160 Tonnen in Bewegung

Im Rahmen des Projekts zur Erneuerung des Wasserkraftwerks in Lichtensteig wurde gestern die neue Schleusenbrücke um 5,6 Meter flussabwärts, an den Standort der alten, verschoben.

Jesko Calderara
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LICHTENSTEIG. Gestern Nachmittag war es soweit: Nach etwas mehr als einem Jahr am provisorischen Standort wurde die neue Schleusenbrücke bei der Fein-Elast Grabher AG in Lichtensteig an den ursprünglichen Ort der alten Brücke versetzt. Der Vorgang dauerte ungefähr drei Stunden, bis die Konstruktion wie geplant 5,6 Meter flussabwärts eingesetzt werden konnte. Das Vorhaben steht in direktem Zusammenhang mit den Bauarbeiten für das neue Wasserkraftwerk. «Bei der alten Anlage war die Brücke Bestandteil der Schleuse», sagt Projektleiter Mario Conrad. Diese habe jedoch einige Mängel gehabt. Bei Hochwasser etwa lief jeweils nur eine begrenze Wassermenge ab. Aufgrund dieser Nachteile entschied sich die Bauherrschaft, nebst der Fein-Elast Grabs gehören dazu auch die Gemeinden Lichtensteig und Wattwil, für den Wehrneubau mitsamt der Schleusenbrücke.

Laut Mario Conrad mussten die Planer bei der Umsetzung des Vorhabens sämtliche Anforderungen der Nutzerin erfüllen. Für diese bringt die neue Brücke insbesondere logistische Vorteile. «Während bisher für die Zufahrt eine Gewichtsbeschränkung von 12 Tonnen galt, sind künftig auch Fahrten mit 40-Tonnen-Lastern möglich», sagt Martin Stadler, Betriebsleiter der Fein-Elast Grabher AG in Lichtensteig. Damit falle ein gewisser Mehraufwand weg. In der Vergangenheit mussten sie des öfteren grössere Warenlieferungen beim Bahnhof in einen Kleintransporter umladen. «Nur so sind wir zu unserem Produktionsgebäude gelangt», fügt er hinzu.

Zugvorrichtung im Einsatz

Dies soll sich nun ändern. Bereits seit Montag liefen deshalb die Vorbereitungsarbeiten zur eigentlichen Verschiebung. Am Mittwoch wurden die 160 Tonnen schwere Brücke und die dazugehörigen Lager mit Hilfe zweier Pressen auf jeder Seite leicht angehoben. Eine hydraulischen Zugvorrichtung zog sie anschliessend langsam auf einer Metallunterlage mit einem Stahlseil in die gewünschte Position. Mit diesem Auftrag betraute die für den Brückenbau verantwortliche Tuchschmid AG in Frauenfeld die dafür spezialisiertes Hebag AG mit Sitz im aargauischen Vordemwald. Dieses Unternehmen ist in der Lage, Bauwerke mit einem Gewicht von bis zu 15 000 Tonnen zu heben. Beim Projekt in Lichtensteig seien einzig die Platzverhältnisse für alle Beteiligten relativ eng, sagt Stephan Krause von der Tuchschmid AG. Deshalb hätten sie die vier Elemente der Eisenkonstruktion vorfabriziert und Anfang August 2012 erst auf der Baustelle montiert. «Ansonsten hatten wir keine grösseren Schwierigkeiten oder Herausforderungen zu meistern.»

Brücke in zwei Wochen befahrbar

Noch ist die Schleusenbrücke, die gemäss Kostenschätzung 750 000 Franken kosten wird, allerdings nicht befahrbar. Bis Ende der Woche dauert die abschliessende Montage. «Dann sind die Abdichtung sowie der Belag an der Reihe», sagt Mario Conradi. In zwei Wochen können die Lastwagen die Brücke wieder benutzen. Mit der getroffenen Lösung eines vorübergehenden Standorts hätten sie den Unterbruch der Zufahrt minimieren können, sagt der Projektleiter. «Bei allen anderen Optionen wäre dies nicht möglich gewesen.» Noch etwas länger dauert die Erneuerung des Wasserkraftwerks Stadtbrücke. Geplant ist, dass dieses nach einer Testphase etwa Mitte November seinen Betrieb wieder aufnimmt. Dank einer um einen halben Meter höheren Wehrklappe sowie effizienten Technologien soll das Kraftwerk in Zukunft Strom für 600 Haushalte produzieren. Dies bedeutet gegenüber dem heutigen Zustand eine Steigerung um den Faktor 2,8. Mit dem Neubau werden zudem die Besitzverhältnisse geregelt. Die Fein-Elast übernimmt gemäss Kostenteiler 65 Prozent der Investitionssumme und wird nach Abschluss Eigentümer des Stauwehrs. Wattwil und Lichtensteig teilen sich den Rest der Kosten, die Brücke geht dafür an die beiden Gemeinden über.

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