16 Medaillen für den Erfolgscoach

Die Alpin-Snowboarder verbessern in Sotschi dank Chefcoach Christian Rufer die Schweizer und Toggenburger Bilanz. Offen bleibt, ob Rufer nach diesen Erfolgen ausgezeichnet wird. Ansonsten verpassen die Athletinnen und Athleten aus der Region die Ziele.

Urs Huwyler
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REGION. Die Olympischen Spiele im russischen Sotschi sind zu Ende. Nach dem Edelmetall-Auftritt im Riesenslalom mit Gold (Patrizia Kummer) und Silber (Nevin Galmarini) setzte es zum Schluss für die Alpin-Snowboarder im Slalom eine gefühlte Niederlage ab. Dass es niemand aus der Mannschaft von Christian Rufer (Ebnat-Kappel) in den Halbfinal schaffte, kam doch überraschend. Was allerdings Jammern auf hohem Niveau bedeutet. «Die Bilanz ist super», betont der Chefcoach denn auch.

Nach den Auftritten in Sotschi ist der von Christian Rufer eingeleitete Teamumbau und der damit verbundene Generationenwechsel abgeschlossen. Die früh ausgeschiedenen Gebrüder Simon und Philipp Schoch treten zurück, Christian Rufer ebenfalls. Sie hätten sich einen triumphaleren Abschied verdient. Er kenne keine Wehmut, sieht der Chefcoach dem Ende seiner Snowboard-Zeit gelassen entgegen.

Fünf Medaillengewinner

Offen bleibt die Frage: «Wird Christian Rufer nach seinen Erfolgen endlich durch die Sport-Schweiz offiziell ausgezeichnet?» Insgesamt gewannen die boardenden Frauen und Männer während seiner neunjährigen Amtszeit 16 Medaillen an Titelkämpfen. Viermal Gold- und zweimal Silber an drei Olympischen Spielen. Wobei bis Sotschi niemand an den gleichen Spielen Doppel-Olympiasieger werden konnte, weil nur eine Disziplin ausgetragen wurde.

Nicht ein einzelner Ausnahmeathlet wie Simon Ammann oder Dario Cologna räumte unter Rufer ab, sondern Daniela Meuli (Gold), Philipp Schoch (zweimal Gold), Patrizia Kummer (Gold), Simon Schoch (Silber) und Nevin Galmarini (Silber) standen auf dem Podest. Obwohl sie bis in den Final die Qualifikation, den Achtel-, Viertel- und Halbfinal überstehen mussten. Das bejubelte Eishockey-Frauenteam verlor von sechs Partien vier und gewann doch Bronze. Bei einer solchen Quote hätten die Boarder ihr Brett längst in eine Ecke stellen müssen.

Trainer des Jahres?

Die «Vereinigung Schweizer Diplomtrainer» sollte sich überlegen, Christian Rufer für sein (bisheriges?) sportliches Lebenswerk als «Trainer des Jahres» zu nominieren. Seit 1991 wird der Titel vergeben. Je sechsmal erkoren die Fachleute einen Fussballer oder Eishockey-Coach. Also an Leute, die unter anderen Voraussetzungen mit einem ganzen Helferstab im Rücken eine Mannschaft bilden können. Zuletzt wurde die Ehre Eishockey-Nationalcoach Sean Simpson (2013), HC-Davos-Trainer Arno Del Curto (2011), dem temporären Chelsea-Chef Roberto Di Matteo (2012) und U17-Weltmeister-Trainer Dany Ryser (2010) zuteil. Drei Fachleute werden jeweils vorgeschlagen. Ottmar Hitzfeld werden die Fachleute 2014 schon von Amtes und des Rücktritts wegen auf den Zettel schreiben. Jemanden aus dem Team von Dario Cologna wohl auch (wieder).

Kein Punkterekord

Die Toggenburger kehr(t)en mit unzähligen positiven Erlebnissen nach Hause zurück. Heute Montag landen um 19.00 Uhr Christian Rufer und Joel Gisler. Sportlich gesehen vermochte überraschenderweise einzig der Snowboard-Trainer zu überzeugen. Die Aktiven blieben ohne Medaille, ohne Diplom, ohne Top-10-Plazierung. Mit Simon Ammann, Marianne Kaufmann-Abderhalden, Jan Scherrer und der für den SSC Toggenburg startenden Sarganserin Bigna Windmüller standen im Vorfeld doch vier Athleten auf dem Weltcup-Podest. Zuletzt verpasste auch Halfpipe-Freeskier Joel Gisler (Libingen) das Ziel. Er klassierte sich in der zweiten Ranglistenhälfte (18. von 28) und mit 60,80 Punkten blieb er unter seiner Weltcup-Bestmarke (71,40). Dem zwanzigjährigen Toggenburger wird von Beobachtern Potenzial attestiert und angefügt, er habe Erfahrungen sammeln können.

Durchschnittliche Leistung

Die olympische Freeski-Premiere litt unter den schwierigen äusseren Bedingungen und kam nicht an das Niveau der Snowboard-Konkurrenz heran. Sowohl Joel Gisler als auch der knapp nicht selektionierte Teamkollege Fabian Meyer (Brunnadern) sind sich einig, dass sie künftig noch gezielter trainieren müssen. Für Bronze brauchte es 88.60 Punkte. Gislers persönlicher Rekord hätte für Platz zehn gereicht.

Im stillen etwas ärgern wird sich Elisabeth Graf (Mosnang). Sie musste beim Zweier-Bob als Ersatz-Anschieberin zusehen. Langsamer wäre Schweiz 1 mit ihr kaum gewesen. Das Duo Meyer/Mayer verlor jeweils bereits am Start rund zwei Zehntel. Der achte Rang bei 19 Teams war für die Europameisterinnen der Bob-Nation Schweiz nicht mehr als eine durchschnittliche Leistung.

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