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100 Jahre in Speicher: Museum für Lebensgeschichten zeigt Leben von Jakob Eugster

Der einstige Kantonsrat Jakob Eugster lebt seit mittlerweile 100 Jahren in Speicher. Im Alterswohn- und Pflegezentrum Hof geniesst er seinen Lebensabend. Dort ist vom 19. Dezember bis zum 5. März eine Ausstellung über sein Leben zu sehen.

Astrid Zysset
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Jakob Eugster wurde im vergangenen April 100 Jahre alt.

Jakob Eugster wurde im vergangenen April 100 Jahre alt.

Bild: Peter Abegglen

Jakob Eugster geht zwar am Stock, doch ansonsten macht er einen fitten Eindruck. Der 100-Jährige ist gut zu Fuss, hört aufmerksam zu und ist um keinen Spruch verlegen. Als er kürzlich auf Glatteis ausrutschte, hat er sich die Rippen geprellt. Zum Arzt ging er aber nicht. «Ach, Unkraut vergeht nicht so schnell», sagt er und winkt ab. Und: Die Hemden, die er während des Sturzes in den Händen hielt, seien nicht dreckig geworden. «Das ist doch bemerkenswert!»

Jakob Eugster hat den Schalk im Nacken. Das macht ihn zum unterhaltsamen Zeitgenossen, und beliebt. Hannelore Schärer, Präsidentin des Museums für Lebensgeschichten, betont denn auch, dass die Vernissage in diesem Bericht unerwähnt bleiben muss. Zu viele Gäste würden ansonsten kommen. Aufgrund der Coronamassnahmen sei nur eine begrenzte Anzahl zugelassen. Ab kommendem Sonntag zeigt das Museum im Alterswohn- und Pflegezentrum Hof in Speicher eine Ausstellung über das Leben von Jakob Eugster. 100 Jahre lebt dieser bereits in Speicher; die vergangenen elf im Hof.

Die Jugendliebe geheiratet

Hier lebt er in einer Dreieinhalb-Zimmer-Wohnung. Die ersten Jahre noch zusammen mit seiner geliebten Frau Martha. Doch 2017 verstarb sie. 72 Jahre waren die beiden verheiratet. «Grossen Krach hatten wir eigentlich nie. Wir konnten immer über alles reden», so Eugster. Kennen gelernt hatte er sie in der fünften Klasse. Aus der Ehe ging ein Sohn hervor.

Jakob Eugster ist am 23. April 1921 als jüngster Sohn von Johann und Martha Eugster auf der Neppenegg zur Welt gekommen. Er war der Nachzügler, seine Mutter war damals bereits 48 Jahre alt. Auf die Frage hin, ob seine Kindheit glücklich gewesen war, sagt Jakob Eugster, dass sie es war – bis zum Tod seines Vaters 1932. Die Mutter fiel daraufhin in Schwermut. Jakob selbst war auf sich gestellt. Wie er angibt, konnte er damals seiner Mutter «nichts mehr Recht machen». In der Schule hängte er sich rein, und schloss die Lehre zum Schriftsetzer bei der Druckerei Adolf Hauke in Speicher mit Bestnote ab.

Ein Herz für die Kalligrafie

Die Schrift ist eine der Leidenschaften, die ihn zeitlebens begleitet haben. In der Ausstellung sind Beispiele seines kalligrafischen Talents zu sehen. Diplome, Einladungen und den Schlussbericht zu «Appenzell 450 Jahre im Bunde der Eidgenossen» gestaltete er. Auf Letzteren ist er besonders stolz. Ausgestellt ist eine Kopie, das Original wurde auf der Gemeindekanzlei gelagert, ist aber mittlerweile nicht mehr auffindbar. «Den hat jemand ausgeliehen und vergessen, zurückzubringen. Aber vielleicht erinnert sich diese Person nun wieder daran», sagt Eugster hoffnungsfroh. Allzu gerne würde er den Bericht der Nachwelt hinterlassen.

Was hingegen vollständig im Original erhalten ist, ist die Büttenrede, welche Eugster im Rahmen eines Festes des Turnvereins Speicher hielt. Diese sorgte schliesslich dafür, dass die alte Kohleheizung in der Zentralschulhausturnhalle nicht wie einst vorgesehen durch ein gleiches Modell, sondern durch eine neue ersetzt wurde.

Alle Alpenpässe mit dem Fahrrad absolviert

Die Ausstellung beinhaltete alte Klassenfotos, Kalligrafien, Angaben zu den Wohnorten in der Neppenegg und im Herbrig, Fotos, Erinnerungen an seine 562 Tage im Militär, an seine Zeit im Kantonsrat 1969 –1976 wie auch solche an seine Abenteuer mit dem Fahrrad. Alle Alpenpässe habe er absolviert, so der 100-Jährige stolz. Übernachtet wurde damals im Zelt. Auch wenn das bedeutete, dass Jakob Eugster eines Morgens mit einer Spinne im Ohr wach wurde. «Die hat einen Krach gemacht auf meinem Trommelfell! Das vergesse ich nie.» Eugster selbst zeigt sich zufrieden, als er von Vitrine zu Vitrine wandelt und auf sein Leben zurückblickt. Schade sei nur, dass es nicht noch mehr zu erzählen gab, fügt er an. «Aber eine Ausstellung bekommt nicht jeder. Das macht mich schon stolz!»

Die Ausstellung ist vom 19. Dezember bis zum 5. März zu sehen.

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