100-TAGE-GESPRÄCH
Fusionen zwischen den Verwaltungen und eine Grundsatzabstimmung über das Alterswohnheim: Das möchte der neue Lutzenberger Gemeindepräsident Rudolf Gantenbein anpacken

Am 1. Juni trat Rudolf Gantenbein offiziell sein Amt als neuer Gemeindepräsident von Lutzenberg an. Seine Pläne für die Zukunft der Gemeinde sind umfangreich.

Astrid Zysset
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Rudolf Gantenbein hat anfangs Juni das Amt des Gemeindepräsidenten von Lutzenberg übernommen.

Rudolf Gantenbein hat anfangs Juni das Amt des Gemeindepräsidenten von Lutzenberg übernommen.

Bild: Astrid Zysset

Auf die Frage hin, ob er alles unter einen Hut bringe, lächelt Rudolf Gantenbein nur. «Es ist eine Sache der Organisation.» Als Architekt und Bauleiter sei er es gewohnt, sich mit vielen Anfragen gleichzeitig konfrontiert zu sehen. Da den Überblick zu behalten, sei zwar nicht einfach, doch er könne das. «Es ist eine Fähigkeit, die man mitbringen muss», sagt Gantenbein weiter. Effizientes Vorgehen und eine geeignete Prioritätensetzung seien in seinem Alltag entscheidend. Und so hätte auch der, wie er betont, «Teilzeitjob» als Gemeindepräsident von Lutzenberg noch Platz. Anfang Juni hat der 68-Jährige diesen übernommen.

Seine Vorgängerin reichte ihren Rücktritt aufgrund des öffentlichen Drucks, der Erwartungen und Ansprüche bereits ein halbes Jahr nach ihrem Amtsantritt ein. Ihm werde das nicht passieren, sagt Gantenbein. Er arbeite anders und zielorientiert. Die Verantwortung jedes Gemeinderats hat er bereits gestärkt, auch lehnt er es ab, über alle Details in den einzelnen Ressorts Bescheid wissen zu wollen. Die Protokolle der anderen Ressorts liest er quer und auf eine effiziente Sitzungsführung legt er grossen Wert. Nur so könne er alles schaffen.

Wollte sich eigentlich aus der Politik zurückziehen

Rudolf Gantenbein lehnt sich zurück. Hier im ersten Stock der GR Consulting GmbH in St.Gallen ist nebst dem Domizil in Wienacht sein Büro. Von hier aus übernimmt er Architektur- und Bauleitungsaufträge. Seine Haupttätigkeit. Zur Politik sei er gekommen, weil er «der Gesellschaft etwas zurückgeben wollte». Nach zwei Jahren als Mitglied der Geschäftsprüfungskommission war er 15 Jahre lang deren Präsident.

Anschliessend war sein Plan, sich zurückzuziehen. Doch vor anderthalb Jahren, als die Kampfwahl ums Gemeindepräsidium anstand, stellte er Maria Heine Zellweger in Aussicht, dass er im Gemeinderat das Finanzressort übernehmen würde, sollte sie gewählt werden. Gesagt, getan. Dann, nach ihrem Rücktritt, hätte er es gut gefunden, wenn das Präsidium «jemand Jüngeres» übernimmt, wie er angibt. Doch gekommen ist es auch hier anders. Weitere Kandidaten fanden sich nicht. Für Gantenbein ist jedoch klar, dass er dieses Amt nicht lange ausüben wird. «Nach der Abstimmung über die Gemeindefusionen wird es mich wohl nicht mehr brauchen», sagt er und lacht.

Doch bis es so weit ist, hat er noch grosse Pläne. Als Erstes will er die Verwaltung professionalisieren. Denn in seinen Augen ist der Dienstleistungsgedanke nur ungenügend verankert. Gantenbein:

«Die Stellvertretungsregelungen in kleinen Verwaltungen wie derjenigen in Lutzenberg entsprechen einem Laientheater.»

Die Stellvertretungen würden in der Regel zu wenig Fachkompetenz mitbringen, als dass sie den Bürgerinnen und Bürgern sachdienlich weiterhelfen könnten. Der Hintergrund ist, dass jeweils eine Person mit einer anderweitigen Ausbildung und Kompetenz die Stellvertretung ausüben soll. Darum strebt Gantenbein Fusionen mit anderen Gemeindeverwaltungen an. Vorschläge diesbezüglich habe er bereits an der Gemeindepräsidienkonferenz eingebracht. Gespräche mit Heiden zur Zusammenlegung des Grundbuchamtes hätten zudem bereits begonnen.

Grundsatzabstimmung über das Alterswohnheim

Doch die Umsetzung ist noch in weiter Ferne. Weiter fortgeschritten sind hingegen seine Bestrebungen in Sachen Alterswohnheim Brenden. Gantenbeins Vorgänger standen aufgrund dieses Projekts unter Dauerbeschuss. Um solchen Reaktionen vorzubeugen, hat er nun das sogenannte E-Mitwirken respektive ein Mitwirkungsverfahren lanciert, im Rahmen dessen sich die Bürgerinnen und Bürger zur Zukunft des Alterswohnheims äussern können. Die Idee hierzu sei nicht neu gewesen, führt der Gemeindepräsident weiter aus. Ein «Dorfkafi» mit demselben Ziel wäre auf Frühjahr 2020 vorgesehen gewesen. Doch stattgefunden hatte es infolge der Covid-Einschränkungen nie.

Mit dem jetzigen Mitwirkungsverfahren wolle man die Brücke zur Bürgerschaft wieder schlagen. Ob das gelingt, wird sich weisen. Die Ergebnisse fliessen in das Abstimmungsedikt ein. Denn ob es weiterhin in Lutzenberg Wohnraum für das Alter braucht, das will Gantenbein denn schon noch genauer wissen. Im November plant er eine Grundsatzabstimmung. Das virtuelle Mitwirkungsverfahren will Gantenbein im Anschluss auch auf die Zonenplanrevision ausweiten.

Eine dicke Haut

Aktuell steht aber zuerst einmal der Budgetprozess an. Und langsam füllt sich auch die Agenda des Lutzenberger Gemeindepräsidenten. Die vergangenen Wochen waren von den Sommerferien geprägt, und wie Gantenbein ausführt, habe er nicht viel zu tun gehabt. Er sagt:

«Die Verwaltung war weitgehend verwaist. Dieses Ausmass an Sommerpause kenne ich in der Privatwirtschaft nicht.»

Doch ab sofort ist er wieder mehr gefordert. Die Anforderungen, die mit dem Amt des Gemeindepräsidenten einhergehen, sind ihm schon länger vertraut, hat er es doch bereits vor seinem offiziellen Antritt zusammen mit der Gemeindevizepräsidentin Esther Albrecht ad interim geführt. Auch die Schattenseiten sind ihm bekannt. Kann er denn mit Kritik umgehen? Er nickt. «Konstruktive Kritik und Verbesserungsvorschläge sind wichtig für den Dialog. Alles andere prallt an mir ab und verpufft.»

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