschutz unterstützen. Zudem geht es um die Erstellung von Bauten und Anlagen im öffentlichen Interesse für Gemeindeprojekte im Sozial-, Alters-, Gesundheits-, Kultur- und Sportbereich. Einschränkungen: Der Schwerpunkt muss im Gemeindegebiet von Teufen liegen, und die zu unterstützenden Projekte sollen der Nachhaltigkeit dienen. Jubiläen und Preise schliesst der Stiftungszweck ausdrücklich aus.

Büro des Gemeinderates als Stiftungsort

Bei der Gründung 1992 wurde veranlasst, dass das Büro des Gemeinderates als Stiftungsort fungiert. Altherr, der von Amtes wegen der Stiftung vorsteht, erachtete es jedoch als sinnvoll, dass die Mehrheit des Stiftungsrates nicht zugleich dem Gemeinderat angehört. Die Freiwilligen wurden in Nadine Osterwalder, Rechtsanwältin, Monica Sittaro, Zentrumsleiterin der Reha Lutzenberg, Hans Höhener, ehemaliger Landammann, und Peter Rösler, Rechtsanwalt, gefunden. Reto Altherr und Urs Spielmann, Gemeinderat, komplettieren den Stiftungsrat. Ein Jahresbericht über die Aktivitäten der Stiftung soll regelmässig auf der Website guyer-stiftung.ch veröffentlicht werden.

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