100 JAHRE: Im Wandel konstant

Das Amt für Mittel- und Hochschulen und Berufsbildung des Kantons Ausserrhoden feiert in diesem Jahr ein Jubiläum. Seit einem Jahrhundert setzen sich dessen Mitarbeiter für eine hochwertige Grundbildung ein.

Gianni Amstutz
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Die aktiven und ehemaligen Mitarbeiter des Amtes für Mittel- und Hochschulen und Berufsbildung. (Bild: PD)

Die aktiven und ehemaligen Mitarbeiter des Amtes für Mittel- und Hochschulen und Berufsbildung. (Bild: PD)

Gianni Amstutz

gianni.amstutz@appenzellerzeitung.ch

Nur durch einen Zufall sei man überhaupt darauf aufmerksam geworden, dass in diesem Jahr ein Jubiläum anstehe. «Der Kanton St. Gallen hat uns angefragt, ob wir 2018 eine gemeinsame Jubiläumsfeier durchführen wollen», erzählt Peter Bleisch, Amtsleiter für Mittel- und Hochschulen und Berufsbildung. Abklärungen hätten dann jedoch ergeben, dass sich bereits in diesem Jahr der 100. Jahrestag des Ausserrhoder Berufsbildungsamts ereignet. Am Mittwochabend versammelten sich daher aktive und ehemalige Mitarbeiter des kantonalen Amtes für Berufsbildung im Regierungsgebäude Herisau, um gemeinsam das Jubiläum zu feiern.

Hoher Stellenwert der Berufsbildung

«Der Berufsbildung ist schon vor 100 Jahren ein hoher Stellenwert in der Gesellschaft zugekommen», sagte Peter Bleisch. Dies würden die Zahlen aus den Anfängen des Amtes bestätigen. «Momentan arbeiten 15 Mitarbeiter beim Amt für Berufsbildung. Die Zahl ist mit jener aus dem Jahr 1917 vergleichbar.» Vieles hat sich aber auch verändert. Das konnte Regierungsrat Alfred Stricker in seinen Nachforschungen feststellen. «Der Wandel ist die einzige Konstante in der Berufsbildung. Neue Berufe entstehen, andere wiederum verschwinden.» So zählten 1930 Bäcker, Coiffeur, Schreiner, Damenschneiderin, Weissnäherin und Coiffeuse zu den beliebtesten Berufen. Seit den 60er-Jahren ist das KV Spitzenreiter bei der Berufswahl. Zudem sind in den vergangenen Jahren zahlreiche neue Berufe hinzugekommen. Das bietet zunehmende Möglichkeiten, kann die Suche nach dem geeigneten Job jedoch erschweren.

Barbara Guggenbühl, Abteilungsleiterin der Berufs-, Studien- und Laufbahnberatung, sagt dazu: «Heute sind die Möglichkeiten vielfältiger als früher.» Da seien viele junge Menschen ohne Berufsberatung überfordert. Mit der Erstausbildung ende jedoch die Berufsbildung meist noch nicht. Früher sei die Berufswahl eine Entscheidung für das ganze Leben bis zur Pensionierung gewesen. «Heute üben viele Personen in ihrem Leben mehrere verschiedene Berufe aus.» Sei das, weil sie sich im selben Berufsfeld weiterbilden, eine höhere Ausbildung absolvieren oder durch Arbeitslosigkeit zu einem Wechsel des Berufs gezwungen sind.

Kein Lehrlingsmangel feststellbar

Entgegen dem, was häufig in den Medien zu lesen sei, bewege sich die Anzahl der Jugendlichen, welche sich für eine Lehre entscheiden, auf einem konstant hohen Niveau, betonte Peter Bleisch. «Bei meinem Stellenantritt 2012 hiess es, dass viele Lehrstellen bald nicht mehr besetzt werden könnten. Die vergangenen Jahre konnten das jedoch nicht bestätigen.» Immer noch würden sich über 60 Prozent oder rund 500 Jugendliche pro Jahr für eine Lehrstelle entscheiden, so dass ein Grossteil der Lehrstellen besetzt werden könnte. «Das ist ein unglaubliches Qualitätsmerkmal für unseren Kanton.» Wichtig sei aber auch, dass mit der Mittelschule eine gute Ergänzung zur Berufslehre bestehe. Zudem existieren seit 2007 sogenannte Brückenangebote für Jugendliche, die nach der Schulzeit keine Lehrstelle finden oder ein Zwischenjahr einlegen wollen.

Mit dem dualen Bildungssystem habe man eine gute Grundlage, und die Berufsbildung im Kanton sei gut unterwegs, lobte Alfred Stricker die Arbeit des Amtes für Berufsbildung. Man müsse jedoch achtsam bleiben und dürfe sich nicht zurücklehnen. «Nur so kann der Standort Appenzell Ausserrhoden langfristig und nachhaltig gestärkt werden.»